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A THOUSAND ACRES, revisited

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Jessica Lange, Michelle Pfeiffer und Jennifer Jason Leigh als Schwestern, deren Vater, Jason Robards, Besitzer einer großen Farm, sich einen ruhigen Altersabend machen und seinen Besitz den Töchtern überschreiben will. Skeptisch ist nur Jennifer Jason Leigh, die, anders als ihre Schwestern, nicht in umittelbarer Nähe lebt und als Anwältin arbeitet. Erzürnt über ihren Zweifel, teilt er seinen Besitz unter den älteren Schwestern auf. Eine folgenreiche Entscheidung, die den Ruin fast jeder einzelnen Figur zur Folge haben wird.

Die Ausgangssituation spiegelt „King Lear“ und auch im weiteren Handlungsverlauf gibt es Parallelen, doch „A Thousand Acres“ erzählt eine ewige, klassische Familientragödie, die genau so gut in Bayern spielen könnte, nur, dass es da keine Jessica, Michelle oder Jennifer gäbe. Insbesondere die Verbundenheit/Abhängigkeit, das Vertrauen und vor allem das Unausgesprochene zwischen Lange und Pfeiffer, die Bandbreite von Bitterkeit und Zuneigung machen den Film (wieder)sehenswert. Die Kälte im Spiel Michelle Pfeiffers, neben der selbst Catherine Deneuve wie ein Lagerfeuer wirken würde – herausragend. Das Plakat deutet auf einen Feelgood-Frauenfilm, aber Jocelyne Moorhouse hat eine harsche Tragödie inszeniert, die an vielen Stellen regelrecht weh tut – ich hatte mich fast ein Jahr davor gedrückt, mir den Film noch einmal anzuschauen. Nun bin ich sehr froh, es doch getan zu haben.

„REDE MIT MIR, DAMIT ICH DICH SEHE“*

Eine mögliche Zusammenarbeit, bei der ich mich frage, warum ich nicht früher darauf gekommen bin. Je länger ich darüber nachdenke, desto noch wohler fühle ich mich bei dem Gedanken, aus meiner geparkten Tätigeit aufzubrechen und mich wieder in die Arena zu begeben. Und dass dies ohne große Sorge geschen kann, möglicherweise, hat maßgeblich mit der Dame zu tun, um deren Projekt es geht. I am intrigued.

Als ich die Münchner Telefonnummer auf dem Display sehe, denke ich, dass es sich um meine wunderbare zukünftige Mitbewohnerin handelt, die ab morgen für ein paar Monate hier logieren wird, um für einen Dokumentarfilm zu recherchieren. Die ich unter anderem deshalb so absolut wunderbar und Glam-WG-tauglich befand, weil vieles an ihr mich an die oben erwähnte Dame erinnert. Parallelen in der seelischen Energie. Aber dann ist es jemand ganz anderes am Telefon, eine Dame in einem Verlag, den ich sehr schätze, Renommé GALORE, und die mich informiert, dass sie meinen Schauerroman schaurig schön findet, aber einen kleinen Änderungswunsch hätte. Das Herz sinkt, dann nennt sie den Vorschlag, ich überlege –

„Das hat Ihnen doch sicher das Herz gebrochen, oder?!“ fragt meine Agentin eine halbe Stunde später.
„Nein“, sage ich, „denn sie hat Recht. Und zu sagen, dass die Geschichte stark genug ist, um auf diesen einen Effekt zu verzichten, war der beste Weg mir klar zu machen, dass sie recht hat.“ Diese Seite heißt ja auch nicht Overglamourdick.
„Herr Dick, ich freue mich so für Sie – Glückwunsch!“
„Noch nicht, Frau Agentin, ich muss doch erst einmal ändern und dann schauen ob die Änderungen funktionieren – aber DANKE, denn ohne Sie wäre es nie dazu gekommen.“
Und so ist es. She did a hell of a job. (Und übrigens alles unter bürgerlichem Namen, ganz jenseits von Lit.Blog-Hype und Glamourdick-exposure.)

Und weil es ja immer in drei Akten geschieht (dies waren schon 4 eigentlich) – im Film so in 90 Minuten – bei mir hat´s einen ganzen Tag gebraucht, komm ich von der Arbeit nach Haus und finde in meinem Briefkasten, das sind die kleinen Metallkästen mit Namensaufschriften, die in Hausfluren hängen, wo Sie sich immer schon gefragt haben – Was IST Das?? – fand sich ein Brief von Frau T. Und sie schreibt wie sie lehrte – elegant, edel, und mit Charme, Tiefe und Verbindlichkeit. Und mit Freude, von mir gehört zu haben. Das ist der krönendste Moment an diesem Tag, dass sich über diese lange lange Zeit ein Verständnis plötzlich wieder herstellt, dass diese Lady, die sie war und ist, sich noch genau so an mich erinnert, wie ich mich an sie. „In alter Verbundenheit grüßt sie herzlich S.T.“ Ein Treffen in diesem Sommer. Spätestens.

Ich komm mit dem Akte-zählen nicht hinterher. Aber bei mir läuft es eben nicht immer so sortiert. Also – the Bomec has landend und es ist eine Freude, ihn als neuen Nachbarn zu haben. Bomec-Baby, good you´re back und Happy Birthday!!

* Sokrates, aus dem Brief von Frau T.

MADGE GOES GAGA

Und sieht gut aus, so als Madonna verkleidet. Der Clip hat vermutlich mehr CGI als die Herr der Ringe-Trilogie. (But actually, I like the song.)

GLAMMY KOMA

Kompletter Filmriss zwischen ich sitze mit Kitty K. im Auto und jetzt, viele mehrere einige keine Ahnung Stunden später. Immerhin zwischendrin irgendwann einen Kessel Buntes gewaschen. Aber immerhin jetzt nicht so mit kollabieren und Drogen und so wie andere Leute. Nur Frühling und Frühstück beim Strike.

ANY GIVEN MAY

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So, wenn Sie diese Nachbarschaft nicht kennen, willkommen in 36. Info – an diesem Tag im Jahr ist hier erst immer so Straßenfestmäßig, dann stellt man fest, dass dieses Jahr der Kiosk sich nicht traut aufzumachen – schlääääächtes Zeichen – und auch Scheiße, ein Wochenende ohne Cola – und dann paradieren in Glee-Choreographien diese wohlgebauten westdeutschen Polizisten in Schock-Uniformen und mit Angst in den Augen; von weiter her der Gesang politisch (???) motivierter agitierter Votzenköppe auf Männerbeinen, Hubschraubergebrumms, Sirenen, vereinzelt Schreie, noch brennt nix. Den jüngeren Mietern aus dem Erdgeschoss, wo es wegen Schimmel keiner lange aushält, begegne ich beim Nach Hause kommen vom vergeblich Cola einkaufen wollen, sie machen sich auf, viel Spaß beim Zuschauen! Welcome in the war zone. Wir Erprobten haben unsere Autos sicher geparkt und schütten später Wasser und untrinkbare Partyweine auf die pubertierenden Wichser aus Altötting, Peine und Gera, wenn sie Zuflucht in unserem Hinterhof suchen.

Und der verschissene Killer-Oleander wiegt sich majestätisch hin und her im Luftzug wie die Hand der verschissenen Queen oder die von Vivienne Westwoood – „No – I´m not WAVIN at you, I´m WIPIN YOU OUT!“ Du bist so tot, Alter. Wenn die G. Dich nicht abholt, dann hol ich die Säge.

COLDHEART CANYON, revisited again

Es gibt in meinem Erwachsenenleben (dessen Anfang ich mit dem 30. Lebensjahr beziffern würde) nicht eine Handvoll Bücher, die ich mehr als zwei mal gelesen habe. Und dies wird kein Beitrag über Coupland, denn in meiner Lebenssituation „Eleanor Rigby“ zum fünften Mal zu lesen wäre Selbstmord. Also hatte ich mir vor ein paar Tagen das andere Buch wieder vorgenommen, das alles hat, was ich jetzt wirklich brauche. Eskapismus, Sex, Horror, Geschichten von Liebe – der falschen, der richtigen, der unpassenden, Hollywood-Babylon galore, Navarro, Fairbanks, Gore, Hardcore. Glamour. Nein, GLAMOUR. Und lese vor mich hin, gechillt und gethrillt, während draußen der Mailärm lauter wird, die Sirenen quengeln, in Ferne dumme Arschlöcher skandieren, lese und dann kommt das Finale und dann geht es weiter, und ich hatte komplett vergessen, wie Clive Barker die Geschichte weiter erzählt, wie nach dem ganzen Scaren, Clashen und Bashen auf einmal eine Zärtlichkeit in die Story gezaubert wird, wie er einen zum Weinen bringt, dann zum Lachen (gespenstischer Protagonist mit Erektion), während die Tränen noch laufen , dann wieder zum Weinen, wie er einen aus dem MGM-Musical von Hieronymus Bosch hinauserlöst und emporträgt. „Coldheart Canyon“ ist Trash, auf dem glamsten, hollywoodgöttlichsten effektivsten Niveau. Bei all dem Splatter und Gore, Monstren, Mythen, Mutationen indeed – eine Heimat, ich möchte einziehen. Coldheart Canyon ist mein Manderley-Tara-Brokeback Mountain. I tell you. Coldheart Canyon. Go there. (But you got to be Glam, if you dare.)