Archiv des Autors: glamourdick

VICTIMS

Zwei Tage durchgeweint. Die Augen so zu, dass ein zu Ende Lesen nicht möglich war. Ich schäme mich nicht, ich habe schon als Kind für Marilyn geweint, als ich von ihrem Ende erfuhr.
„Es sind immer die sensiblen, schönen Seelen, die von unserer Gesellschaft kaputt gemacht werden“, hatte mir eine ebenfalls Insässige vor ein paar Jahren in der psychosomatischen Klinik ins Gesicht gesagt. Und da musste ich auch weinen, damals für mich.

Heute werde ich mich mit Kartoffeln schälen erden. Sinnlose Happy go lucky-Musik hören. Und der Poster-Boy, der mir jeden Tag beim Schreiben zuschaut, der wird´s mir nicht übel nehmen, weil er ja weiß, dass an seinem Platz in meinem kreativen Pantheon nicht zu rütteln ist. (Was ihn nicht davon abhält, sich immer wieder bemerkbar zu machen, zuletzt mit einer Parfum-Probe „Jean Paul Gaultier“, das müssen Sie jetzt aber nicht verstehen).

Für einen Namenskollegen hatte ich geschrieben „Matthew, Matthew – there´s something you have never seen – when I cry over you, my eyes turn green.“

Also wundern Sie sich heute abend nicht über meine Augenfarbe und Form. I´ll still be your favourite Queen. In Kelly-green.

JUDY SHEPARD: „THE MEANING OF MATTHEW“

„Das wollte ich Dir eigentlich gar nicht schenken, weil ich dachte, das macht bestimmt keine gute Stimmung“, sagt Herr Strike, als er mir das Buch überreicht, das anderthalb Jahre lang auf meinem Wunschzettel auf mich wartete.
Ich habe es gestern fast durchgelesen. Was mich davon abhielt, war die Zeit, denn ich musste es alle paar Seiten aus der Hand legen, um nach Fassung zu ringen. Wenn eine Mutter über ihren ermordeten Sohn schreibt, seine Geschichte von klein auf bis zu den letzten drei Tagen im Koma, die Schockwelle, die von seinem Tod und der Tat, die dazu führte, durch das Land ging, das hat mich tief bewegt. Ich bin gestern nacht drei mal aufgewacht, nassgeschwitzt. Als ich nach dem dritten Mal gerade wieder einschlief, holte mich ein Geräusch in die Wachwelt zurück. Der Buchumschlag war vom Nachttisch auf den Boden gefallen. Die Geschichte lässt mich seit zehn Jahren nicht los und wird nie aufhören, mich zu entsetzen.

Das Buch.

matthew

Früherer Beitrag.

EIN HERZ FÜR

schwule Neger. Suchen wir nicht gerade einen Präsidenten? Werden nicht auch in diesem Land viel zu viele Kinder in der Tiefkühltruhe verstaut, die man viel besser in die Backen injizieren könnte in einem Madonnahaus unterbringen könnte?? Malawi war nur der Anfang! Madonna, jetzt rette Deutschland! Lena allein schafft das nicht!

NAKED BEFORE YOU

Wenn der Juni naht, ist es im Hause Glam höchste Zeit, die Haarfarbe zu korrigieren, schließlich gilt es, Marilyn zu huldigen, ich kann nicht glücklich Geburtstag feiern, wenn ich vier cm dunklen Ansatz habe. Der Wage- oder Übermut führte dann dazu, dass wir neben den Ansätzen, die hervorragend das neue Elsie-Marina-Blond zogen, den Bart mit der bewährten Shoe-shine-Technik colorierten. Schlimmstenfalls würde der rot werden – Barthaare sind ja, wie Schamhaare, farbresistenter, aber ein roter Bart zu Elsie-Marina-Blond ist schicker, als ein braun-weiß-melierter. (Ich gerate nach meinem Vater, was die Ergrauung angeht. Nicht grau, sondern schlohweiß.) Was wir nicht ahnen konnten, war die Farbresistenz der weißen Haare. Die braunen Barthaare nahmen nämlich die Farbe ganz wunderbar an, die weißen jedoch blieben einfach weiß. Ein paar Weingläser mutiger tat ich dann etwas, was ich mindestens zehn Jahre nicht getan habe. Und wenn man zehn Jahre zum Teil Goatee, als das hip war, dann drei-bis-sieben-Tage und auch mal Rauschebart (der sieht an Devendra einfach besser aus) getragen hat und dann auf einmal in den Spiegel schaut und das Gesicht ist splitterfasernackt, dann ist das in etwa so, wie wenn man sich den Schädel rasiert und am Hinterkopf eine mysteriöse 666-Tattoo entdeckt hätte. Gewöhnungsbedürftig. Ein wenig bestürzend.

Sehen wir´s positiv: Mr. Frankie, I´m ready for Jeraldine´s close up.

VITA

Man hat es nicht so ganz vermasselt, wenn man dereinst dem Patenkind berichten kann, wie es war, in den Laufsteg-Trainer verliebt gewesen zu sein. (Weshalb der mir gerade heute einfällt – Dog only knows.)