Archiv des Autors: glamourdick

ANYTHING BUT FLAT

Durch´s Gröbste sind wir wohl durch, meint er. Zwei Wochen haben wir uns beschnüffelt, irgendwie. Wie Cartoon-Spione auf der Parkbank-sitzend, über die Tageszeitung linsend. Nicht wirklich. Ich habe aus dem Augenwinkel verfolgt, wie er so ist und das Bild, das man sich eigentlich von jemandem macht, pinselte sich von selbst. Ich bin nicht skeptisch an die Situation heran gegangen sondern frohen Muts, ich wäre nicht Glam, sonst. Die mittlerweile wieder in München residierende Mitbewohnerin hat den Weg geebnet – der neue Mitbewohner schreitet stolz in ihrer Tradition. Wonderful people. Wir sind immer noch ein bisschen vorsichtig miteinander, aber in a good way. Dann kommen immer wieder Momente intensiver Offenheit, ich glaube, weil wir beide wollen, dass dieses miteinander Wohnen funktioniert – uns ist beiden daran gelegen.

Momentan sind wir zu dritt. Ein Couchsurfer auf Weltreise ist hängen geblieben, und es macht mich froh, dass er hier seinen Zwischenstopp macht, um sich zu sortieren. (Er bewohnt das Arbeitszimmer, seit 10 Tagen schreibe ich vom Bett aus.) Drei unterschiedlichere Menschen kann man sich kaum vorstellen; das einzige, was wir gemein haben ist Rufus Wainwright. T. aus Seattle mag am Liebsten die Judy-CD, S. aus Manchester liebt die Songs for Lulu und ich aus Berlin bleibe bei Want 1 & 2 und Release the Stars. Sie sehen – wir sind dann doch sehr verschieden.

Und natürlich die Gäste. Was wäre die Sommer-Mansion ohne Terrassen-Gelage? Und was wären die Boots-Ausflüge ohne neue Star-Gäste? Der Sommer hat spät begonnen, aber er macht an Qualität wett, was er quantitativ in Tagen missen ließ. Fast schade, dass ich dieses Wochenende nicht in Berlin bin, aber gut zu wissen, dass auch ohne mich hier Leben in der Wohnung (und auf dem See) sein wird.

Ich wünsch Euch allen ein traumhaft schönes Wochenende und denk an Euch, wenn Ihr auf dem See seid. Kiss to Lucky and Kitty and Bomec!

AUCH GESTERN

Ich ziehe die Ruder ins Boot und lege mich hin. Unter mir das Wasser, diese sedierende leichte Bewegung, ich werde von der Strömung in Richtung Heimatstrand getragen. Ich schaue nach oben in die Wolken, die von Tolkien sein könnten (vorgestern sahen sie aus wie Illustrationen zu Dante´s Inferno), hier sind sie gerade weiß und flauschig, hinter mir zieht es sich marineblaugrau zu. Jetzt funkelt der See noch einmal, das Licht bricht sich als habe jemand großzügig Diamanten über mitternachtsblauen Satin geschmettert, aber schöner noch als das Wasser – die kleinen Schwalben, die über mir fliegen. Eine nach der anderen fliegt das Sonnenlicht an, stellt sich in der Luft schräg, so dass der weiße Schwalbenbauch in die Sonne blitzt, verharrt, dreht dann ab, fliegt fort, dahin wo Schwalben das tun, was Schwalben so tun. Berliner Sommer, ick liebe Dir so much.

DER (WIRKLICH) SCHÖNE LADEN

Vorm „Schönen Laden“ schau ich mir die Grußpostkarten an, weil die Mutter Dick am Sonntag Geburtstag hat. Die Inhaberin steht in der Tür und raucht.
„Ich schau mal, ob ich´s passend hab, dann musst Du nicht rein.“
„Ach, das ist doch kein Problem, aber weißt Du was – die schenk ich Dir.“ Und strahlt, und ich auch.

CAN´T YOU SEE I´M BURNING, BURNING

Vielleicht sollte ich doch nochmal einen Erfrischungskurs bei Heidi nehmen – es ist mein ungefähr dritter Urlaubstag (alle schön einzeln) in diesem Jahr. Und ich fühle mich schuldig.

Und so stellt sich mir die Frage – soll ich mal total overboarden und morgen auch noch frei nehmen?

Gesagt, getan.

HOSTEL

Haben Sie den gesehen? Den wo die Testosteron-Backpacker das geile Hostel in irgendeinem Balkanland aufsuchen und dann einer nach dem anderen auf´s Brutalste niedergemetzelt werden? (Müssen Sie nicht gesehen haben, schauen Sie lieber „Eden Lake“.) Was an dem Film klar wird – Backpacker sind mitunter verpeilt, was ich auch während der Fussballweltmeisterschaft gemerkt habe, als die Fernseher vor den Hostels aufgestellt wurden und die Gäste sich auf die Straße gestellt haben, um zuzuschauen. Dann ihre verträumten Blicke, nachdem man zum vierten Mal andauernd gehupt hat, weil man gerne mit dem Wagen an ihnen vorbei möchte. Seit etwa einem Jahr ist meine Nachbarschaft, dank der Eröffnung eines wirklich schicken Hostels, ein Touristenmagnet. Das bedeutet aber auch, dass es zu Begegnungen wie der oben beschriebenen kommt und man für den Kioskbesuch mehr Zeit einplanen muss, weil der türkische Verkäufer erst einmal mit den drei Schwedinnen flirten muss, wofür er tatsächlich einen Englischkurs an der Volkshochschule besucht hat. Reisende bilden. Ja, aber warum beherbergt der Dick dann ständig Reisende, während er sich hier über sie beschwert? Das kann ich Ihnen sagen. Meine Gäste sind schlau. Intelligent genug, Couch zu surfen anstatt Geld für ein Hostel raus zu schmeißen, in dem sie sowieso nur mit anderen Reisenden ins Gespräch kommen und so praktisch nichts Einheimisches erleben.

DER LIEBE GOTT ACCORDING TO EVA HERMAN

„Das Ende der Loveparade dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt sein! Eventuell haben hier auch andere Mächte eingegriffen, um dem schamlosen Treiben ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“

Quelle: Bild.

Nachtrag:
Das ganze Grauen hier.

GLAMOSAS oder KOCHEN, LEIDER OHNE SCHWADRONEUSE

Man gehe einkaufen, mit dem festen Plan, ein Brokeback-Mountain-Dinner zuzubereiten – Baked Beans, scrambled Eggs, Mashed Potatoes. (Fragen Sie nicht – mir war danach.) Dann stellt man fest, dass der Aso-Supermarkt keine Baked Beans führt, stattdessen aber Blätterteig, bereits ausgerollt und readymade. Ein so geniales Produkt, dass es garantiert binnen zwei Wochen wieder aus dem Sortiment fliegt. Kartoffeln, Mandeln, Rosinen, eine Dose Erbsen und Karotten. Kartoffeln kochen nach Methode Salzkartoffeln, danach in chunkige Stücke in etwa wie wenn man sich die Daumenkuppe abhackt, stückeln, den Rest der Zutaten beimischen, ordentlich würzen (ich persönlich schwöre aus Meersalz und Rainbow-Pfeffer, you can call me a fag but then I´ll hate on YOU), dabei auch die sonst nie verwendete Asia-Gewürzmischung Bio nicht zu zimperlich einsetzen. Den Teig, der praktischerweise bereits auf einer Schicht Bratpapier liegt, ein wenig in die Länge und Breite zuppeln (Vorsicht! nicht zerreißen!), dann die Kartoffel-Masse hineingeben und den Teig darüber zuzuppeln. Man könnte sich natürlich die Mühe machen, den Teig zu teilen und kleine Teigtaschen zu füllen und zuzuzuppeln, aber who needs it? Eine Große ist auch schick. Bei 200° ca 20 Minuten im vorgeheizten Ofen garen.

Man kann das mit Joghurt servieren, aber ich finde Kräuter Crême Fraiche gibt dem Ganzen mehr Pfiff.

Fazit, die Erbsen schmeckt man nachher nicht mehr durch, aber sie tun was für die Konsistenz, also nicht drauf verzichten. Glam appetit!