Archiv des Autors: glamourdick

DE TROP

Neu, wenn einem Mitgenossen das Leben rezensieren möchten. Nötig ist es nicht. Ich hatte gerade andere Dimensionen von Drama und Freude, da schüttelt man so ein bisschen Pisse am Bein ganz gut ab.

WELCOME TO THE LONELIEST CITY IN THE WORLD

Ja, da war drama-content gestern und vorgestern, sorry, c´est ma vie. Interessant, zu sehen, dass der Count hochgeht, wenn es jemandem schlecht geht. Die Besucherzahl am Sonntag war jedenfalls für einen Sonntag astronomisch. (In diesem Medium, das ja interaktiv ist, wäre es doch mal begrüßenswert, Trost oder Anteilnahme, vielleicht auch nur Zurkenntnissnahme auszusprechen, anstatt drauf zu schauen, was als nächstes passiert.) A blog may be virtual, aber die Person dahinter ist kein Hologramm, Leser.

But anyway. Everything´s fine. Glam is happy.

DIE SCHÖNHEIT

„I´ll do it for you
I´ll be Isolde or Marion for you
I´ll do it for you
I´ll come in a hurricane for you.“

Die Schönheit der „Red Shoes“ hat mir gestern den Boden unter den Füßen weggzogen. Sprichwörtlich. Ich musste mich setzen. Das ist eine Platte, die man eigentlich nur hören sollte, wenn man ganz ganz stark ist. Weil sie, wenn man ganz ganz am Boden ist, einen schlichtweg versenkt. Aber erst da, am Boden, wo es weh tut, da erschließt sie sich und blüht auf, füllt einen aus und wächst um einen herum, funkelt wütend, verletzt, abgrundtief. Da ist Kates Stimme so wie Marilyns Gesicht, heilig, Heimat. Die Prince-Kollaboration und das alberne Fruchtlied mal ignorierend – man ersetze den Prince-Track einfach mit dem hinreißenden ursprünglichen Demo und skippe den Obstsong – was Kate auf diesem Album thematisiert ist die gesamte Bandbreite der Komplexität von Liebe. Und das aus einer reifen, klaren, erwachsenen Sicht. Das ist nicht nur ein Album, das ist die Seele der Musik. Ja, Ihr dummen Kritiker, die Ihr sie damals verrissen habt – vielleicht habt Ihr ja mittlerweile auch einmal am Herz gelitten und ärgert Euch für Eure damalige Unwissenheit und mangelnde Reife. Vielleicht auch nicht, you sad old assholes, dann wisst Ihr nich, was Euch entgeht.

MICHAEL TO MY RIGHT

Interkulturelle Kommunikation. Nicht immer leicht. Klischees und Vorurteile – nicht immer falsch. Die Latinofalle: immer wieder.

Wir scheinen das zu brauchen. Ich mache Vorwürfe, er argumentiert sie weg. In seiner Logik ist aber auch wirklich alles logisch. Was geschah, in den Stunden zwischen „wir müssen dringend reden“ und seiner für mich tatsächlich überraschenden-und-dann-doch-wieder-nicht-Ankunft – Zeit eben. Was ist schon Zeit? Zwei Folgen „Bothers & Sisters“. Und während er erklärt und ich immer noch am vorwerfen bin, zieht er sein Shirt aus und ich klopfe mit der Hand auf den freien Platz neben mir und wir reden weiter, die Beine ineinandergegrätscht und den ganzen Abend lassen wir uns nicht los. Nicht einmal anstandshalber, als der Mitbewohner nach Hause kommt und sich mit einem Bündel ineinander vergrätschter Körper konfrontiert sieht.

Es ist mir noch niemand begegnet, mit dem ich mich körperlich wohler fühle. Und weil eh alles egal ist, weil eh nichts draus werden kann, weil ich eh schon die Drama Queen war, die ihn aufgegeben hat und jetzt liegen wir doch wieder hier, kann ich das aussprechen. Absolutely nothing to lose. Absolutely everything to lose. Telenovela! „You are the one person I am feeling totally at ease with, physically.“ Das ist ganz schön viel. Und ansonsten höre ich ihm zu und every now and then wird geküsst, Hände wandern, streichen, streicheln, sein Haar duftet. Das ist ganz schön viel und ganz viel schön.

„The Song of Solomon
The Song of everyone
who walks the path
of the solitary heart
The Soul cries out
Hear a Woman singing

Don´t want your bullshit
Just want your sexuality
Don´t want excuses
Write me your poetry in motion
Write it just for me
And sign it with a kiss.“

Song of Solomon, Kate Bush.

CRAZY FOR CARACAS

Mit Herrn Ereignishorizont im Schatten eines Baumes gesessen und die gestrige Telenovela noch einmal Revue passieren lassen. Der Herr Horizont kann bereits auf 2, bzw. anderthalb Venezolaner* zurück blicken und versteht alles.
„Wenn er sagt, er kommt um 5, dann stell dich auf 8 ein. Er muss vorher noch dringliche Dinge erledigen, die völlig ungeplant dazwischen kamen. Auf dem Weg zu Dir wird er dann auch noch in unvorhergesehene Ereignisse und komplexe Machenschaften verwickelt, die Du Dir kaum ausmalen kannst, aber so ist es. Du musst es akzeptieren.“
„Das stimmt. Gestern wurde ihm dann auch noch das Fahrrad geklaut. Aber wenn er da ist, dann sowas von.“
„Schon sehr seltsam diese Häufung. Venezolaner. Ein Trend?“
„Wenn die alle so geil sind wie unsere zweieinhalb, was machen wir eigentlich noch hier in Berlin?“

*Das musste ich auch erst per Wikipedia prüfen, aber so heißense wirklich. Venezolaner. Und anderthalb, weil der eine nur Halbvenezolaner war.

AND STAY AWAY. JUST FORGET IT, ALL RIGHT?!

Neben einem halbleeren Weinglas aufgewacht, nackt im Fell, Regen. Kopf schmerzt, Augen fett und leergeheult, Körper zittrig. Erinnerung an ähnliche Situationen – ja, aber da war ich ja auch noch jung und unvorbereitet. Die Erkenntnis, dass das nie aufhören wird. Nur, dass der Schmerz schneller vorübergeht, weil man einfach weniger Zeit hat für solchen Scheiß. Keine Scherben. Das mit dem Besteck muss ich mir merken, es ist immer wieder schade um´s Geschirr.

Kein Bedauern über die gefallenen Worte, die ernst gemeint waren und immer noch Bestand haben. Alle Netz-Verbindungen gelöscht, aber nicht die beiden Fotos auf dem Handy, das geht irgendwie nicht. Nicht „noch nicht“. Die werden bleiben, man sammelt ja, als Chronist.

Gestern nacht. Am anderen Ende der Welt, wo schon ein neuer Tag begonnen hat, dreht jemand zeitgleich die Musik auf und tanzt durch sein Haus. Er aus reiner Lebenslust, ich, hinter frisch gewaschenen Gardinen, aus purem Wahn. Er tanzt, ich werfe mich gegen die Wände. Er weiß es nicht, dass er an diesem ganzen Drama auch Anteil hat, aber eines Tages wird er es erfahren. Eine Textnachricht bringt mich erneut zum Heulen, aber gut.

Und jetzt ist der Tag danach und im Hof bellt der dumme Hund. „Aus“ und „Nein“ sagt der dumme dumme-Hund-Besitzer und das sind die ersten Worte, die ich heute höre. Ich bin froh über die nicht ganz so dunkle alte Versace-Sonnenbrille. Ich könnte in den Zoo gehen oder irgendeine Kirche. Irgendwo sein, wo mich niemand wahrnimmt. Das ist das Beste für heute. I got petrol in the car. I got some money with me.

UND GLEICH KOMMT ER

und bringt eine Erklärung. God, I´m so easy. (But thank you anyway.)

Zwei Stunden später – keine Erklärung, kein Mann. Die letzte SMS beschuldigte die Berliner U-Bahn, aber in 20 Minuten sei er da, mit dem Fahrrad. Das war vor einer Stunde. Hat irgendjemand mitbekommen, dass ein attraktiver Venezuelaner überfahren wurde? Arghh.

Drei Stunden später ist er da. Wer braucht noch ne Erklärung? Schnapp.

GLAM SPRICHT MIT GOTT, soweit ist es gekommen.

Beim Spazierengehen gemerkt, dass ich gar nicht laufen möchte. Auf eine Parkbank gesetzt, Beine überschlagen, Ellbogen auf dem Knie. Kopfschmerzen. Geraucht. Festgestellt, dass die Ohren so wehtun, weil die Musik so laut, also Lautstärke runter. In die grüne Leere geschaut, „Song of Solomon“ wie zum ersten Mal gehört. Nur wenige Menschen unterwegs. Alle allein, bzw. manche allein mit Hund, andere allein mit (Einzel-)Kind. „So“, denke ich mir. „Bist Du jetzt also auch unter die Parkbanksitzer gegangen. Ist nichts Schlimmes bei.“ Nur dass ich irgendwann hungrig werde und durstig. Ich rauche noch eine, dann geh ich zurück, an einem Mann vorbei, der nichts trägt, als eine rote Sporthose und eine Alditüte. Auf dem Weg zurück zum Auto stelle ich fest, dass ich nicht Atmen kann und trotzdem nicht tot umfalle. Und dass ich meine Wohnung nicht sehen will, aber wo ich stattdessen hin soll weiß ich auch nicht. Ich will so nicht gesehen werden. Schlafen am Liebsten. Der Wachzustand hat es seit gestern in sich, aber ich habe keinen Knopf für Schlafmodus, ein weiterer Nachteil, den man als Mensch im Vergleich zu einer Fernbedienung hat. Da hast Du was geschaffen, mit Deiner Schöpfung, Gott. Schuldzuweisungen ans Universum empfahl Herr Strike kürzlich. Ja, Gott. Schäm Dich. Keiner braucht sowas. Und niemand besäuft sich sinnlos, es hat immer einen Grund.

Und Du merkst erst, wie durch Du bist…. oder “ coulda made it cruisin…“

… wenn Du typest 29 139 80 oder war es 7? 291 389 oder? Vielleicht besser.

Und möchte mir was zu essen machen, weil das Frühstück länger zurückliegt, aber angesichts des Bestecks stelle ich einen Mangel an Appetit fest. Und noch immer steht niemand mit Drogen vor der Tür.

Und dann zwingst Du Dich, etwas zu Essen zu fabrizieren, aber dann endest Du damit, das Besteck gegen die Spüle zu hämmern, damit es nicht das Geschirr trifft. Und es ist eine Frage der Zeit, für das Geschirr. Und irgendwann muss doch auch mal der Körper nachgeben, unterfüttert, zugetrunken? Ketamin???

Cruise on. And never EVER get in touch with me again. I mean it.