Archiv des Autors: glamourdick

THURSDAY I HAVE FRIDAY ON MY MIND oder FORGET YOUR TROUBLES, COME ON GET HAPPY

Nach dem Singen von Duetten und anderen Showstoppern größtmögliche Lust, Drogen zu gebrauchen, schwarze Balken um die Augen zu malen und mit auszugehen. Loyalität zum Arbeitgeber und mit den Kollegen bewahrt mich davor. Saison. Die innerliche Rebellenuhr ließ mich dann doch erst um 5 nach 8 aufwachen, bzw um 6 Uhr 20 den Wecker ausschalten. Ungeduscht, aber geschminkt at work. Immerhin.

Reminder: Roomie mit „Guilty“, „Enough is enough“ und „When the Rain begins to fall“ vertraut machen. Oh my. Mit „Rain“ schießen wir das Ronsons ab. I swear.

SAME OLD SAME OLD oder SNAGGY SHAGGY RATTY MATTY

Und trotzdem ist es jedes Jahr so, als habe es ihn vorher nie gegeben, den Herbst. Man kocht Suppen und bleibt zu Hause. Hört durch undichte Fenster dem Regen zu und hat die Walkers viel zu schnell angeschaut, jetzt folgen nur noch minderwertige Serien.

Auf der Suche nach einem sprichwörtlichen cheap thrill habe ich mir gestern die Haare abgeschnitten; die Ironie – sie haben jetzt exakt Greta Garbo-Länge.

Es ist dem Gleichmut des Alters zu verdanken, dass ich heute morgen nicht kreischend vorm Spiegel stand und die anderthalb Jahre Blond im Mülleimer raufte. Traaaaaaaansition!

Next step – appointment with hairdresser.

SURREAL. BUT NICE.

Nervöse Anspannung, wie vor einer Prüfung. Willkommene Ablenkung erfolgt durch einen Email-Wechsel, quasi Briefe an einen jungen Dichter 2.0. Da lese ich Sätze, die äußerst gut tun.

Rein in den Nieselregen, der dafür sorgt, dass meine Haare sich kräuseln, was ich heute gar nicht gebrauchen kann. Erst, als wir mit dem Schminken anfangen legt sich die Nervosität. Drei Stunden lang werden Augenbrauen abgeklebt, ein seltsam totenkopfgraues Make-up aufgetragen (das Foto wird schwarzweiß), der dunkelste Lippenstift aufgetragen.
„Ist das nicht zu groß?“
„Mach ruhig noch mehr.“
Wimpern geklebt, Lidfalten malerisch angehoben.
Frontal betrachtet sehe ich grotesk aus, mit den 30er Brauen, dem Make-up, das jede Falte akzentuiert. Aber im Profil kommt es schon sehr nah dran, an das Bild, das wir nachstellen. Noch besser wird es, als ich das Kostümjäckchen anziehe. Perfektion ist erreicht, als auch das letzte kaputte Blondhaar geglättet ist und Kittys Polarfuchs zum Einsatz kommt. Den gibt es zwar nicht im Original, aber er macht es absurderweise authentischer.

Fotos. Sinnentleert gucken. Garboesk an nichts denken. Ambitionierter: ans Nichts denken. Kinn strecken, Zunge an den Gaumen legen. Blick senken.

Mit Nivea die dicke Schminke in Bewegung bringen, Gesicht waschen, dieses Zeug, das die Augenbrauen abdeckt, geht nur mit feuchten Kosmetiktüchern ab.

Das Fotostudio wieder in eine Wohnung zurückverwandeln. Ein Glas Wein. Dann verabschiede ich mich vom Fotografen und fahre die Stylistin heim, parke den Wagen. Ziehe den Koffer durch den Regen hinter mir her.

Am Morgen das erste Bild. Es ist noch nicht genau das richtige, aber die Richtung stimmt. Es ist slightly surreal, sich selbst anzuschauen, in einem anderen Geschlecht, einem jüngere Alter, in einer anderen Ära. Siehe oben.

dvorakglam
(The Making of…)

GLAM GEHT INS TURMZIMMER oder RELEASE YOUR STARS

Circa 10 Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht, dafür zu Sorgen, dass berühmte Menschen ungestört ihrer Berühmtheit nachgehen können und diese in Form von Produkten zu Kapital zu verarbeiten. In diesen Jahren hatte ich beschlossen, dass es mir genügen würde, reich zu werden, aber auch daraus ist nichts geworden. Kann aber noch. Berühmtheit hat mich von jeher interessiert, ich hatte mir einen Pantheon aus Hollywood-Größen fabriziert, der für mich besser funktionierte als Religion. Mit einem Videorekorder hatte man die Götter auch viel schneller parat, als wenn man jedes Mal in die Kirche hätte müssen.

Dass die Berühmtheiten, mit denen ich arbeitete, am Ende des Tages (oder besonders am Beginn) auch nur Menschen waren, stellte sich schnell heraus, dennoch hatten sie mit ihrer Kunst etwas, das mich faszinierte und nicht aufhört, mich zu faszinieren. Künstlerisches Schaffen löst Achtung und Wertschätzung in mir aus, Kreativität, Schöpfung sind hohe Ideale. Die Mischung aus Genius und Disziplin ist neben emotionaler Intelligenz vielleicht das Bewundernswerteste an sich, und emotionale Intelligenz, die slightly mysterious bruises beinhaltet, da fühle ich mich angekommen und aufgenommen und wohlbehalten.

Mein Rolle als Zuarbeiter machte all die Jahre durchaus Sinn, ich bin Zwilling, unser Gott ist Merkur, und als diese Lebensphase sich dem Ende näherte, reflektierte ich sie, um zu überprüfen, was ich als nächstes machen wollte. Und dann fiel mir Jeraldine Dvorak ein, die eines der Licht-Doubles von Greta Garbo gewesen war und eine der drei Bräute von Lugosi-Dracula, und ihr Schicksal berührte mich. Das Licht-Double, das im Schatten stand. Eine Hollywood-Arbeiterin, die Bruchstücke von Glamour abbekam, natürlich hatte ich einen starken Bezug zu dieser Person. Und ich wollte etwas für sie tun. Und für mich. Und da schrieb sich ein Roman wie von selbst.

In diesem Sommer hat meine Agentin einen Verlag gefunden, nicht nur irgendeinen, sondern DEN Verlag. Bis zur Veröffentlichung wird noch exakt ein Jahr vergehen, aber „anything worth having is worth waiting for“ wusste schon Marilyn. Lieber ist mir, das Buch in guten Händen zu wissen und ein Jahr zu warten, als bei einem minderwertigen Verlag sofort veröffentlicht zu werden.

Heute nachmittag geht die Hommage an Jeraldine in die nächste Runde. Mein exquisites Team und ich werden uns redlich Mühe geben, ihr ein würdiges Denkmal zu setzen, noch eins, im Grunde. Ich sag jetzt schon mal Danke. An Frankie, an Betsy und an die Bee. Und an Jeraldine. Und ich freu mich!

GALLOWGLASS

Auch wenn es nur 10 Pfund waren – ich abempfehle Ihnen, sich die Barbara Vine-DVD-Trilogie zu besorgen, noch bevor ich „A dark-adapted Eye“ gesehen habe (da habe ich noch eine schwache Hoffnung. Immerhin spielt Mrs Tim Burton mit.). Wegen „Gallowglass“. Noch platter, billiger und unsinnlicher kann man keinen Roman verfilmen. Mit Knallchargen, die nicht einmal Platz in einer Telenovela finden würden. Darüberhinaus eine der schlimmsten Filmperücken aller Zeiten (die Tochter) und dem schäbigsten Sprühblond (es gab mal so eine Technik, in der man Schauspieler Trockenshampoo und Puder aufs Haar stäubte und mit Haarspray fixierte, wenn die sich für eine echte Blondierung zu schade waren), das ich je gesehen habe. Geht gar nicht. Die Farben, die Sets, die nicht vorhandene Dramaturgie. Figuren mit einer Tiefe, bei der man eigentlich von Wölbung sprechen muss. Vielleicht ist aber „Gallowglass“ auch ein Stoff, der eher für absurdes Theater geschrieben ist. Aber das muss man doch als Drehbuchautor/Produzent/Regisseur begreifen.

KATE BUSH VERZERRT DIE STATISTIK

Lauter Mails von Blogcounter, die mich über die Anzahl der Besucher dieser feinen Seite informieren wollen. Schau ich nach stelle ich fest, dass es heute um 9.00 bereits 300 Besucher waren, eine ordentliche Zahl. Klicke ein bisschen rum und stelle fest, dass ich bei yahoo.co.uk bei der Bildersuche nach Kate Bush an erster Stelle stehe. Schnell mal das Bild gelöscht. Ich freu mich ja über jeden Besucher, aber lieber sind mir die, die „Glamourdick“ googeln.

DVORAK-SATURDAY

Ohne Panikattacke Morgeneinkauf. Freundliche Schlecker-Verkäuferin und bitchige türkische Bäckerin, der ich am Liebsten eine knallen möchte für die sichtliche Abneigung, mit der sie die blonde Schwuchtel vor sich bedient. Vielleicht ist es auch nur Neid, dass ihr Bleaching-Job gerade zu Karottenrot gereicht hat und meiner das gewünschte Resultat erzielt hat. I´m tired of these stupid haters und eigentlich zu alt dafür, mich so aufzuregen. Ich hätte einfach nur „Votze“ sagen müssen, aber sie hatte ihre Familie dabei und ich wollte nichts auf die Fresse riskieren. Dennoch. Votze. Nee. Nicht mal das „V“ ist die Drecksau wert. Fotze. Geh, lass Dich von Deinem zu früh kommenden Alten herzlos und orgasmusfrei ficken. Wenn ich´s recht überleg, bist Du mit Deinem Leben schon genug bestraft. FOTZE.

„Atonement“ angefangen. Lieblingsbuch von Roomie und Lieblingskollegin. Und gerade als ich denke – verdammt lange Exposition – fängt es an zu passieren. Und Fotze spielt auch eine entscheidende Rolle, und das ohne Lindsay Lohan!

Auf dem Couchsurfer-Sofa im Arbeitszimmer türmen sich: Damenjäckchen aus den 50ies mit gepaspeltem Kragen, Waschbärplezjacke, Dolce & Gabbana Cashmere-Mantel, Polarfuchs, dünnes Hemdchen mit Perlenverzierung, das ich beim Schrank-Ausmisten entdeckt habe, Clarence Sinclair Bull-Fotoband, „Grand Hotel“-DVD, was hab ich vergessen? was hab ich vegessen? – oh me oh my, ja. Rasieren morgen. Pritt-Stift!

Auf dem Herd köchelt eine very spicy slightly sweet Pumpkin-Soup und die Helden singen dazu unplugged. Und weil Suppe aufgewärmt besser schmeckt – Soup-Nap, right now.

UND ZURÜCK UND VOR

Ingrid Caven singt, ich mische das Make-up, vermutlich wegen Ingrid wird es einen Tick zu hell, ich föne die fisch gefärbten Haare glatt, Kidman-Gold, schaue in die Sonne und bleibe drinnen. Eine Filterzigarette, übermorgen werde ich mal kurz eine Frau sein, ich mache die Einkaufsliste, auf der auch ein Prittstift steht und Wein, natürlich. Maile dem Buchhändler – wo bleibt mein Greta-Buch, esse ein Toast mit Kirsch-Marmelade, lese ein paar Seiten „Atonement“, mache einen Arzttermin. Im Kühlschrank verschrumpeln Roomies Karotten. Öffne die Coke light, wieder kein Diamant drin.