Archiv des Autors: glamourdick

DU WEISST, DASS SAISON IST, …

… wenn Du im Traum die Frage hörst „Darf ich Dich kurz was fragen, Glam?“, weil Du weißt, dass „kurz“ in diesem Fall eine glatte Lüge ist, weil die Adressierende nicht in der Lage ist, eine KURZE Frage zu stellen, weil Du weißt und sie weiß, dass die Antwort auf ihre KURZE Frage auch Google oder ein Kollege oder das dafür angelegte Intranet bereit hält und Du weißt, dass es sie nicht abhalten wird im Lauf des Tages noch unzählige weitere KURZE Fragen an Dich zu richten, und Du weißt, dass Saison ist, weil diese Frage und dieses dazugehörige Gesicht Dich aus dem Schlaf hochschrecken lässt, um kurz vor neun und es dir vorkommt wie halb sechs.

UND SONST SO

Wollte doch nicht darauf warten, dass die Kriminalpolizei mir meinen Ipod zurückbringt und habe schwer resigniert einen neuen geordert. Was mich ein bisschen vom Ausrasten abhält ist die Tatsache, dass der alte fast voll war und schon fast drei Jahre alt. Ich hoffe Turkfuck hat ihn mit einem Iphone verwechselt und sucht immer noch das Wählfeld. Im Rahmen des Platzschaffens für Musik hatte ich auch alle Schwanzbilder entfernt.

Interessant aber die Prioritäten mal wieder – seit Wochen ist das Türschloss an meinem Wagen defekt – ich muss vom Beifahrersitz einsteigen, aber was für eine petite malaisse im Vergleich zum Verzicht auf Musik.

Nach „Breaking Bad“, Staffel 2, ist es schwer, eine würdige Nachfolgeserie zu finden. Ich kann mich nicht erinnern, wann mir bei einem TV-Drama so häufig und tief die Kinnlade runtergefallen ist. Kaufen Sie sich das, dann werden Sie verstehen was ich meine. Schon der Beginn der ersten Folge der ersten Staffel ist historisch und Staffel 2 toppt das alles nochmal. Gestern mit „Point Pleasant“ weitergemacht, weil ich nicht den direkten Vergleich zu „Dexter“ wollte. Teenie-Soft-Horror mit Models ohne Schauspielausbildung, die man alle schon in irgendwelchen anderen Serien in Nebenrollen gesehen hat. Aber Melroses Jake ist dabei, und dem macht es Spaß zuzuschauen. Und dann ist da noch so ne blonde Mieze, die mir in „Harper´s Island“ schon gefallen hat.

Die „Britney“-Episode in „Glee“ letzte Woche sehr enttäuschend, so sehr ich Heather Morris auch mag. Ich kann halt Britney-Musik nicht aushalten. Mal sehen, ob sie die Kurve kriegen. Rachel geht wirklich gen Schmerzgrenze und ich will mehr Kurt. Wo ist sein Vater eigentlich in dieser Staffel? Sie laufen Gefahr zugunsten Glamour das Drama zu vernachlässigen, die wirklich süßen, bewegenden Momente. Und, apropos Ryan Murphy – is there anybody out there dem „Eat, Pray, Love“ actually gefallen hat?

Der Spiegel-Titel bringt was – das Marilyn-Buch geht zügig die Charts hoch. Heute morgen Platz 123, mittlerweile Platz 87. Go, Girl! Die Welt kann also doch nicht sooooo schlecht sein. Ziemlich schlecht vielleicht, aber nicht sooooooo.

Edit: Platz 73.
Edit: 60.
Edit: 57

GLAM GIVES A DAMN

Denn. Been there. Done that. But survived. And glad I did. Aber den Horror von 12 bis 14, (kurze Selbstmordsunterbrechung) dann weiter bis 18, den kann ich bis heute schwer vermitteln.

BAD ROMANCE, INDEED oder LEHRGELD

Die Versicherung zahlt nur bei EINBRUCH-Diebstahl. Wenn man den Dieb selbst reingelassen hat, ist man auch selbst Schuld.

(Eigentlich auch logisch, wenn Versicherungen zwar Bltzschlag abdecken, nicht aber Defekt elektronischer Geräte entstanden durch Schwankungen in der Leitung, verursacht durch einen Blitzschlag.)

FUCKING GLAM oder THE TURKISH SPRING OF MISTER DICK

Das Kopfkissen hat neue schwarz Flecken, die glitzern. Das Beistelltischchen neben dem Bett ist umgefallen. Rechts neben dem Bett ein gebrauchtes Kondom, links auch.

Die Küche sieht aus, wie nach einer Studenten-WG-Party, die in Streit endete, so dass niemand zum Aufräumen abkommandiert werden konnte.

Was zuvor geschah:

Im Ronsons fehlen mir die altmodischen ausgedruckten schmuddlig-fleddrigen Listen. Ich will vor meinen Augen 20.000 Lieder sehen und so meine Auswahl treffen. Nicht per Navi. Aber. „Das sind meine Gäste“ hat der Chef gesagt und so ersparte man uns den Eintritt. Das Ronson ist liebenswert, aber auch edgy. In allen drei Locations, von der Kopernikus übder die Lübbener bis zur Warschauer, sind mir schon seltsame Dinge widerfahren. Nach dem schlafarmen Vortag vertraue ich einem Impuls und gehe frühzeitig. Eigentlich nach Hause, aber im Taxi entscheide ich mich um. Wenn ich eh schon geschminkt und draußen bin… So fahre ich dann in einen Laden, wo schon wieder das Becks Gold aus ist – eine Flasche erwische ich gerade noch und später schaue ich neidisch auf die meines Nebenmannes an der Bar, den ich in ein Gespräch verwickle, weil man das hier so tut. Irgendwann ist es ein anderer, nennen wir ihn Pjotr. Er hatte vor ein paar Jahren mal was mit einem Freund von mir und ich hatte mich immer gefragt warum, er ist anstrengend (wehe es schnaubt jetzt jemand) und sooo attraktiv nun auch nicht, aber irgendwann bin ich in seinem Romeo-Profil gelandet und er hat einen wirklich bemerkenswert schönen Schwanz – lang, dick, dem Körper gegenüber überproportioniert, was man halt pornös so geil findet. Aber auch an diesem Abend ist der Typ, der an dem Schwanz dranhängt, einfach nur anstrengend, da wird nix draus, es wird langweilig, Gott sei Dank schafft jemand chemikalisch Abhilfe, Danke, mmmmh. Yes! Roomie müsste jetzt hier sein, denke ich mir, und er steht wenig später neben mir, wir unterhalten uns mit der lesbisch veranlagten Frau rechts von mir, bekommen Biere vor uns hingestellt und irgendwann, nach Abklingen der zweiten chemikalischen Nachhilfe, holt mich die schlaflose Nacht vom Vortag ein und ich verschwinde, mit einem halbvollen Bier in der Hand. So ein klitzeklein bisschen torkelnd, was soll´s es ist halb 5, mach ich mich auf den Heimweg. Zwei Hausnummern vor meiner überhole ich einen Türken, nicht wirklich attraktiv, aber auch nicht hässlich. Er schaut mir in die geschminkten Augen. „Ich will Dich“, sagt er, und ich denke, besser Sex als kein Sex, und so greif ich nach ihm, wir küssen uns auf der Straße, am Tor, dann nehm ich ihn mit in den Hinterhof. Mir fällt noch ein, dass meine Nachbarn eine Party hatten oder vielleicht noch haben, aber egal, nach einigem Geküsse hole ich seinen Schwanz raus und blase ihn. Und werde langsam aber sehr geil.
Eigentlich hatte ich mich auf das typische Kreuz-Türk-Programm eingestellt – man schaut den Schwanz des anderen zwei Sekunden streng an, dann kommt er. Der, den ich im Mund habe, hat aber noch nicht genug, also nehm ich ihn mit nach oben.
„Ich schlafe heute hier“, sagt er zu mir. Und ich sage „Nein, das wirst Du nicht.“
„Kondom?“ fragt er als nächstes und so beginnen ein paar Runden Rumficken, gar nicht schlecht, ich rechne jede Minute mit seinem Kommen, aber es bleibt aus. Während er mich fickt, positioniere ich ihn so, dass ich eigentlich prostatisch kommen müsste, komme aber nicht, dann hole ich mir einen runter, während er weiterfickt, und irgendwann, ich muss ja auch mal schlafen, komme ich und er fickt weiter und weiter und findet kein Ende, und noch einmal face to face und noch einmal doggy und dann zieh ich ihn raus und fange an, die Verwüstung des Zimmers in den Griff zu kriegen, die Sachen aufzuheben, die beim Sex irgendwie vom Nachttisch gefegt wurden, und er schaut mir zu und holt sich einen runter und kommt in drei enttäuschenden Klecksen.
Ich verabschiede ihn, zieh meine Schlafhose an und 5 Minute später ist Roomie auch zu Hause, und glücklicherweise ist er dem Ficker nicht im Treppenhaus begegnet, er war echt nicht so wahnsinnig attraktiv.

„Wenn Du kommst – kommst Du dann eher so tröpfelnd oder mehr so wie ein Springbrunnen?“
„Springbrunnen. So pchiuuuuu!“
„Ich auch. Es ist ein Drama mit den Kopfkissen. Aber so viel schöner, als wenn das alles nur so rauströpfelt. Was anderes. Haben wir noch Zigaretten?“

DANKE, SPIEGEL

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Beim Brötchen und Zigaretten holen Tränen in den Augen vor Freude, als ich den Spiegel sehe. Wunderschönes Cover, wunderschöner Artikel, sehr gut recherchiert.

„Wie viel ärmer wäre die Welt, wenn eine Monroe sich beschieden hätte, wenn sie sich nicht aus Norma Jeane Dougherty in Marilyn Monroe verwandelt hätte. Unvorstellbar dieser Verlust.“

Danke.

WHAT WOULD GRETA DO? oder SCHREIEN UM 5

Zu früh um wach zu sein, zu spät um auszugehen. Zu erschöpft vom Aggro-Austicker, zu essentiell die Fragen für diese Uhrzeit. Manche Menschen ticken aus, wenn sie hungrig sind und nichts zu essen bekommen. Ich, wenn man mich vor meiner Zeit weckt. Zur Übermüdung kommt jetzt noch das Adrenalin und die wehleidige Stimmung, die ich in diesen Morgenstunden grundsätzlich habe. Drei Tage in Folge früher Morgen. I´m over the edge. Jetzt kann´s ruhig auch noch hell werden.

I so fucking hate this hour of day. It makes me feel like running away, not knowing where.

What would Greta Garbo do? Habe ich mich noch nie gefragt, aber ich mache, was sie tun würde. Wenn man schon wach ist – duschen, schminken. Spazierengehen, bis der Supermarkt aufmacht. Anders als Greta bekomme ich im Supermarkt eine Panikattacke. Mittendrin versuche ich, sie zu bewerten. Okay, es ist eine 30 von 100. Zur Erschöpfung durch Schlafmangel kommt dann die Erschöpfung, die auf eine Panikattacke folgt. Darin treffe ich diese kleine Frau mit dem weißen Hund, mit der ich zu Pflegehundzeiten oft durch den Görli spaziert bin. Sie sieht auch ziemlich abgewrackt aus, wir reden ein bisschen. Ich merke, dass ich nicht heimgehen kann und will, setze mich stattdessen auf eine Bank ohne Rückenlehne aber mit Blick auf den Kanal, drei Schwäne fliegen Richtung Morgensonne, wie unförmig die aussehen, beim Fliegen. Deshalb verbringen sie wohl auch die meiste Zeit auf dem Wasser, statt in der Luft. Wenn ich jetzt den Ipod dabei hätte, mit Helden, würde ich heulen. So schniefe ich nur und möchte aber keinen Jogger um ein Taschentuch bitten. Ich sitze neben mir und betrachte eine Schauspielstunde in Drama-Glam. Schau, wie er zitternd eine Zigarette ansteckt, wie die Mundwinkel hängen, die Sorgenfalte zwischen den Brauen. Er sitzt da wie jemand, den man sonst irgendwo sitzen sieht, und man schaut und schaut peinlich berührt weg und geht schnell weiter, aber dieses Mal ist er es selbst. Er Du Ich.

Greta hätte das alles mit sich allein ausgetragen. Glam nicht. Anders als Greta hat er ein Mobiltelefon. Und weil es von Greta namentlich nicht weit ist, ruft er seine Mutter an. Berichtet von den verstärkt aufkommenden Panikattacken, der Schreierei morgens um 5, der Unruhe, dem Mangel an Schlaf Schlaf Schlaf Schlaf Schlaf und Urlaub, dem generell verschissenen urbanen Leben. Danach muss Bomec sich den selben Scheiß anhören, ein paarhundert Meter Luftlinie entfernt, dann erst wische ich mir den Rotz von der Nase, drücke das Wasser, das vor den Augen steht in sie hinein zurück, stehe auf und schleppe meine Einkäufe nach Haus. Auf der Treppe merke ich, wie sehr mich das alles geschwächt hat. Ich bin seit 5.00 Uhr auf den Beinen, aber es fühlt sich nicht an wie 5 Stunden, sondern wie 5000.

Ich sehe noch den Moment vor mir, als ich eigentlich deeskalieren möchte und wo dann ein Satz fällt, der mich drei Schritte zurück machen lässt, als ob man etwas Schweres nach mir geworfen oder mich geschlagen hätte. It ain´t fucking easy. It fucking ain´t.

IT´S A GLAMILY AFFAIR

Die W. ist im Krankenhaus, und weil man sie aus der Psychiatrie dorthin überwiesen hat, wird sie behandelt wie Dreck. Klappsen-Patienten werden nicht ernst genommen, die machen nur Stress. Da freut sich die Krankenschwester, wenn die Patientin die Augen zu hat, denn schlafend macht sie keinen Ärger. Selbst die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Wasser wird ignoriert. Zwei Stunden dauert es, bis eine Flasche bereitgestellt wird, und dies auch nur weil der Besuch der Patientin drei mal nachhakt. Die böse L., die der W. Schwester ist, hat Jahrzehnte lang in diesem Krankenhaus gearbeitet. Und so geht sie und nimmt sich die Schwestern vor. Und die Pflegeleitung. Und die Chefärztin.
So kommt es, dass die Ärztin sich reuevoll entschuldigt für ihr Fehlverhalten. Die Schwestern ihren Job machen. Ich hasse die L., aber heute ziehe ich meinen Hut vor ihr. Und auch vor der W., die endlich ihr Problem erkannt hat, es ernst nimmt, und sich in die richtigen Hände begeben hat. I love you and my heart goes out to you.