Archiv des Autors: glamourdick

GLAM GOES B*LD-BLOG

„Ich ruf nur an, falls Du morgen Klatsch liest oder so – ich bin nicht schwanger!“
„Schwanger!“
„Also nicht schwanger. Aber ich war am Wochenende auf diesem Event und danach ruft mich diese Journalistin an, weil ich ein Bäuchlein haben soll und ob da was unterwegs sei. Was für eine Frechheit – ich war mit Abstand die Dünnste da! Und am nächsten Abend waren die Leute von ihrem Blatt wieder da und ich hab dem Veranstalter gesagt, sie dürfen mich keinesfalls auf meine Schwangerschaft ansprechen.“

GEGEN DAS GRAU


Rufus Wainwright – Across The Universe
Hochgeladen von universalmusicdeutschland. – Musikvideos, Sänger Interviews, Konzerte und mehr.

Und bei all meinem Gegreine muss auch mal wertschätzend festgehalten werden, dass ich in den vergangenen Wochen sehr oft „I love you“ gehört und ausgesprochen habe, in einer anderen Art von Beziehung zwar, als in der, in der es üblich wäre, aber das schmälert weder die Aussage, noch das Gefühl. „It gets better“ is everywhere.

AUTOPSY

„I´m not very bright, but I know right from wrong, and I´ve not been right, for I don´t know how long… (…) I´m lost and I long for oblivion.“*

Und morgen – nachher – bzw später heute: geradeaus aus der Stadt rausfahren, bis irgendwo Feld kommt und diese albernen einspurigen Landstraßenalleen. Und dann den nächsten Feldweg rechts. Ich brauch Erde, Frost und Raum. I´ve got petrol in the car. Space.

* Stehen Duffy: „Autopsy“:

LICENSE TO SLAP

Wenn Sie dem Autoren dieser Zeilen demnächst über den Weg laufen, zögern Sie nicht, ihm eine runter zu hauen.

Der Ort: Penny Supermarkt in einer Kreuzberger Seitenstraße. Die Zeit: Samstag Mittag. Mit schlechten Haaren und unrasiert schiebe ich Einkäufe durch die Räumlichkeit. Selbstmachpizza, Baby-Ananas, diese sehr guten grünen Kaffeepads, Tüte Chipsfrisch Ungarisch, Sour Cream undsoweiter. Mein Blick fällt auf einen Mann und bleibt hängen. Fast 2 Meter Gorgeousness. Nicht nur ist sein Gesicht perfekt spitz geschnitten, von slawischen Wangenknochen veredelt wie ein amerikanisches Auto in den Fifties, eingerahmt von schulterlangen dichten dunkelblonden Haaren, gekrönt von einer russischen Fellmütze, die sich hervorragend versteht mit dem Salz-Pfeffer-Mantel, dem man ansieht, dass er ein Lieblingsmantel ist, etwas beulig, lived-in. Wie er sich bewegt, es könnte nicht sympathischer wirken, der ist glücklich, denke ich und dann schaut er auf, blickt mir in die Augen und lächelt. Und ich erfriere. Der Meduseneffekt. Die Mundwinkel würde ich so nur mit den Fingerspitzen nach oben kriegen. Hinter meiner Stirn schreien sich mehrere Charakterzüge lauthals und ohrenbetäubend an. Noch nicht in Worten, mehr so aus purer Verzweiflung über mich. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!! Ich dreh mich raus aus meiner Salzsäule und schmeiße noch eine Dose Babyananas in den Wagen. Als er mir das zweite Mal über den Weg läuft UND WIEDER LÄCHELT und ich wieder völlig schockiert einfriere weiß ich zumindest eines – fuck me. ich muss mehr raus. Wie kann man denn das Flirten verlernen?

DAWN SONG

„Ich habe mir ein Buch über einen Sukkubus gekauft – hörmal: „Lawrence, ein melancholischer, verletzlicher Buchverkäufer-„
Beide prusten.
„Lawrence ahnt nicht, dass die sehr attraktive Frau, die in sein Haus zieht, ein mächtiger Sukkubus ist.“
„My nipple hurts.“
„Ja – das machen Sukkubi. Die setzen sich in der Nacht auf Deine Brust und schrauben an Deinen Nippeln.“
„That´s gross.“
„Und wenn sich Sukkubi abends verabreden, um sich mal auszutauschen untereinander, weißt Du was sie sagen, wenn Sie so einen kleinen Appetit haben?“
„Shall we get something nipply?“
„You get it!“

TWISTED GLAM oder TOP FORTY, SWEET CHEEKS

Ich brauch jetzt gar nicht so tun, als würde ich erwarten, dass die kommenden Wochen weniger sucky werden als die aktuelle und die vorherigen. It´s mid-season und da wünscht man sich zu Weihnachten eigentlich nur noch eine Axt. Aber man schenkt sich ja dieses Jahr nichts, es ist ja Krise. Als ich gestern nach Hause kam, da gab es drei Sachen, die meine Laune retteten und mir mehrere Lächeln und ein paar laute Lacher abrangen.
Frau T., meine Werte-und-Normen-Lehrerin von vor ca. 24 Jahren, hatte mir eine Email geschrieben, mir mitzuteilen, dass sie jetzt auch Emails schreibe, vorab schon klarmachend: „Aber eines weiß ich schon jetzt, nämlich dass ich an der hier üblichen Schwächung des Wortes durch leichten und glatten Gebrauch mich nicht beteiligen werde.“ Das ist die Frau, die, wie ich, den ersten Satz der Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge auf Zuruf zitieren kann. Just love that, auch wenn ich mich schuldig bekennen muss, mitunter leicht und glatt das Wort zu gebrauchen und oft zu faul bin, meine Worte ins Deutsche (oder auch nur Nachvollziehbare) zu übersetzen, wo das doch eigentlich eine schöne Sprache ist.

Dann die Gwyneth-Paltrow-Folge von „Glee“. OMG. Gwyneth. Paltrow. Das Spaghetti-Stöcklein. Und sie GEFIEL MIR! Die ganze Folge mit ihrem MGM-Glamour und der Rückkehr von Terry „who put the Terry into terrible.“ Ich saß davor und lachte laut. Glee sollte es auf Krankenschein geben. Glee sollte jede Gruppentherapie ersetzen. Oder man sollte jede Gruppentherapie in eine Glee-Diskussionsrunde verwandeln, ich glaube, das würde Resultate bringen. (Mandy und Roxana würden eine Zweitkarriere als Baccara-Double beginnen und mit ihrer Version von „The Devil sent you to Laredo. Laredo? Laredo!“ durch die psychosomatischen Rehas und die anderen Bierdörfer der Bundesrepublik tingeln.)

Schauen Sie schnell, das wandert bestimmt in Kürze offline!

Ganz zu schweigen von der Chicago-Nummer mit der Rachel-Beere.

Und dann der titelgebende kalfornische Zinfandel. „Twisted“. Wie kann ich an einem Wein vorbei gehen, der den Namen „Twisted“ trägt? Sogar das Etikett war schön, kind of Disney. Also ging ich nicht vorbei, sondern trank ihn. Er hat alles, was man von einem Hollywood-Rotwein erwartet, inklusive des Lindsay Lohan-Kopfes, mit dem ich vor einer halben Stunde erwachte.

Haben Sie einen schönen Tag, liebe Leserin, lieber Leser. Ich werde mich auch daran versuchen.

LANGUAGE IS A VIRUS

Dialekte sind ja am Aussterben und daher etwas Feines, etwas, das aufrecht erhalten werden sollte. Aber wenn man dann einen Anrufer hat, der Hochdeutsch nicht mehr versteht, dann ist man vermutlich verbunden mit Bad Inzest.

(Rodent-)TEARS OF A CLOWN

Wenn man „Grey Gardens“ gesehen hat und „Grizzly Man“, dann liegt die Messlatte hoch, für eine Dokumentation, die auf Festivals ein Achtungserfolg gewesen ist. „Joan Rivers: A Piece of Work“ kommt nicht an die zuvor genannten heran und ist dennoch ein unterhaltsamer Film.

Ich schätze, Joan hält sich für uneitel, Einblicke in ihr Leben zu liefern, in dem es beruflich gerade nicht so gut läuft. Aber sie sagt ja selbst, sie würde alles machen – sich die Zähne rausschlagen und Werbung für Dritte machen, eine Windel anziehen – Hauptsache Arbeit. Dabei ist es doch der Höhepunkt der Eitelkeit, wenn man sich dem Betrachter in einer schlimmen Verfassung zumutet und trotzdem oder gerade deshalb erwartet, geliebt zu werden. Ich spreche aus Erfahrung! Und deshalb liebe ich Joan Rivers schon wieder. Sie ist so overblown und drüber, dass es eine unreine Freude ist. Sie hat sich dermaßen überstilisiert und die Ups und insbesondere Downs ihrer Karriere immer wieder so amerikanisch selbsthilfe-mäßig abgehandelt, dass ich den Hut ziehe. Sie verkörpert die Maxime meines Großvaters – es geschieht nichts so Schlechtes, als dass man nicht einen Nutzen daraus ziehen könnte.

Unangenehm wird es, wenn man Joan Rivers nicht Joan Rivers sein lässt – das bekommt ein Gast in Wisconsin* zu spüren, der ihr Programm nach einem Helen Keller Witz stört.
„That´s not funny – my son is deaf.“
Joan zögert, aber nicht lange: You son of a bitch you fucking son of a bitch wannna tell me what´s funny?
Die nächsten Minuten muss der arme Mann eine Tirade über sich ergehen lassen, die einzig klar macht, dass Joan Rivers Energie, ihr „Humor“ hauptsächlich von Wut gespeist wird. Wut, Frustration, Selbsthass. Das soll bei Comedians und Comediennes häufiger vorkommen (ich erinnere mich daran, die Dschungelkönigin** in einem Programm erlebt zu haben, wo sie unterbrochen wurde und dem zahlenden Gast androhte „seinen Mikropimmel an die nächste Lifasssäule zu schlagen“.)

Die kleinen Vorführungen, die der Film bereit hält, die wird Miss Rivers mit ihrem angeschlagenen Selbstwert und der deshalb überdimensional angelegten und zurechtgeschnurrten Persona nicht begreifen. Dass, wenn Tränen fließen, eigentlich immer nur Selbstmitleid der Grund ist (als sie beispielsweise ihren Manager feuert und dann lamentiert, wie sehr es ihr fehle, jemanden zu haben, der sie schon ganz lange kennt. Kein Gedanke, an den Ex-Mananger und seine Gefühle. Schade, dass die Regisseurin hier nicht bei ihm nachgehakt hat.)

Wie in „Grey Gardens“ und „Grizzly Man“ geht es auch in „A Piece of Work“ um eine großartige Exzentrikerin, die ihren Platz in der amerikanischen Kultur hat. Es ist gut, dass es Joan Rivers gibt, aber ich möchte nicht eines Tages als Joan Rivers aufwachen. Roomie allerdings gab, als ich mich über Joans gewöhnungsbedürftig operiertes Gesicht äußerte, zu bedenken: mit 75 wie 75 auszusehen, also alt, ist auch nicht so schön. Dann kann man auch gleich die Sau rauslassen. Und das hat Joan Rivers für die amerikanische Frau auf der Bühne erfunden. Und sie hört und hört und hört und hört nicht auf. Well done!

*Ihren Chauffeur in Wisoconsin fragt sie, wie denn hier die Gay Scene so sei. Das wisse er nicht, antwortet er. „You killed em all?“ fragt sie zurück und dafür muss man sie dann schon wieder lieben.
** Auch eine Frau, die´s nicht mehr merkt und die eigentlich nicht in einen Beitrag über Joan Rivers gehört, weil zwischen den beiden in der Ausführung ihres Handwerks qualitativ Welten liegen. (Was man insbesondere dann merkt, wenn sie Joans Witze als ihre eigenen vorträgt.)

THE LITTLE SLEEP

Gestern noch mit dem Gefühl nach Hause gekommen, dass mal wieder alle Ressourcen erschöpft sind, ein freier Tag in der Woche reicht einfach nicht, gleichzeitig die Sorge gehabt, wie das mit dem Einschlafen wird. Nach einem langweiligen Film in dem Sigourney Weaver eine Mutter spielte, die sowas von nicht loslassen kann, aber Kate Bosworths Look mir gefiel, zwei alkoholfreien Weizen und zwei Kapiteln Schauerroman, dann sofort eingeschlafen. Uuuuuuund aufgewacht nach drei Stunden, weil ich gerade dabei war, Marilyn eine Ohrfeige zu geben – Frevel, weil Marilyn im Traum meine Mutter war – Doppelfrevel – aber sie wollte mich nicht gehen lassen, ein Motiv, das mich in „Splice“ tief berührt und offenbar auch bei „Girl in a Park“ einen wunden Punkt erwischt hatte, weil ich mich noch sehr gut an die eigene Abnabelung (die mit 14, nicht die bei der Geburt) erinnerte. Wieder eingeschlafen, wieder aufgewacht. Dieses Mal ankerte ich in einem Fluss, neben mir in einem Kajak lag Sara Stockbrige auf einer Lage Kartoffeln. Wir führten eine gepflegte Unterhaltung bis zum wieder aufwachen, da war es draußen immer noch dunkel. Und dann Schlaf. Bis zum Aufwachen, es war Punkt 9.00. Keinerlei Schuldgefühl, so lange im Bett zu liegen, sondern tiefe Zufriedenheit, mal länger als drei Stunden am Stück geschlafen zu haben.

A SMALL EXERCISE IN SUBMISSION

Ich versuche immer noch eine Erklärung dafür zu finden, bzw. diesem sehr komplexen und üblen Gefühl Ausdruck zu verleihen, das mich packt, wenn ich nachts aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Es kommt etwas sehr tiefsitzendes Beunruhigendes hoch, eine Mischung aus Verlust, Leere, Orientierungslosigkeit und Furcht. Ich fühle mich selten einsam, aber in diesem aus-dem-Schlaf-gerissenen Zustand bin ich plötzlich ganz allein, ganz roh, bestürzt, deprimiert, bedroht. Am Tag kann ich mich von diesem Gefühl distanzieren, vielleicht ist all die Tagesarbeit auch nur das – ein elementares emotionales Chaos zu verdecken. Funktionieren. Was im Traum geschieht, die Bilder und Gefühle, die er produziert, das verändert sich Zeit unseres Lebens nicht im Wesentlichen. Im Traum sind alle naturwissenschaftlichen Gesetze ausgeschaltet, wir sind mehr wir selbst als das gefilterte, filternde, rationalisierte, kultivierte Selbst, das wir durch den Arbeitstag schicken. An der Grenze von Schlafen und Wachen scheine ich regelmäßig eine Art Schleudertrauma zu erleben.

Was hat es mit meinem Schlaf auf sich, den ich einerseits so brauche, sofern man das kann „genieße“ und doch – ich knirsche mit den Zähnen, rede, schlafwandle, trete Menschen aus meinem Bett heraus. Und dann steh ich mitten in der Nacht irgendwo in der Wohnung, wach, und sehne mich nach nichts mehr, als sofort wieder schlafen zu können.

Sleep is the daily end of life
A small exercise in death
Which is it’s sister
But not every brother and sister
Are equally close
Giving to the enemy
A small exercise in submission
And holding onto nothing

(Peter Murphy)