Archiv des Autors: glamourdick

TWICE IN A LIFETIME

Es ist die Luft, die die damalige Stimmung wiederbringt. Crisper Spätsommer. So, dass man wieder ein Hemd über´s Shirt ziehen muss. Und das Licht. Das letzte kalte Bunt vorm Orange und Gelb. Klar und sauber. Die großartigste Vorfreude meines Lebens, gewürzt mit einem Hauch Furcht, dass noch etwas dazwischen kommen könnte. Nicht die geringste Befürchtung, dass sie hinter meinen Erwartungen zurück bleiben würde, das war vollkommen ausgeschlossen und stand einfach nicht zur Debatte. Und so kamen dann auch die drei Tage mit den wunderbaren Menschen, der Trip nach London, Spaziergang an der Themse, bizarre Buffets und dann natürlich die beiden Abende und Nächte. Die Stunden der Aufregung davor, das erste Finetuning im Foyer, mit den anderen Anhängern zu verschmelzen – das selbe Gefühl im Gesicht von Annie Lennox zu sehen, als sie das Foyer durchquert.

Wenn ich die Aufnahme höre kommt das alles zurück. Der Applaus, der für die Band aufbraust, dann der fassungslos ausufernde Applaus, der schönste Lärm, den wir Anhänger aufbringen, als SIE die Bühne betritt. Dass wir die Ehre haben, es ist nun nichts mehr zu befürchten, da steht sie, strahlt, und beginnt zu singen. Drei Stunden, unterbrochen von einer Pause, in der sich vor Glück weinende Menschen in die Arme fallen. An outpouring of Love, wie es ich es noch nie erlebt habe und auch nicht mehr erleben muss. Wir waren ja da, mittendrin. Zwei Nächte in denen die Schwingung von Schönheit, Liebe und auch Demut uns trug – ein Gefühl von Angekommensein und von Würde. Kate Bush hat uns in ihre Welt mitgenommen, die auch ein Teil von uns ist. Schon lange war und wohl für immer bleiben wird. Thanks ever so! And DVD, please….

HILFREICHTUM

Bei dem ganzen Arschlochismus in deutschen Provinzen eine zarte Gegenentwicklung, am Sonntag am See erlebt – ich pumpe mein Boot auf, gegenüber parkt eine attraktive Blondine ihren Sportwagen ein, steigt aus und lächelt mich höflich fragend an – „Sagen Sie, es ist ganz blöd, aber mein Handy ist kaputt. Dürfte ich mir kurz Ihres leihen, ich muss meine Mutter anrufen.“ Na klar. Während sie telefoniert bekomme ich das Boot startklar. Eine ältere Dame kommt auf mich zu. „Entschuldigung, aber, haben Sie noch etwas Zeit und könnten wir uns einen Moment Ihre Pumpe leihen?“ Als die blonde Lady mit dem Telefonieren fertig ist, hat das ältere Ehepaar auch zwei Luftmatratzen seetauglich.

Nach Havarie zurück vom See am Wagen kommt eine weitere Dame auf mich zu und möchte wissen, ob ich ihr sagen kann, wie sie am Besen mit dem Bus zum Wannsee kommt. Ich biete ihr an, sie an der Bushaltestelle rauszulassen.

Ich denke, man tut, was man kann, und das fühlt sich auch noch gut an. Und so werde ich heute mal die LGBT-Frau kontaktieren, die sich um Syrer mit Problemen im Flüchtlingsheim kümmert und fragen, ob da jemand akut bedroht ist und für ne Weile mein Gästezimmer brauchen kann, bevor eine endgültige Wohnung gefunden ist.

(Ist doch alles eine Frage des gesunden Menschenverstands und der eigenen Kapazitäten. Wir sind doch ganz schön reich, wenn auch nicht auf dem Konto.)

Dismaland

Fröhlicher H und M Werbespot für Kinderbekleidung. Ich möchte untertiteln „Kleider für Kinder – hergestellt von Kindern für Kinder“. Ganz klar ein Fall für Dismaland. Kunst, sagt Banksy, sei da, to comfort the disturbed and to disturb the comfortable. Er hat mich erreicht.

Taxes 2

Die Kuh ist mit ner Prellung vom Eis. Die Chefin hat sich eingeschaltet. Die 4000 waren eine Schätzung des Finanzamts. Fällig werden tatsächlich nur „4300 – äh, ich hab mich versprochen 1400 Euro. Und – die Chefin will Sie noch mal sprechen – ich verbinde.“ Ich habe ab jetzt (und das wäre nach dem Versprecher des Herrn A. auch gar nicht anders möglich gewesen) einen neuen Sachbearbeiter. Und bin gespannt auf die Rechnung vom Steuerbüro, von der ich entstandene Kosten für geplatzte Lastschriften und Daueraufträge abziehen werde. Dann bräuchte ich noch eine Zusammenfassung der Misere vom Steuerbüro schriftlich, falls die Kreditkarte gesperrt wurde. Das Konto wird wieder geöffnet, der Differenzbetrag rückerstattet – schön wäre noch wenn man eine Zahlung der 1400 in zwei Raten klarmachen könnte. Und wenn das alles erledigt ist, dann freue ich mich sehr über Vorschläge, was ein vernünftiges Steuerbüro angeht. Die Chefin hat sich zwar bedankt, dass ich sie direkt angesprochen habe – „Machen sie das in Zukunft bitte immer, Herr Dick“. Aber was mir in der ganzen Angelegenheit fehlt – ein „Entschuldigung“ seitens Herrn A., der mir das alles zum zweiten Mal eingebrockt hat. Das Wort Sorry fehlt mir, genau so wie eine Erklärung, wie es zu dieser Situation überhaupt kommen konnte. Von Steuerberatung kann ja wirklich nicht die Rede sein, geschweige denn von Steuererklärung, wenn die Erklärung gar nicht abgegeben wurde.

Außerdem hätte ich den Mittwoch gern zurück, nochmal von vorn und ohne all diesen Scheiß. Weiß jemand, wie teuer ein Mittwoch ist?

(Indes – bin durch den größtmöglichen Finanzhorror durch, ohne den Funken einer Attacke. Alles im normalen Wut- und Ausrastbereich, aber keine Panik.)

Taxes

Der Tag, an dem ich hoffentlich erfahren werde, warum der Angestellte des Steuerbüros meine Einkommenssteuererklärung zwar angefertigt, aber nicht beim Finanzamt eingereicht hat, weshalb mir vorgestern vom Finanzamt 4000 Euro vom Konto gepfändet wurden, die ich gar nicht habe, was mich ziemlich zahlungsunfähig macht und zur Folge hat, dass Lastschriften und Daueraufträge platzen, was wiederum mit Kosten verbunden ist, die zu den Prozenten des zerschossenen Dispos hinzu kommen. Wie kommt es, dass das Finanzamt über meinen Dispo hinaus Geld bekommt, ich aber nicht? One of these days. (Das alles ohne jede Anmahnung oder Aufforderung, einfach so zack abgebucht – hier nehme ich mal das Finanzamt in Schutz, die Anmahnungen wird es gegeben haben, und die befinden sich vermutlich in der Schublade des besagten Angestellten. Und für richtig blöd werden Sie mich halten, wenn ich sage, dass dies nicht das erste Mal der Fall ist.)

Beten Sie mal ruhig für mich, dass die Steuerbüro-Chefin das alles wieder gerade rückt.

MADEN IN GERMANY

Gerade so eine unbändige Wut in mir – es ist alles geschrieben und gesagt zum hässlichen Deutschen, über Ungarn reingemacht for the milk & honey, nun aber hetzen, als ob ein Flüchtling ihm was wegnehmen würde. Menschen bewegen sich nun mal, und aus triftigem Grund. Wir haben alle einen Migrationshintergrund. Beim hässlichen Deutschen reicht der so weit zurück und ist gleichzeitig so kurz – bis zum Affen in irgendeinem Urwald möchte man sagen, aber Affen haben wenigstens Sozialkompetenz. Die Geiz ist geil-Gesellschaft auf dem Höhepunkt ihrer Kleinlichkeit. Eine der Ironien – in Berlin gibt es zu viele unbesetzte Stellen in den Ämtern um die Asylanträge zeitnah zu bearbeiten. Man freut sich über Initiativbewerbungen und selbst Quereinsteigern lockt Verbeamtung. Ist aber natürlich einfacher, auf der anderen Seite vom Schalter zu bleiben und die Hand aufzuhalten. Ich spielte tatsächlich mit dem Gedanken, schaute mir die Ausschreibungen an, aber in so einem System zu versuchen, einer der Guten zu bleiben, dürfte schwer sein. Es droht eine Karriere als Zyniker und Menschenhasser. Und ich hab ja nen Job. Wir kriegen es gerade so um die Ohren gehauen, dass Deutschland nicht ARD ist, sondern RTL2. Mediamarkt und nicht etwa Mercedes. Wenn es Deutschland, von außen betrachtet, so gut geht – wie kommt es dann, dass der politische Apparat so derart schwerfällig ist, nichts mehr mit der Geschwindigkeit des Lebens zu tun hat – einfach nur machtlos dasteht. Wenn Privatmenschen das übernehmen, was eigentlich die Regierung in unserem Auftrag in den Griff bekommen müsste? Helfen. Da sehe ich keine Kompetenz, da sehe ich nur eine apathische Frau, deren Mundwinkel auf die Knie weisen. Die angeblich so mächtig sein soll, weltpolitisch betrachtet, aber innenpolitisch nur in Floskeln spricht – wie sie es in der DDR gelernt hat. Bloß nichts falsches sagen, am Besten immer rundrum um das Thema, nie rein. Rede-Zeit verfließt.

Nicht wirklich Themawechsel: Zwei dumme, kranke Männer, geldgeil, entführen derweil eine 17jährige und sind in ihrer Kriminalität inkompetent genug, sich nach knapp 5 Tagen schnappen zu lassen. Das kostet ein Menschenleben. Auf verblendetste Art und Weise selbstüberschätzt, gierig, skrupellos und menschenverachtend. Ich sehe da einen Bezug.