Archiv des Autors: glamourdick

MOTHER DICK

„Und ich mache mir ein bisschen Sorgen.“
Und ich dann auch. So, dass ich die vorhandenen Kontakte nutze, zu erfahren, wann er wo und wie war. Und sich ca eine Stunde lang wirklich schlimme Szenarien in meinem Kopf abspielen. Nothing seems weird und unmöglich, wenn Du gerade Opfer eines Beischlafraubes geworden bist. (Ich habe mir schon auch vorgestellt was hätte passieren können, wenn ich den nicht rausgeschmissen hätte und er über Nacht geblieben wäre.) Und so reagiere ich alarmiert, wenn mich jemand anruft und alarmiert ist, dass sich jemand, der sich regelmäßig meldet nicht meldet. Recherche ergibt, wann er wo das letzte Mal gesehen wurde, von jemandem, den ich kenne. Ca 5.00 Uhr verliert sich die Spur. 11 Stunden. Ich denke an den verschollenen Portugiesen, die Männer, die auf der O-Straße gaybashen, den Typ der nach dem Sex krankenhausreif geschlagen wurde, denke NEINNEINNEIN, suche gemeinsame Bekannte auf Facebook – „habt Ihr was gehört?“ Überlege, wenn wir um 19h nichts gehört haben, dann wandern wir die Strecke ab. Dann ruft die Anruferin an, die alarmiert war. Alles klar. Sekunde nach dem Auflegen – er. Alles klar. Eine Stunde Horror, Angst, Furcht. Und keineswegs das Gefühl „Arschloch – nächstes mal gibst Du Statusmeldung!“, sondern „Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie wichtig Du bist, and you´ve got the friends to proove it.“

Und irgendwie ein bisschen erleichtert, dass ich nicht von selbst in die Mutti-Rolle geschlüpft bin, gleichermaßen froh, sie erfolgreich bedienen zu können, wenn die Kinder um Hilfe rufen.

GEILER STERBEN

„When Evelyn Waugh wrote in a review of The American Way of Death that Mitford did not have „a plainly stated attitude to death,“ Mitford asked her sister Deborah to tell Waugh, „Of course I’m against it.““
(Wikipedia)

Jessica Mitford. Der Vorname war mir entfallen. Jessica war die smarte der Mitford-Schwestern, die, die „The American Way of Death“ geschrieben hat, das Buch, in dem sie mit der Bestattungsindustrie abrechnet, und ehrlich – wie absurd sind Bestattungsriten? Särge? Einbalsamierung? Wenn ick ma tot bin, schmeißt mich weg. Und wenn Ihr Euch an mich erinnern wollt, lest ein Buch oder kuckt ein Foto an, meinetwegen singt das Elephant Love Medley und stellt Euch vor, ich sei der Kidman-Part, ich will jedenfalls nicht, dass mir irgendjemand auf nem Friedhof beim tot sein zuschaut, oben drauf son Steinklops, damit ich mich nicht rausstrampeln kann. Ich könnte schwören, dass der Grabsteinritus daher rührt, dass man nicht wollte, dass die Toten wieder auferstehen, also besser einen Stein drauf. Die christliche Kultur ist ja wirklich spooked, was Auferstehung von den Toten angeht, kein Wunder, dass „Twilight“ so erfolgreich ist.
Ich glaube auch, dass es eine Frage der Zeit ist, bis die althergebrachte Erdbestattung den gleichen Weg geht wie Festnetz und Fernseher. Es geht alles in Richtung virtuelles Totsein, also Blog statt Grabstein. Oder der Media-Markt steigt ins Sarggeschäft ein: Media Markt! Tot! Saturn? Tot ist geil!

(Und all diese Todesgedanken nur, weil die kleine Gemeinde, in der ich dereinst konfirmiert wurde, seit kurzem EUR 250,- berechnet, wenn eine Trauergemeinde den Gemeindesaal für Kaffee und Streusselkuchen nutzen will; man frag sich, wofür eigentlich das Kirchengeld ausgegeben wird. Ich habe jedenfalls angesichts dessen klar gesagt, where I wouldn´t wanna be caught dead.)

NOBLESSE OBLIGE

Letzte Einkäufe vor Konto closed:

3 Schrippen
3 Flaschen Weißwein
1 DVD „Die zwei Leben des Daniel Shore“
1 Sachbuch: Kate Summerscale, „The Suspicions of Mr. Whicher or The Murder at Road Hill House“
1 kompliziertes Oberteil in schwarz
1 Feuerzeug mit Marilyn-Motiv
1 Flakon Givenchy pour Homme

EINE KÜNDIGUNG, EINE HOCHZEIT UND KEIN TODESFALL

Schöner als Sex ist es, mit Menschen an einem Tisch zu sitzen, die mein Buch gelesen haben, dieses Frankensteinsche Steinbaby, das auf seine Geburt noch ein Jahr warten muss, und mit ihnen darüber zu reden. Die nächsten Schritte zu planen. Zu merken, dass man mit genau den richtigen Menschen am Tisch und im Boot sitzt. Weh tut, dass die Frau, mit der ich am Tisch sitze, heute ihren letzten Tag in der Agentur hat. Das dritte Mal, nach Liebeslied und Pornofilm, erlebe ich die Rezession jetzt auf dem Buchmarkt, dieses Mal natürlich nur partiell betroffen, aber die ätzende Ironie – die Frau, die mein Buch an den Verlag gebracht hat, meinen Relaunch als Print-Autor ausgelöst-hervorgebracht-gemanagt hat, wird bei den weiteren Entscheidungen nicht mehr dabei sein. Cover, endgültiger Titel, Promo.
„Du hast keine Ahnung, WIE dankbar ich Dir bin“, habe ich ihr beim Abschied gesagt. Und es geht nicht um Geld, Prozente oder Ruhm, es geht um Glauben, Vertrauen, Zutrauen und die Verwirklichung einer Mission, die mit dem Verfassen des Romans begann, sich den Weg aber über das Blog bahnte. Als ich den Vertrag über den Tisch reiche, nimmt ihn die neue Agentin entgegen, eine ebenfalls wunderbare Frau, die das Manuskript bereits diversen namhaften Filmproduktionen anbietet und zu der ich großes Vertrauen habe, aber es fühlt sich nicht richtig an. Oder es ist genau die richtige Geste für die Ablösung, aber das Bedauern bleibt, und die Achtung vor der Agentin, die meine Karriere wieder aufs richtige Gleis geschoben hat.

Zu Hause die neue Folge Glee, die wieder so haarsträubend gut ist, dass man heulen möchte, und wenn ich was machen möchte, dann mach ich´s meist. Das Thema Mobbing wird sich vermutlich durch die ganze Staffel ziehen, und es ist bewegend und beruhigend, wie sich die Autoren auf die Fahnen geschrieben haben, etwas gegen das Gay-Bashing an den Schulen zu unternehmen, und eine so schöne Gebrauchsanleitung für den Umgang mit den Kurts zu präsentieren. Ryan Murphy hat ein Vehikel kreiert, das eigentlich nur unterhalten sollte, aus Versehen aber tief zu bewegen vermochte, und nun nutzt er es despotisch genial, um seine eigenen Interessen und Anliegen zu vertreten (und seinen Teenage-Lieblingsplatten Gehör zu verschaffen.) Auch ein Mensch, den ich sehr achte.

Der Glee-Club ist ihr gemeinsamer Nenner, und als die anderen Kids merken, wie sehr Kurt in Bedrängnis ist, stellen sie sich vor ihn, ihm zur Seite und geben ihm Rückendeckung. Die erfolgreichste amerikanische TV-Show, ich hoffe, das macht Eindruck auf die Quinns und Finns dieser Welt. Es muss. Noch dazu dürfte die gezeigte Hochzeit (und ich meine nicht die von Sue – trotz Achtungspunkten für das Hochzeitskleid) die schönste TV-Hochzeit des Jahrzehnts gewesen sein, Kate und William sollten sich das mal anschauen. Der Vorbild-Charakter des Tanzes von Finn und Kurt – heartbreakingly beautiful. Die schau ich mir heute nochmal an.

DER SOMMER WIRD GUT

Eine feine Lady, dachte ich nach dem ersten Treffen. Jemand mit grooooßem Herz, flirrender Energie, ein bisschen irdisch, aber auch sehr luftig, sehr im Jetzt, eine Philosophin und ein ganz unglaublich und schwer beschreibbar einzigartiger Mensch. Wenn mir mit 6 jemand gesagt hätte, dass ich mal Zeit mit ihr verbringen würde, dann hätte ich es nicht fassen können. Aber mein Musikgeschmack wandelte sich, und ich verlor aus den Augen was sie so machte – verpasste so eine meiner aktuellen Lieblingsplatten „Bleib noch bis zum Sonntag“. Ich sah sie mal auf einer Premiere und mir gefiel ihr verwuschelter Look, dieses lebendige verstrubbelte, das mehr als ein Look ist, das ist wunderbarer Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Selten sah ich einen Menschen, dessen Wesen so kongruent mit seiner Gestalt und seinem Style ist.

Wir siezten uns, ich fand das wichtig. Nach vielen Jahren der Arbeit mit Promis, die zu Freunden wurde, dann zu Freunden, die mich wirtschaftlich bedingt feuern mussten – da legt man dann ein bisschen Wert auf Distanz. Also nannten wir uns beim Vornamen, aber „Glam – könnten Sie bitte…“ usw. Nach einem halben Jahr der Zusammenarbeit fand sie, dass es jetzt aber wirklich an der Zeit sei, sich zu duzen und kein weiteres halbes Jahr später kam sie mit auf den See, im Gummiboot.

Jetzt hat sie einen arbeitsamen Sommer hinter sich und als sie letztens anrief fragte sie mich, ob ich ein „Grammophon“ besitze. Ich verneinte, aber einen ausrangierten Plattenspieler habe ich noch. „Das meinte ich doch.“ Und dieser Plattenspieler wird jetzt wieder einrangiert, denn Gitte hat eine Platte gemacht, die es auch auf Vinyl gibt, und die so bombastisch genial orchestriert ist, dass eine MP3 oder CD nur einen leisen Eindruck vermitteln kann. Und so höre ich seit ein paar Tagen einige Lieder meiner Kindheit in völlig neuem Gewand, konsequent arrangiert, und einige neue Lieder, die ihr auf den Leib geschrieben sind. „Was Ihr wollt“ heißt die Platte und ich kann nur empfehlen: kaufen kaufen kaufen. Es würde mich freuen, wenn die Lady mit 64 in die Top Ten kommt.

Heute morgen fuhr ich über den Landwehrkanal, die Sonne links, Schwäne rechts, ihre Stimme im Ohr – „der Sommer wird gut“ sagt sie in einem Lied, und allein in diesem knappen Satz schwang so viel Zuversicht und Freude, Kraft und Wärme, soviel von dem, was sie ist und was sie ausmacht und was mir Mut macht – etwas ist geschehen mit mir. Ich fühle mich jedenfalls sehr privilegiert. Glam hearts Gitte.

(Nicht das beste Lied der CD, aber ich liebe den Schwarzweiß-Look.)

IOS 4.2

Anderthalb Stunden darauf verschwendet, auf meinem Ipod dieses wirklich pfiffige Update zu installieren, mit der man den Pod orten kann, wenn man ihn verlegt hat, bzw. wenn er einem gestohlen wurde. Man kann dann von einer Webseite aus das Pod/Pad/Phone „wipen“, oder auch auf Dauerklingeln einstellen, oder – brav – eine freundliche Mitteilung an den Dieb schicken. Ein digitales Rückholfädchen, mit dem man alles Stehlenswerte versehen sollte. Fahrrad anyone? Stellen Sie sich vor, wie das der Polizei die Arbeit erleichtern würde. Officer, fahren Sie mich in die Prinzessinnenstraße 12 oder so. Jeder Iphone-Besitzer seine eigene Jane Marple! Aber ging nicht. Mobile.me sagt, auch mein 3rd Generation Pod sei für dieses Feature gerüstet, Itunes behauptet aber mein Pod sei auf dem aktuellen Stand, es gebe dieses 4.2er Update für mich nicht. Okay – dann eben geradlinig: die App direkt aus dem Store auf den Pod, die erkennt aber den mobile.me-account nicht und nach anderthalb Stunden Tech-Wichserei hatte ich dann keine Lust mehr. Wenn man schon anfängt, in Foren des Rätsels Lösung zu suchen…

SPOTTED DICK

„And then this guy from Dresden started texting me, Dimitri, cool guy with dreadlocks.“
„Dimitri from Dresden with dreadlocks? Thin? Cute? Punkish twentysomething? Very eloquent?“
„Yes?“
„Want to see his dick? I´ve got a picture of him on my ego wall – it was one of the cutest dick picks on gayromeo, aside of the one of the trick in fur hat, sunglasses, and cockring.“
„So Dimitri has been here*?“
„Yes – we made out on the porch swing and then he wanted to take a bath with me. He´d been very firm about that right from when he started texting me. He stayed the night and in the morning I went down on him and that was the first time I got a good look at his dick – without soap you know, and he had this funky disease where the dick looks kind of like a toadstool, like spotted dick, indeed. And, NO – I didn´t suck that.“
„Should I text him that he´s been here before?“
„Just don´t tell him I had his dick on my wall.“
„I´ll tell him you saw his name on my phone and we got to talk about him.“

„He says what kind of crazy person remembers a phone number from two years ago.“
„Yes. Me, the stalker. Tell him I remembered his name. And ask him if he got cured. Or ask him if he wants to take a bath with you. By the way – the toadstool thing is harmless. Not contagious. But you know how I dislike mushrooms. And here, take the picture.“

*Actuallly he said: He´s been here, TOO?“ aber die Geschichte dahinter erzähle ich ein anderes Mal.

ZWISCHEN-ZEIT

Das führt natürlich auch dazu, dass ich andere mit meinen Selbst-Erkenntnissen überstrapaziere. Unter anderem. Ein anderer Nebeneffekt – dass ich nicht nur mit eigenen Augen auf mich schaue, sondern auch verstärkt durch die Augen von Menschen, die mich noch nicht so lange kennen. Das ist mitunter etwas beunruhigend, manchmal das genaue Gegenteil, aber genau deshalb mache ich ja die Therapie. Meinen Platz in der Welt neu orten und schauen, was ich noch so machen kann. Die obstacles, die ich mir platziert habe, aus dem Weg räumen. Aufräumen, sortieren, wegwerfen, und immer mal wieder „warum?“ fragen. Das wird ne Weile in Anspruch nehmen, aber es ist ja auch keine Eile geboten.

ENGELBECKEN

Erholwochenende. „Drinking in LA“ in Endlosschleife, unterbrochen von „Porcelain“ und ein bisschen Helden. A walk with the Strike, viel gelesen, wenig geschrieben, Wein getrunken und ein angetrunkener Mitternachts-Chat mit einem Liebligsblogger. Ihm mit Besuch gedroht, wenn er nicht bald seinen Arsch nach Berlin kriegt. Bis vor kurzem tief und fest geschlafen. Hört sich vielleicht alles langweilig an, aber war genau richtig.

(Was mir gerade wieder einfällt – ich hatte es verdrängt – ich habe versucht, fern zu sehen. Nicht mit einem Fernglas vom Balkon, sondern mit diesem Ding, wo sonst meine DVDs angezeigt werden. Das ging gar nicht. 300 Sender und alles unbrauchbar. Bei Frauke Ludowig 3 Minuten hängen geblieben, aber auch mehr so aus Sympathie wegen des Nachnamens.)