Archiv des Autors: glamourdick

GUTEN MORGEN

Um, dann, nach vier Stunden Schlaf (nach einem 11-stündigen Arbeitstag), geweckt zu werden von den Geräuschen, die drei Betrunkene machen, die versuchen leise zu sein. Da denkst Du noch – okay. Kids. Dann gehst Du ins Bad, wo ein eisiger Wind weht. Das Dachfenster ist offen. Und geht auch nicht mehr zu. Und dann schaust Du auf den Boden und betest, dass es sich bei der Flüssigkeit, die ihn bedeckt wirklich nur um Wasser handelt. Wenn Du noch nicht richtig wach warst – spätestens jetzt, als Du merkst, dass Du schreist. Du begreifst, dass Du nie ein umgänglicher Mitbewohner sein wirst, wie Du weißt, dass, wenn es einen Gott gibt, er eher alttestamentarisch ausfällt.

Und den, oder den anderen, falls es ihn gibt, rufe ich jetzt an: bitte mach, dass die Filmrechte verkauft werden. Ich brauche eine Wohnung mit zwei Bädern.

JUST ASKING FOR IT COULD EVEN MAKE IT HAPPEN

Rechnung geschrieben, ein Kapitel ins Englische übersetzt und gemerkt, wie holprig mein Englisch trotz allem ist. Nichtsdestotrotz kam mir im Englischen ein viel schöneres Bild für den Moment, wo Slashers Herz bricht: „Even tougher men than Hector would have heard the sound of their heart cracking at her sight. In his case, it sounded like something firm and plump flung forcefully onto a marble floor.“ And, yes, it´s a reference to Coupland.

Letter to K. Bloß nicht zu viel schreiben, es geht ja jetzt nicht um meine Lebensgeschichte und ihren Soundtrack sondern um eine schlichte Frage. Darf ich? Und, wenn ja – willst Du mehr?* Und, wenn ja – wenn Es Ihnen gefällt, Hoheit, schreiben Sie mir was für den Buchrücken? Bitte Bitte??

*In that case, I´ll be busy translating my book into English this winter. There´s worse things you could do in a Berlin winter.

LAPSANG SOUCHONG

Falls Sie die Kommentare nicht mitlesen ist Ihnen der folgende Gastbeitrag entgangen. Deshalb jetzt hier, give a warm welcome to Mr. Frank Burkhard…..

„Sie reibt sich gedankenverloren die schmalen Hände warm. Es ist kalt in dem großen, leeren Anwesen, dessen spärlich möblierte Räume schnell im brutalen Dunkel des frühen Winterabends versinken. Im letzten Licht des Tages toben draußen vor den pseudoviktorianischen Fenstern des 8,25-Millionen-Euro-Landhauses ihre zwei Weimeraner durch den
brandenburgischen Schnee…“ The hounds of love are hunting“, setzt sie leise zu summen an und kämpft weiter gegen ein leichtes Frösteln. Der Ohrwurm hat einen naheliegenden Grund, denn nicht nur sind die beiden Hunde da draußen ein Geschenk ihrer Geschäftspartnerin Kate Bush, die mit der Komposition der Musicals zu jedem der Mega-Seller der Erfolgsautorin, die da am
Fenster fröstelt, mehr Geld verdient hat als mit all ihren eigenen Alben, – es raschelt in der Innentasche des Autorinnen-Oberteils auch der jüngste, natürlich handgeschriebene Brief der fernen musikalischen Freundin, mit Fragen und Anregungen zu weiteren gemeinsamen Projekten, UND verbunden mit der Bitte, dem
Bush´schen Sohn einige Zeit Unterschlupf zu gewähren, weil der sich wegen einer Entziehungskur vor der berüchtigten englischen Klatschpresse versteckt halten soll…
„Entziehungskur…“ murmelt sie unhörbar und ein mürrisches Kräuseln umspielt für einen Moment das weltberühmte Autorinnen-Stupsnäschen, während sie mit dem Handrücken beiläufig ein, zwei weiße Stäubchen vom Ärmel fegt, bei denen es sich
wohl um Schnee von draußen handelt, worum schließlich sonst.

Dem strengen ostdeutschen Winter ist das champagnerweiße Material ihres Vintage-Woll-Blazers nicht gewachsen, denn konzipiert wurde er für kühle kalifornische Abende, nicht für den sibirischen Hauch, der sich hin und wieder über diesen Teil von Europa legt. Es ist das liebste Bekleidungsstück der erfolgreichen Krimi-Autorin (erstanden aus dem Fundus-Verkauf einer längst verstorbenen Hollywood-Legende, deren überirdisch leuchtendes Blond sich auch die Schriftstellerin schon vor Jahren zum Markenzeichen gemacht hat) und das bei beiden Besitzerinnen eine entrückte, fast schmerzhaft schöne Harmonie mit dem altmodischen Wollweiß des Damenoberbekleidungs-Teils eingeht.
Der blasse Teint der makellosen Haut der scheinbar alterslosen Schriftstellerin tut sein Übriges zu dem rätselhaften, ätherischen Gesamtbild – ein Gesamtbild, das die internationale Fach-Presse nach dem lawinenartigen Erfolg des Spätwerks der Schriftstellerin mit der üblichen Besessenheit zu enträtseln versucht hatte.
„Versucht.“ denkt sie und der Anflug eines mitleidlosen, harten Lächelns setzt sich für einen Moment auf ihre Wangen, leicht und kurzlebig wie eine der Schneeflocken, die sich von draußen aufs Fenster setzen, nur um dort umgehend dahinzuschmelzen…
Sie greift nach der hauchdünnen Versace-Porzellantasse mit Lapsang-Souchong-Tee, der am Fenster neben ihr auf einem Service-Wägelchen wartet, – der Tee ein Geschenk ihrer Freundin und Kollegin Joanne K., die sie seit Jahren regelmäßig in England besucht und die einzige Person, mit der sie ernsthaft den Segen und Fluch des Superstar-Autorinnen-Daseins bereden kann, – das Wägelchen ein „Souvenir“ aus der Präsidenten-Suite des Berliner Adlon Hotels… verknüpft mit sehr undamenhaften und dafür umso hochgeschätzteren Erinnerungen an die damalige Nacht mit den beiden jungen Brasilianern vom Zimmerservice…
Im Gegensatz zu den zwei temperamentvollen Hotelangestellten aber ist der Tee, nach dem die fröstelnde Schriftstellerin jetzt greift, kalt. Sie setzt die Tasse wieder auf dem frivolen und – nennen wir die Dinge doch ruhig beim Namen- gestohlenen Wägelchen ab und zieht den Polarfuchs heran, um ihn sich in einer
Bewegung von vollendeter Eleganz um die Schultern zu legen. JETZT ist das Bild perfekt, das Kostüm vollständig, die Uniform angelegt, das Werkzeug gerüstet. Sie schließt kurz die Augen, atmet tief aus und denkt an Greta Garbo – dann hört
man das gedämpfte Klicken einer digitalen High-End-Kamera, als der vom Verlag beauftragte Portraitfotograf sein Bild macht.“

WE EVEN HAVE A BEARDED LADY! oder DISCLOSURE

1dvorak1

Very pathetic sitze ich vor dem Foto, für das es nur die eine Regie-Anweisung gab – möglichst sinnentleert kucken, das hat die Garbo genau so gehandhabt, er ließ immer viel Raum für Interpretation, dieser Blick ins Leere, sitze ich also und glotze mich selbst ins Leere schauend an, und doch nicht mich selbst. Das Foto ist Hommage an ein anderes, kaum bekanntes Foto des MGM-Fotografen Clarence Sinclair Bull. Mit diesem Foto verbindet mich eine lange Geschichte und die habe ich in dem Roman verarbeitet, auf den wir alle noch ein Jahr warten müssen.

Ich sehe in dem Foto mich und zugleich die Dame, der die Hommage gilt (nicht die Garbo, übrigens, ein anderes Gespenst), und die Verschmelzung, und das bringt noch einmal alles an Gefühl hoch, was das Schreiben und Lesen und Überarbeiten des Romans ausgelöst hat. Dieser perfekte Mischmasch aus meiner Erlebniswelt und die zeitgleiche Absenz von mir selbst als Figur im Roman. Ich merke, das Buch bin ich. Da sind soviele Splitter Glam drin, dass mein Erstleser, Herr Strike, der mich schon viele Mitternächte kennt, die blanke Freude daran hatte, all die Referenzen herauszudetektieren. Der Roman funktioniert auch ohne diese Nebenwirkung, sonst hätten mich keine so wunderbaren Agentinnen wie Svealena Kutschke und Hanne Reinhardt – und die für mich – den 1st class-Verlag gefunden.

Meine Agentinnen finden, wir sollen das Portrait als Autorenfoto verwenden, und ich sinniere jetzt schon seit Wochen darüber, ob ich das möchte. Denn eigentlich haben sie Recht – ursprünglich hatte ich eine Autorin für den Roman erfinden wollen. Ich lese selbst lieber Autorinnen als Autoren. Das Foto passt zum Roman. Die Frau im Foto hätte ihn gut schreiben können und immer wieder kreist die Handlung um sie. Andererseits bin ich eitel und will als ich selbst für das Buch verantwortlich gemacht werden, nicht in einer Travestie. Vielleicht kann ich es aber auch einfach so handhaben wie jetzt hier erklärt. Das AutorInnenfoto zeigt die Summe von Roman und Autor. Für Lesungen kann man dann aber nur den Autor MIT dem Roman buchen, nicht die Inklusive-Version. Die gab es nur einmal, am Tag des Shoots und gebannt in dieses Bild, und an dieser Stelle Hut ab und Dank an Frank Burkhard, der das Foto gemacht hat – I love you even more now, wenn das überhaupt möglich ist. Danke an Betsy Niederkron, die mich in diese Frau verwandelt hat. Danke an Britta Dahlmann, die aus ihrem Fundus die downright perfekte champagnerfarbene Jacke hervorzauberte, und Danke, Jana Kunath für den von mir gehätschelten und gepflegten Polarfuchs, den es im Originalfoto gar nicht gab, aber ohne den sich die Autorin vermutlich nie wieder fotografieren lassen wird.

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WER ZEIT HAT, BRAUCHT NICHT VOR oder GRANNY, IT´S COLD OUTSIDE

Eine Überdosis Weihnachten schon vorm Frühstück. Als sei man mit einem Katapult in einen amerikanischen Weihnachtsbaum geschleudert worden. Zuckerstangensüß. Glee overdose. Und trotzdem wieder sehr sehr schön – allem voran die Brittany-storyline: Artie stellt fest, dass sie noch an den Weihnachtsmann glaubt und die anderen reißen sich ein Bein aus, dass es dabei bleibt. Brittany wünscht sich dann vom Shopping Mall-Weihnachtsmann, dass Artie wieder laufen kann. Hmpfh. Tough task. Aber wir haben ja Bieste. Auf die ist Verlass. Und Sue als Grinch. So green! Und natürlich Kurt und Blaine, siehe vorletzter Beitrag. Yum.

Im Supermarkt an der Kasse wird mein christmas spirit überprüft. Kleine alte Frau mit einer Tafel Schokolade:
„Ick hab nur dit aiiiiine Teeeeiel, darfick voaaaa?“
„Nein. Dürfen Sie nicht.“

Soweit haben mich die Glees dann doch nicht rum.

RUBBERBAND GLAM

„See those trees bend in the wind
I feel they´ve got a lot more sense then me
You see I try to resist…“

(Kate Bush, „Rubberband Girl“)

Den Sonntag dann mit Schauspiel verbracht, manchmal hilft es ja auch dem Selbst, den anderen etwas vorzumachen. Das ist wie dieser blöde Selbsthilfe-Tip immer mal wieder zu lächeln, das geht von außen dann irgendwann auch nach innen. Angeblich. Fakt war allerdings dass der Körper gestern noch sehr stark mit dem Abbau ungesunder Substanzen vom Freitag beschäftigt war. In so einem Zustand Sozialkontakte zu pflegen oder auch einfach nur die Einladung zum Kaffee anzunehmen, keine gute Idee. Also beschäftigte ich mich damit, meine Ängste zu reduzieren. Zunächst in dem ich sie nach außen hin runterspielte, dann lesend – kein Erfolg, dann mit der dritten Staffel „Veronica Mars“, die für genau solche Sonntagnachmittage auf Halde lag. Nach der vierten Folge ging´s so. Das Ungerechte an meinem Alter ist, dass der Körper immer länger braucht, einen feinen kleinen Absturz zu verarbeiten. Das finde ich ungerecht, denn je älter man wird, desto mehr hat man sich solche Abstürze verdient. Denn je älter man wird, desto wichtiger wird es, sich jung und unbeschwert zu fühlen. Unbeschwert, ein wirklich schönes Wort und die Erklärung dafür, warum im Alter so viele Menschen gebeugt gehen.

KEIN HERZ FÜR ALTE

Triple-Attacke, no less. Bürgersteig, Tankstelle, Buchladen. Tief durchatmen, an Heidi denken. Beim Bäcker war dann keine Energie mehr für eine vierte.

Als sich eine halbe Stunde später die Türen des Aufzugs vor mir öffnen und ich aussteigen möchte, rennt mich eine Omi über den Haufen. Dabei bin ich heute das Gegenteil von durchsichtig.

PORCELAIN or GLAM WANTS TO BE A HUMMEL II

Geht so ein knatternder Arbeitstag fast nahtlos über in ein Experiment, an dem, dank Frau Frost, nun auch ich und Mlle Modeste teilhaben. Kate Bush´s „Hounds of Love“, getanzt von Behinderten und Nicht-Behinderten. Eine knappe Stunde Kälte, weißes Licht, Dunkelheit, ein rotes Wollknäuel. Das Strahlen einer der Darstellerinnen haut tief in mich rein und bindet sich auf meiner Kate-Rezeptions-Ebene, also irgendwo in dem Refugium zwischen Herz und Seele, jenseits Wissen und interpretieren oder kritisieren. Wir haben alle unsere eigene persönliche Kate. Und wenn wir sie ernst meinen, dann entsteht aus ihrem Werk etwas uns doch ganz Einzigartiges. Ich saß da und dachte an „Ashby House“ und wie fantastisch die Kraft der „Hounds of Love“ ist, und was Schönes diese Hunde gebären, immer noch und in welch feiner Gestalt.

Zu Hause konnte ich dann nicht zu Hause bleiben. So I applied some Venomous Villain eyeshadow and spent the following 8 hours (wie sich später herausstellte) in the place that used to be my second living room. And it felt like home. We met Quinn Fabray and her boyfriend and unfortunately, our meeting then led to a fight between them, shame, such sweet souls. As soon as they were gone-
„Look! He looks like Kurts older brother!!!“
So we met Kurt´s brother, but everything, as always is the case in that place, was a bit twisted, and he´s got baggage, but still, a little kissing was okay. I didn´t write down his number but Roomie did. Like my therapist, he seems to think I need a guy. Maybe he´s right. A Kurt with baggage. When I pretend-left the place, Kurt´s brother came after me. Maybe now, it´s time for me to go after him. Or maybe it´s just one more hour in the 1001 nights of Berlin that make Berlin the town I chose, many many midnights ago. Berlin, you cunt. I love you.