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ZWISCHEN ACTION UND CUT
Man kann getrost sagen, dass einen nichts auf das Finale vorbereitet, dabei recht haben und lügen, weil im Grunde alles auf das Finale vorbereitet. Ein Klassiker.
NOW PLAYING
Manchmal ist es gut, dass Filme in Deutschland ein paar Wochen später starten.
Aber ich geh vorsichtshalber doch lieber in die Nachmittagsvorstellung.
AFTER BLACK SWAN
Das letzte mal, vor heute, dass ich einen Film gesehen habe, über den ich noch drei Stunden später reden musste? Mir fällt nur „Grey Gardens“ ein. Die einzige Gemeinsamkeit mit „Black Swan“ – man beobachtet ein paar sehr diffizile Charaktere.
Ich könnte jetzt ganz viel schreiben – was mich bewegt hat, warum es mich bewegt hat, wie wir zu dritt noch beim Dinner immer wieder auf den Film zurück kamen. Aber ich tue Ihnen den Gefallen und lasse es. Schauen Sie ihn sich einfach an. Danach können wir reden. Nur soviel – der Trailer hat mehr Glam als der Film, dachte ich zunächst, natürlich ahnend, dass das Finale, auf welches sich der Film hinschraubt, die Farben liefern wird, auf die die Erzählung zunächst verzichtet. Und dieses Finale ist so furios, so irre, so schillernd und krank und logisch und schmerzhaft – words escape me. It´s Aronofsky.
Ebenfalls anzumerken: ich habe mir ein paar Mal wie ein Kind die Hand vor die Augen gelegt, weil ich nicht mehr hinschauen konnte, weil es so weh tat. Und auch das haben nur wenige Filme bei mir bewirkt. Wenn Portman den Oscar nicht bekommt, dann kann man den abschaffen. Nicht eine Sekunde lang hat man das Gefühl KEINE Ballett-Tänzerin vor sich zu haben, und das ist noch das Mindeste an Lob, was ich aussprechen kann. Was diese Person darüber hinaus noch liefert – eine Tour de Force, eine Emotions-Klaviatur, so diszipliniert und routiniert wie ein Ballerinen-Alltag. Nuancen! Winona: herzzerreißend. Barbara Hershey als Mutter: ebenbürtig mit Big Edie-Jessica und Kim Stanley als Frances Farmers Mutter. Ein Archetyp. So weh der Film tut – Du kommst raus und denkst, „Wow – genial, aber NIE WIEDER!“, wenige Stunden später willst Du zurück. Denn da sind noch Fragen offen. Und Du musst den Tanz noch einmal sehen…
ESSENTIAL GLAM
Und das Lächeln zum Schluss. Kernschmelze.
MY GIFT IS MY SONG
„Glammy? Ich wollte nur sagen, dass ich froh bin, dass wir uns wieder verstehen.“
Und ich erst. Denn es war Arbeit. Fahren Sie mal eine schneidige Limousine gegen die Wand. So einen Fahrschulwagen, wo beide kuppeln und bremsen können. Das ist dann doppelt kompliziert zu retten. Aber wir haben. Vielleicht sind wir erwachsener, als wir angenommen haben. Und dann gleich das Gegenteil beweisen und den neuen Lover (seinen, nicht meinen) in unsere Song-and-Dance-Routine einbeziehen. Eben noch dachte er, Christina Aguilera sei der Gipfel, da heben wir schon die Arme gegen den Strom zu „Wuthering Heights“. Es IST zuviel Drama in meinem Leben. Aber es ist auch Musical. I wouldn´t wanna miss that.
And look what I found – something for beginners. Make yourselves a nice cup of tea, look, listen and learn:
DER MISTKERL
Sieht immer noch rattenscharf aus.
HOUNDS OF LOVE – AN APPRECIATION
Placebo – Running Up That Hill (Fan Version 1)
Drei Jahre später dann war sie längst Meisterin des layering und hatte all ihre Stimmen gefunden. Man nimmt Effekte nicht mehr als Effekte war, es ist alles organisch. Stimmlich waren da nun Dutzende Kates. Dämoninnen, Elfen, Muppet-Kate, die Warme, die Reflektierte, die Irre, das Monster, die Sirene. Die Profunde. Hören Sie sich noch einmal „Running up that Hill“ an, mit dem das Album eröffnet wird. Da hat sie Houdini den Schlüssel gegeben. Sie kämpft für die Liebe, das Single-Cover zeigt sie mit angelegtem Pfeil und Bogen. Die Loops, die herzschlagbeschleunigten Drums. Die Anstrengung, der Drive, den eine Liebe braucht und verschleißt, running with scissors. 25 1/2 Jahre später immer noch das für mich bedeutsamste Lied aller Lieder. Die Tatsache dass ich die „Warum“-Frage nicht beantworten kann, deutet daraufhin, dass es dies noch bleiben wird, solange ich den Berg hochrenne.
Die durchknallende Angestellte, die sich wegreißen lässt, sich auf den Tanz mit einem Fremden einlässt, swept off her shoeless feet. Wie süß, das Video – wie sie sich zwingen und einfangen lässt und dabei nie Opfer ist, sondern Mittäterin, Komplizin. Bei der „I found a fox“-Passage steigen mir bei jedem Hören Tränen hoch. Weinen vor Ergriffenheit. Pure Schönheit. „Ashby House“ ist um diese eine Szene aufgebaut.
Two steps on the water. Sich hineinschleudern in die Liebe, nicht mehr vor ihr wegrennen. Mit beiden Beinen auf´s Wasser! Hier, Deine Schuhe. Die schmeiß ich jetzt auch! It´s not just LOVE. It´s La-la-la-la-la-la-la-LOVE.
The Big Sky – mit offenen Augen durch die Welt gehen und nach oben schauen. In allem Bedeutung sehen und darüber grinsen können. Das Leben lieben. Ein Kifferlied? So what?
Die strengen Takte am Anfang. Die Scherben, das Dissonante. Mother – will hide the murderer. „Comfort“ wird musikalisch nicht hergestellt, denn es geht nicht um die Heiligsprechung der Mutter, Thema ist das Schuldgefühl, das man der Mutter gegenüber hat, für alle Fehler, die man begangen hat, und wie kann sie einen denn bloß trotzdem lieben?
Und dann das größte Vaterlied, das ein Sohn seinem Vater schreiben kann. Kate, der Sohn.
Über „The Ninth Wave“, die Konzept-Seite des Albums, kann ich nicht schreiben, das wäre Frevel. Dazu habe ich nicht genug Buchstaben, geschweige denn Interpunktion. Vor so einem Kunstwerk kann ich mich nur verneigen.
Ach, Kate. Ich weiß, Du willst gar nicht verehrt werden, Du wirst auch rot, wenn Dir jemand ein Lob ausspricht. Und ist auch alles schon so lang her. Aber da musst Du nun durch. Man kann nicht ungelobt Kunstwerke funkelndster, edelster, profundester Schönheit in dem Raum stellen, diamantene Elefanten, sternenstaubberieselte Furien, in der Sonne schmelzende Blumen, mondschillernde Brandungswellen, und dann so tun, als sei man nur ein Mensch. Eine Welt ohne diese Kunst, ohne diese Künstlerin – schlichtweg unvorstellbar. Und wenn Du nur dieses eine Lied geschrieben hättest, das vom Deal mit Gott – ein Taj Mahal in meinem Herzen wäre immer Deins. (Aber, wenn ich drüber nachdenke – das Lied mit den Hunden ist ebenso unverzichtbar.)

WITH A KISS
Eine Therapiesitzung, die ich herumreiße. Den Knochen, auf dem Sie gerade rumpicken möchten, den können Sie liegen lassen. Der ist in Sicherheit. Wie es kommt, dass es mir besser geht, wo komme ich gerade her? Ich habe den Knochen in Sicherheit gebracht. Es hat einiges an Aufwand gekostet, aber es ist gelungen, und ich bin stolz. Und ich hatte frei, habe den ganzen Tag geschrieben. Schreiben Sie eigentlich auch über sich selbst? Das ist doch eine ziemlich bemerkenswerte Biografie? Täglich. Zwanghaft. Aber es taugt nicht zur Fiktionalisierung – die Love-Story fehlt. Und dann versuche ich ihr (und mir) zu erklären, wie alles Schreiben immer über mich ist, selbst, wenn ich über Kate schreibe oder einen Film, der mich bewegt hat. Der Roman, in dem ich als Figur nicht vorkomme, ist ebenfalls ein Selbstbild – einen Großteil meines kulturellen Kosmos habe ich dort verarbeitet, eine Art Suchspiel daraus gemacht. Man ist eingeladen, zu dechiffrieren, aber es geht auch ohne. Warum mich Kate gerade so beschäftigt? Die musste zwei Jahre warten, bis EMI ihre erste Platte veröffentlichte, und auch sie griff auf vorhandenes Rohmaterial zurück, das in der Wartezeit geschliffen wurde – das ist der naheliegendste Bezug, und natürlich bin ich mit ihr aufgewachsen, habe sie als selbstverständlich genommen, dann hat sie sich zurückgezogen und war gar nicht mehr selbstverständlich, und in diesem Zeitraum – und gerade jetzt – höre ich ihre Musik wie zum ersten Mal. Neu. Differenziert. Mir fallen Sachen auf. Ich dechiffriere. Es ist ein Eintauchen, das ständig belohnt wird. Korallen! Irgendwann fällt die Frage, wer den Schlüssel hat, aber mein Redefluss fließt gerade in eine andere Richtung und im Auto denke ich wieder an die Frage und nachts träume ich, dass Kate mich küsst (imagine!) und wache ein wenig beunruhigt auf, sooo nah wollte ich ihr dann doch nicht kommen aber dann begreife ich – Houdinis Frau. Und mir wird klar, wer jetzt den Schlüssel hat. Wenn Sie mich in den nächsten Tagen sehen, fragen Sie nicht nach der Sorgenfalte. Es ist nur so, dass ich gerade nicht weiß, wo ich den Schlüssel hingelegt habe. Aber alles findet sich wieder an, des bin ich gewiss.
„OH GOTT“ DENKEN SIE JETZT ZURECHT.
Denn jetzt geht das Bush-Bloggen wieder los.