Dass ich über das Madonna-Konzert und AHS Hotel nicht schreibe spricht für sich. Die größte Aufregung kam nach dem Konzert, als Ex-Roomie gemuggt wurde, man ihm die Tasche und das Handy stahl und er durch lautes Schreien den Dieb so verstörte, dass dieser das Diebesgut von sich warf und das Weite suchte. Zwei Worte und ein und noch zu Hotel und Rebel Heart Tour: Herz-, und Seelenlos.
Archiv des Autors: glamourdick
In Tränen
Ich hätte schreiben können, zu Iris´ Geburtstag gehen oder mit Frank ins Kino – letztlich blieb ich zu Hause mit einem Buch, das mich gleichzeitig ärgert, weil es mich alle paar Seiten zum Heulen bringt. Die Moyes kann das. Und gibt es auch Passagen, die cheesy sind – die Jovialität der Erzählerin geht of über den Rand des Mitschämens hinaus, alles in allem ist „After you“ ein unterhaltsames Sequel, dem Amazon-Rezensentinnen vorwerfen, dass die Erzählerin nicht ganz so jovial ist, wie beim Vorgänger. (Wie auch? Sie hat die Liebe ihres Lebens verloren.) Great entertainment.
ALLERHEILIGEN
AHS Freak Show am Stück geschaut und mich sehr in Toulouse verliebt. Der mit der Baby-Axt. Was mich zu Solomon zurück bringt, was mich zum Exposé zurück bringt, an dem ich heute weiter schreiben sollte, aber genau deshalb tu ich es nicht und geh lieber mit Lucky zur Iris. (AHS Hotel zu kommentieren sind mir die Worte zu schade für. Hätte nicht gedacht, dass ich mal „pervers“ mit Bezug auf eine eigentliche Lieblings-Serie verwenden und die Hoffnung äußern würde, dass Jessica da bitte nicht mehr mitmacht, in Zukunft. Vielleicht haben sie einfach mal ein schlechtes Jahr, aber die Grenzen, die da gerade überschritten werden, hätten geschlossen bleiben sollen. Dafür sind sie ja da.)
Here´s my man:
Toulouse – American Horror Story from Drew Varick on Vimeo.
Gestern á la recherche d´une manuskript perdu. Tatsächlich habe ich die frühen Jahre nicht mehr auf dem Mac, nicht mal auf dem Gäste-Mac, der beginnt bei 2004. Das ist blöd, wenn man ein Buch sucht, das man 2001 veröffentlicht hat und das tatsächlich verfilmt gehört. Eichinger sah das schließlich genau so. Eichinger fehlt mir. Es macht gegenwärtig sehr viel Spaß mit meiner Porno-Vergangenheit.
Habe versucht, dem D. die Asyl-Antrags-Papiere zu übersetzen, aber die sind in einem so krassen Bürokratie-Deutsch verfasst, dass ich mir selbst auf Deutsch keinen Reim drauf machen kann.
Mein Facebook-Aufruf, gemobbten Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, blieb komplett unerhört, bzw unbeantwortet. Ja, es ist tatsächlich so, dass Flüchtlinge nicht mit einer Haftpflicht-Versicherung nach Deutschland kommen, aber WTF. Altruismus, anyone?
Buddyguard
Meine komplette Hochachtung gilt dem L. Das ist der Sohn einer geschätzten Kollegin. Der ist Anfang 20, eigentlich wohl eher ein menschenscheuer Typ. Was ihn nicht davon abhält, jeden Tag den Leuten bei ihrer Antragsstellung zu helfen. Vor ein paar Tagen hat er eine syrische Transgender-Frau, Typ Conchita, durch die Menschenmenge eskortiert, quasi Bodyguard gegen Spießrutenlauf amongst stupidly religiously biased bully refugees. Nicht nur finde ich das Bild schön, dass eine syrische Transe in High Heels erhobenen Hauptes durch eine Menge wütender Männer stöckelt, sondern, dass sie dabei von einem jungen stolzen deutschen Mann beschützt wird.
Wir werden es in Zukunft mit vielen neuen Bürgern zu tun haben, die Wut und Gewalt, Angst und Hass Schrägstrich Tagesordnung erlebt haben. Wer flieht, muss auch sehr intelligent lügen, verbergen, Vorteile ausnutzen. Das sind elementare Bestandteile einer Kriegs-Generation. Vor dieser Betrachtungsweise gilt es, solche Eigenschaften, die ich verachte und die für mich zuvor als deal-breaker jeder zwischenmenschlicher Interaktion galten, differenzierter zu betrachten.
Desweiteren bräuchte ich Hilfe, was einen wandernden Küchentisch angeht. Kennst sich jemand mit mobilen Möbeln aus?
Ohne
Gestern dann angefragt worden, ob ich zur Überbrückung eine kleine afghanische Familie (Mutter Vater Säugling) aufnehmen würde. Die arabisch betriebenen Hostels weigern sich nämlich, Leute aus Afghanistan aufzunehmen. Drei und ich – das ist schon eine seltsame Situation, wenn man in der Wohnung in der Minderheit ist, sei es auch nur für 3 Tage. Habe zu bedenken gegeben, dass ich rauche. Und schwul bin. Wenn die Familie damit leben kann, ist sie willkommen. Sie haben dann ne andere Lösung gefunden. So erfährt man von den eigenen Grenzen – ich bin nicht bereit, meine Identität von Intoleranz in Frage gestellt zu sehen. Ich hoffe jetzt mal, dass das Aus-Kriterium das Rauchen war.
Da wird noch viel Un-Verständnis für unsere Werte und Errungenschaften (und selbstverständlich nachvollziehbar – den gegenwärtigen Arschlochismus) auf uns zukommen.
Sonst so
Was mir am meisten an K. auffiel ist, wie zukunftsorientiert und wie sehr in der Gegenwart er lebt. Ich hatte befürchtet, einen Flüchtling einzuquartieren würde bedeuten, Geschichten von Unterdrückung, Flucht und dem harten Aufschlagen in Deutschland zu hören – immerhin hat er selbst im Flüchtlingsheim noch Schläge kassiert, als offen Schwuler. Stattdessen geht es ihm darum schnellstmöglich seine Papiere zusammen zu bekommen, um sich Arbeit suchen zu können. Nach einer Woche bei mir hat er nun auch eine WG organisiert und geht trotzdem jeden Tag zum LaGeSo, um dort zu übersetzen. Hut ab. Es ist natürlich nicht schön, sich der Realität zu stellen, dass da nicht nur lauter wunderbare Menschen zu uns kommen, sondern auch eben solche, die anderen eins auf die Schnauze geben, weil ihnen deren Lebensstil/ Identität/ Wasauchimmer nicht passt. Aber es sind auch solche dabei (und hoffentlich in der Überzahl) wie der K., die sich den neuen Aufgaben in der „Fremde“ stellen und die eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sind. Ich kann allerdings immer noch nicht verstehen, wie wir in Deutschland mit der schieren Anzahl klar kommen sollen und weshalb die Lage nicht europaweit geklärt werden kann. „Europa“ steht für mich nur noch für eine dumme Organisation, die mir vorschreibt, welche Glühbirne ich verwenden darf, die aber, vor echte Probleme gestellt, in Schockstarre verfällt. Nee, kann man so auch nicht sagen. Starr und starrsinnig ist das Europaparlament sowieso, das ist je das Wesen von Politik und niemand führt das besser vor als die Glühbirnler. Man muss also selbst einschreiten. Könnse sich ja mal überlegen, ob Sie auch ein Zimmer frei haben, für Härtefälle. Ich verstehe nämlich die Frage nicht „Wie kannst Du das machen? Einen Fremden einzuquartieren?“ Weil die Frage lauten müsste, „Wie könnt Ihr das nicht machen, wenn ausreichend Platz da ist?“. Insbesondere diejenigen, die sich als Christen bezeichnen, sollten sich mal überlegen welchen Background ihr „Sohn Gottes“ hatte.
State of affairs
Mein Refugee tröstet mich.
October
Meinen Kalender von 1993 in der Hand gehabt. Jeez, war ich unterwegs. Mutige Jahre waren das. Soviel socializing, Arbeit und Uni. Durch die ganze Stadt. Im Kopfe rattert es und knackst´s, aber auf ne gute Art und Weise. Das Notizbuch immer in greifbar Nähe. Es ist gut zu sehen, dass ich mal anders war, aber es hat natürlich auch mit dem Lebensalter zu tun. Mit Mitte 20 traut man sich ja alles (zu). Jetzt ist das Leben leiser, Midlife vorüber, das wäre der Zeitraum, wo die Kinder aus dem Haus gehen und man sich überlegen muss, wie man allein oder zu zweit weiter macht. Neue Herausforderungen. Ich mach ja, ich mach ja.
(Gestern zu „Una Cancion“ von Bebe durch die Wohnung getanzt. Musik braucht mehr Kinderchöre.)
OH SAPPY DAY
Es findet gerade sehr viel innen statt, „Klappe halten“ trifft es am Besten, denn was da drinnen ist, muss sich sortieren. Parallel zur inneren Sortierung binge-watche, lese ich, die Momente schätzend, an denen ich nicht mein Leben resümiere (no less). Abgeschlossene Lebensthemen, die plötzlich am Telefon sind und blöken und ich denke, fuck you, überleg Dir was Du sagst, oder Du landest in meinem Buch, und zwar anders als geplant. Ein paar trockenste Horrorszenarien, (wie das mit der Steuer, das gar nicht aufhört), führen zu einem Zustand, in dem die Angst vor der Angst wieder präsent ist – auch völlig berechtigt. Dass es nur eine leise Panik ist, ist den Tabletten zu verdanken.
There is thunder in our hearts
Erstmal scheitert alles technisch. Bei Frankie der Download aus der Dropbox. Und der Strike stellt fest, dass er seinen Ipod ne Weile nicht synchronisiert hat und Dawn fehlt. Aber ohne kann man schlecht einen Dawn-Walk machen und so geb ich ihm meinen Autoschlüssel und er fährt noch mal heim. Derweil betrachte ich von einer Bank aus das Treiben und Promenadieren am Ufer schräg rechts vor der Brücke, die auf die Insel der Jugend führt. Stramme Jogger mit Magenfalten und einem Ausdruck des Scheiterns im Gesicht. Ein Elektro-Rolli mit einer kleinen Dame mit kessem Hut. Das da müssen Schwestern sein, das sagen ihre Gesichter und ihre Popos mit der eigenartigen Fettverteilung. Rechts neben mir lässt sich ein polnisches Paar nieder. Zwei Jungfamilien treiben ihre Kinder an „Ihr Süßen, kommt, es geht weiter!“ Obwohl die gar nicht den Eindruck machen, als wollen sie ohne Mutti verweilen. Gott, so wäre ich auch als Mutti; ein Kelch, den ich mal nicht in die Hand bekommen habe, Danke Universum. So schenke ich mir einen Frühstückswein in den diamantenen Plastebecher und hab schon leicht einen sitzen, als Frankie anradelt. Als der Strike dann ohne jeden Autounfall gehabt zu haben wiederkehrt und ebenfalls befindet, dass mein Auto zwar höllenhässlich ist, (und vielleicht nur von meiner Hollywood-Schaukel in den ugly-Schatten gestellt wird, die den Titel „Satan´s porch swing“ trägt), aber doll fährt – synchronize rhythm now – pegeln wir unsere Pods und es kann beginnen. Der erste Applaus, der zweite, dann der Donnerapplaus, als Kate die Bühne betritt und mit Lily sind wir zurück, aber auch nicht, weil wir ja jetzt hier sind, in Berlin, nicht da in London, aber das Wetter macht gewaltiges Wolkenschauspiel am Big Sky und wir gehen, treiben, legen uns auf den Boden, steigen empor, werfen die Arme ins All, bekommen sie zurück, murmeln, singen, schreien, tanzen unter sich über uns wundernden aber nichts zu beanstanden Habenden, es ist ein letzter warmer Spätsommersamstag und es ist halt wie es immer ist, wenn man sich per Kate Bush synchronisieren lässt – es ist viel Liebe und Wagemut, Harmonie in Anerkennung alles Schrecklichen, das dieser Planet so für einen übrig hält, man segelt, lodert, man zollt der Großartigkeit des Menschsein in wesentlicher Aberkennung aller schlechten Menschen Tribut. Herzfrequenz. Seelenschönheit. Fragt sich, was Religion nicht begreift, denn so schön sein lässt sie einen nie. Dazu braucht es Poesie, dazu braucht es Melodie. Und dazu braucht es etwas ganz altmodisch Anmutendes, das man als „Güte“ bezeichnet. Wir haben vor ca einem Jahr 6 Stunden mit Kate Bush verbracht. Und was das bedeutet stelle ich erst fest, als mir klar wird, dass die ca 8 Stunden, die ich in den gleichen Hallen wie Madonna und ihren Materialschlachten verbracht habe, keinerlei Spuren hinterlassen haben. Selbst ca 7 Stunden mit John Grant waren ganz wunderbar. Und ich habe auch mal 10 Jahre hauptberuflich bei der Umsetzung von Liebesliedern mitgewirkt. Aber. In diesem meinem einem Menschenleben jedoch, mit diesen wunderbaren Weggefährten zwei Abende lang in die Gedanken- und Gefühlswelt des besten lebenden Menschen auf der Welt (neben dem Dalai Lama) entführt worden zu sein – und sich dort so wohl und erkannt zu fühlen, gleichzeitig vor einigen Mysterien fragend stehen zu bleiben – das ist und war eines der Erlebnisse, die unvergesslich sind und es bleiben werden, das ist der Augenblick, wo einem die Flügel wachsen und man schillernd aufflammt und sich eine Sekunde im Licht zeigt, um sich dann mit schweren Flügelschlägen empor zu schrauben und duftend wie Dahlia Divin auf den Wind zu legen, der einen trägt und gleiten lässt, dahin, wo man in seiner höchsten Essenz existiert, war, wird und bleibt.
Ich muss das Wort profund anwenden. Und das Wort Emotionskathedrale schöpfen. Ich danke dem Universum für Wörter, derer ausreichend gar nicht vorhanden sind. Aber für die, die da sind. Danke.