„Have you heard? It´s really true – Rufus has become a Dad!“
„So? What´s next? A christmas album?“
Archiv des Autors: glamourdick
VIER NATIONALITÄTEN UND EIN WASSERSTOP
Nach einer halben Stunde habe ich auch flugs einen Parkplatz gefunden und bewege meinen übellaunigen Leib samt einer Kiste Wein nach Hause. Angekommen, möchte ich mir die Hände und den Arbeitstag waschen. Kein Wasser. Kein Wasser in der Küche, kein Wasser im Bad. Nur ein bisschen gefrorenes in der Gießkanne auf dem Balkon. Die drei freundlichen Polen, die seit zwei Tagen von meiner Küche aus das Fenster der Wohnung unter mir aus- und neu einbauen haben offenbar das Wasser abgestellt. Allerdings in der Wohnung unter mir. Sie sehen mich schreiend, fluchend, ein Wochenende ohne Wasser visualisierend, denn der Hausmeister mit dem Schüssel für die Wohnung im 4. Stock verbringt verlässlich seine Wochenenden in Polen. Ich erwische ihn gerade noch auf dem deutschen Handy kurz vor der polnischen Grenze.
„Ja. Chm. Schwerrick. Viellaicht chat Cherr Svoboda Schlissel.“
5 Minuten später Rückruf. „Cherr Svoboda auch in Pollen.“
Ich probiere den Kreditkartentrick, allerdings stillos mit meiner Karstadt-Kundenkarte. Geht nicht. Offenbar ist die Wohnungstür das erste, was saniert wurde. Sie ist völlig einbruchssicher.
Anruf Hausmeister. 5 Minuten Engelszungen und Verzweiflung mit einer feinen Dosierung kaum unterdrückten Jähzorns, völlig missachtend, dass je mehr Adjektive, desto weniger für ihn zu verstehen, aber was soll´s, vielleicht macht´s der Klang von kurz-bevorstehendem-Amoklauf.
„Viellaicht… ich chabe Idä!“
Da es wirklich anstrengend ist, polnischen Akzent zu schreiben, verkürze ich zusammenfassend. Es kann sein, dass der Schlüssel der Wohnungstür der amerikanischen Nachbarin, der, auf dem Nova steht, auch für die Wohnung des Hausmeisters passt (hm, warum fühlt sich das etwas weird an?), das möchte ich aber bitte nicht an die große Glocke hängen. Die amerikanische Nachbarin allerdings arbeitet meist um diese Uhrzeit. Als ich sie anrufe ist sie nur eine halbe Stunde entfernt und große Erleichterung tritt ein, als wir ihre Wohnung betreten, und beginnen, nach dem Schlüssel zu fahnden, auf dem Nova steht. Gut zu wissen, dass sie den Zylinder längst ausgewechselt hat, das macht man in einem erwachsenen Berliner Haushalt. Mit dem Nova-Schlüssel in der Hand mache ich mich auf dem Weg in den Seitenflügel. Er passt nicht. Roomie beginnt, wasserfassende Gefäße von Glam Gardens in die Wohnung der amerikanischen Nachbarin zu transportieren.
Mittlerweile im polnischen Handynetz – „Chm. Viellaicht, dass der Kellerschlissel von Frau N.“
Zurück im Ergdeschoss. Ich klingele bei Frau N. Frau N. ist gerade auf dem Weg zu einer Party. Ich skizziere.
„Also passt eventuell Dein Kellerschlüssel zur Wohnungstür vom Hausmeister und dort liegen die Schlüssel zum 4. Stock, wo der Wassserhahn für meine Wohnung auf mich wartet.“
Sie wirft, ich fange, ich jumpe rüber, stecke Schlüssel ins Schloss, drehe um – er schließt, bzw öffnet, ich stehe in der Hausmeisterwohnung, greife mir zwei Schlüsselbunde, schließe wieder ab und bringe Frau N. den Kellerschlüssel zurück.
Da es keinen Strom gibt, betreten wir die Wohnung mit Kerzen, Roomie, die amerikanische Nachbarin und ich. Das sieht nach Kernsanierung aus, hier liegt kaum ein Stein auf dem anderen.
„Wasserleitung ungefärr drai Mäter in Wonnung, bei Kamin.“
„Die Leitung mit dem grünen Verschluss?“
„Ist blau.“
„In diesem Licht ist grün.“
Ich schraube. Es rauscht, ich sprinte in meine Wohnung. Wasser!
Die schlechte Laune ist völlig verflogen, der kleine Ausflug in die bewohnte und unbewohnte Nachbarschaft hat bei allen Beteiligten Heiterkeit ausgelöst. Ich freu mich angesichts des Wassers, das da aus dem Wasserhahn ins Becken prasselt, wie James Dean in „Giganten“, als er auf Öl stößt.
KONSEQUENT GLAM
Muss ich mir jetzt also schön reden, weshalb ich dem Date nicht zugesagt habe. Kein Interesse, als Fick zwischen zwei Berlinale-Events verschlissen zu werden, insbesondere bei einem Mann, der mich zu sehr interessiert, als dass mir ein Fick ausreichen würde und der morgen schon wieder abreist und die letzten Tage ausreichend Gelegenheit gehabt hätte, sich zu melden. Nein nein, ich bin noch nicht wieder in der Lage für ein weiteres emotionales conundrum, meine seelische Tanzkarte ist vollständig zugekritzelt mit Symbolen, die ich nicht deuten kann und komischen Schnörkeln und in Fremdsprachen.
„You play an instrument?“
„Yes, the conundrums.“
Allein schon, wie es dem gelingt, mich im Dialog auf einen Trip zu nehmen, Hilfe. Das kann doch nur schlimm enden, das ist ein Mann, der mit Worten manipulieren kann, aber auf so ne hinterrücks-Art, also jetzt nicht im bösen Sinn, sondern mehr im Sinne von Anzeichen-höchster-Intelligenz. Der schafft mich. Rum zu kriegen. Innerhalb 20 Minuten.
So. Jetzt muss ich mich mal umziehen. In ner Stunde ist er hier.
AN EPISODE WITHOUT KURT…
… doesn´t get a review. Only a mention.
Na ja. Okay.
HAMMER
Via.
Ich hab eigentlich nix mit Marvel und dem ganzen Captain America und Hornissen-Scheiß. Aber der Thor, glaub i, der tät mir g´fallen.
HEARTS RICHARD AVEDON

First thing I see every morning before I sit down and write.

DWARFS ON FIRE
„5 Körnerzwerge bitte. Nee, nicht die – die daneben, die scharfen.“
„Dit sind aber Feurerzwerge.“
„Ja, dann lieber die Feuerzwerge.“
Dann mischt sich Sabine ein.
„Mensch – dann kannste ihm den letzten Feuerzwerch ooch noch einpacken. Kiek ma wie kleen der is, son Scheiß.“
„Na warja ooch Valentinstach, jestern.“ Und packt den sechsten Zwerg in die Tüte.
„Dit warn Bringer!“ Und Sabine lacht ihr knorkes Lachen, auf dem der Havelkaiser segeln könnte.
„Eigentlich mach ich´s ja nicht unter sieben.“
Und auf diesem Lachen kämen Havelkaiser samt Grilldrachen bis an die Praxis Bülowbogen, barfuß oder Lackschuh.
„Was anderes. Wann gibt´s denn wieder Glamourschnecken?“
BESORGTEELTERNDICKBLOG
Suchanfrage: Anzeichen Verwandlung in Emo.
(Spätestens, wenn er sich die Nägel schwarz lackiert, die Haare wachsen lässt und Smoky Eyes schon zur Schule trägt. Aber wenn Sie denken, das sei jetzt schon schlimm, liebe Muttis und Pappis, dann warten Sie ab, bis er GaGa-Fan wird…)
WE BELONG
In einem Laden, in dem das Bier soviel kostet wie in den Zeiten, als wir das erste Mal ausgegangen sind, also so mit 14. Selbst angesichts der jugendlichen Gäste schaue ich zwei meiner langjährigsten Freundinnen an und finde, dass wir gut gealtert sind. Die Anfang 40er heute sehen aus wie die Anfang 30er früher. Eine junge Frau holt sich vom Tresen eine Kristall-Schüssel, sie hat sich Chips mitgebracht, das ist die wahre Anarchie, im Raucherbereich Chips zu fressen. Abgesehen von den Knuspergeräuschen gefällt mir das. Die Geräusche tauchen jedoch bald unter in dem Sprachenwirrwarr, als sich der Laden langsam füllt. Das hätten wir nicht gedacht, dass wir mal in Neukoelln ausgehen würden, kannste mal sehen, und wie sich die ehemalige Nachbarschaft gemacht hat! Zehn Jahre ist Susi jetzt schon weg, fuck me, das kann doch nicht sein. Und so sitzen hier im Raucherraum die drei, die früher immer zusammen in der Raucherecke standen. Schon zur ersten Stunde perfekt geschminkt und gestylt.
„Wenn Du mal meine Eltern triffts, verrat ihnen bloß nicht, dass ich wieder rauche.“
Ich war auch etwas überrascht, wegen der fiesen Krankheit vor ein paar Jahren. Aber irgendwie bin ich auch erleichtert, nicht weil Susi raucht, sondern weil sie wieder in Form ist und wieder die Alte ist, den Scheißkrebs gut überstanden hat. Zehn Jahre haben wir uns nicht gesehen, aber sind in null komma nichts wieder auf dem gewohnten Gesprächsniveau, bombardieren uns mit welcher Film, welche Serie, welche Band, wer geht gar nicht, wen mögen wir trotzdem, wer lässt uns kalt. Irgendwann kommen wir zu unseren Familiengeschichten und zu unserem so weit weg liegenden Leben auf dem Dorf und was es aus uns gemacht hat.
„Ich hatte keinen Plan, was ich eigentlich will, ich wusste nur, ich muss da weg.“
„Ja, irgendwie wurde man damals gar nicht gefördert, oder in seinem Interessen bestärkt.“
„Wenn ich zurück schaue – ich habe damals schon Film geliebt, und gerne geschrieben. Aber dass man da vielleicht hätte ansetzen können, ausbildungstechnisch – „
Wenn uns etwas Gutes geblieben ist aus diesem toughen Teenagerleben, dann veranschaulichen wir es gerade in diesem Moment. Die Freundschaften zwischen Outsidern. Die ist schtrong. Wir haben uns damals gegenseitig gerettet. So etwas bleibt.
THE BLOG DAYS ARE OVER
Nun aber auch jeder Bezirk, der ein „Berg“ im Namen hat. Der Strike wird auf der Wiener eingesammelt, dann holen wir Frau Koma in einer Seitenstraße des Sch-Berg ab, und kaum 35 Minuten später finden wir einen Parkplatz im Mutter-und-Kind-Berg und sitzen bei Vanille-Eis, Tee, Kaffee und Sekt im Hotel Mama und sinnieren über die Zukunft des Bloggens in den Zeiten von Twitter und Facebook. Bei konstanten Besucherzahlen sind mir in den vergangenen Wochen irgendwie die Kommentatoren weggebrochen. Den gegenteiligen Effekt erlebten Koma und Strike durch gemeinsamen Urlaub und getrennt darüber bloggen. Mehr Besucher, mehr Kommentare.
Das Gequatsche, das Bewerten, das Loben oder Rumätzen, der Dialog – das findet mittlerweile hauptsächlich bei Twitter statt, aber die Form ist mir zu eng, so, wie ich auch SMSse hasse. Ich habe, ehrlich gesagt, auch keine Zeit für Twitter, denn ich blogge ja. Ich bin vom Typus her auch kein „Follower“, außer es geht um Marilyn und Kate und noch ein paar Schätze.
Während das Netz immer zwangsläufiger und unumstößlicher wird, unser Leben ganz entschieden formt und prägt und ich mir meiner Rolle im Netz umso bewusster werde, kommt der Gedanke auf, mich ein bisschen auszuklinken. Die Seelenehygiene wieder ins Private zu verlagern und mehr Zeit für das andere Schreiben zu gewinnen. Then again – die Chronisten, die ich schätze – ich würde ungern darauf verzichten, bei ihnen zu lesen, und ich verstehe die Reaktionen von Frau Casino und Frau Koma „Oh nein – ich lese Dich jeden Morgen, Du kannst nicht aufhören!“, und die von Herrn Strike „Das schaffst Du nicht.“
Seit ungefähr 15 Jahren stehe ich morgens auf, koche mir einen Tee und schreibe. Seit beinahe 6 Jahren stehe ich morgens auf, koche mir einen Tee und schreibe im Netz. In den 10 Jahren zuvor habe ich eine handvoll Bücher fabriziert. In den Blog-Jahren diverse Exposés für Bücher, aus denen nichts wurde. Ich siedle mein Blog nicht niedriger an, als meine Print-Veröffentlichungen. Meine kommende Print-Veröffentlichung verdanke ich meinem Blog. Aber ich bin Autor und es wäre schön, wenn ich endlich von meinem Schreiben leben könnte. Die Schattenseite der Billig- und Gratis-aus-dem-Netz-Kultur, die wohl auch aus diesem Grund von den Bezahll-Medien unaufhörlich gedisst wird. Wenn´s nix kostet, dann kann´s auch nix wert sein.
Schön wär´s, wenn beides ginge. Hier schreiben und da schreiben. Schreiben für die Genugtuung und Schreiben für Honorar. Da suche ich noch einen Weg, denn, anders als mein Bloggen, ist mein literarisches Schreiben konzeptueller, redigierungsbedürftiger – eben zeitaufwändiger. Arbeit, konzentriert. Wie das beides zu bewerkstelligen ist, wird sich zeigen. Aber, keine Angst, Glamourdick wird es noch eine Weile geben. Ich bin ja auch einen Tick stolz darauf, Teil dieser Blosphäre zu sein und mir eine Nische definiert zu haben. An einem Sonntag-Nachmittag mit drei Lieblings-Bloggern und -Menschen am Kaffetisch zu sitzen bringt auch alles Gute hervor, was mir 6 Jahre öffentlich zu jubeln, zu lamentieren, zu grübeln und sonstge Indeskretionen gebracht haben – wertvolle Begegnungen in Text und Mensch.
Vielleicht exemplifizierte es Mequito aus Versehen trefflich, als er vor ein paar Tagen von einem Schreibwettbewerb bloggte, an dem er teilzunehmen gedachte und für den ich auch Feuer fing. Bei genauerem Hinkucken stellte sich heraus, dass der letztes Jahr stattgefunden hatte. Siehe oben.