Ein Wochenende allein in der Wohnung, seit Ewigkeiten, und das hat was, das fühlt sich gut an. Es ist schön, mal ohne Rücksichtnahme durch den Tag zu gehen (beim Putzen Lady Gaga zu hören, at full volume), einen Nachmittagsschlaf zu machen und von selbst aufzuwachen und nicht durch Geräusche des Mitbewohners. Aber das bisschen Rücksicht, das erforderlich ist, wenn man die Wohnung teilt, das tut nicht weh. Zeitgleich die Erkenntnis, dass ich gerne mit meinem Roomie zusammen wohne. Ich freu mich, dass er mal weg ist, aber mehr im Sinne von – es ist ihm gegönnt, und ich freu mich drauf, wenn er wieder hier ist.
Archiv des Autors: glamourdick
GLAM AM STOCK
Also geht´s jetzt los, mit einem Jahr Vorlauf. Das erste Gespräch mit der Lektorin erfreulich. Sie hat Anmerkungen, formuliert diese aber nicht als Kritikpunkte, sondern fragt eher an, ob die bestimmte Wirkung im Leser erwünscht ist, was ich meistens bejahen kann. Es ist ein Schauerroman, da muss man den Leser mitunter befremden. Und da es NEW Gothic ist, erlaube ich mir, dies auch mittels unerwarteter Elemente zu tun.
Beim Cover gehen die Meinungen auseinander – „ein Cover muss nicht unbedingt die Handlung illustrieren“, klar, es ist ein Marketing-Tool, aber es darf auch keine Schummelpackung sein. Ein paar minimale Änderungen könnten maximalen Effekt haben, sie spricht noch einmal mit der Grafik.
Als Autorenfoto hatte ich mein Lieblingsbild, ein Foto der Skulptur, die Katia Kelm von mir gemacht hat, angeboten. Ob es auch etwas weniger verspielt ginge. Geht auch.
„Ich hab da ein Lieblingsautorinnen-Foto. Von Ruth Rendell als Barbara Vine, das würde ich gern nachstellen.“
„Sowas machen Sie gerne, was?“
„Ja.“ Hommage Hommage! „Ist ein schwarzer Lack-Spazierstock zu verspielt?“
Das Vine-Motiv ist es dann doch nicht geworden, aber dies hier ist doch auch ganz schick:

Courtesy of the most wonderful Frank Burkhard.
I CASUALLY MENTION THAT I PISSED IN YOUR COFFEE
Hymne.
Who’s gonna be the one to save me from myself?
You’d better bring a stun gun and perhaps a crowbar
You’d better pack a lunch and get up really early
And you should probably get down on your knees and pray
John Grant in Berlin: Sonntag, 21 im Lido.
Guten Tag, wir haben eine gute Nachricht für Sie – Teil 2
Rubrik Spitzentitel.
Tableau-Auslieferung.
dtv-Buch-Tipp März 2012.
Doppelseite im Katalog.
(Hier hätte ich gern eine Doppel-Rubrik „Ashby House/ Sätze, die Glam gerne hört.“)
Guten Tag, wir haben eine gute Nachricht für Sie – Teil 1
Ein von Ihnen vorbestellter Artikel kann nun am Erscheinungstag selbst ausgeliefert werden. Daher haben wir Ihre Bestellung ohne weitere Kosten auf „Lieferung am Versandtag“ umgestellt. Hier ist das neue voraussichtliche Lieferdatum für Ihre Bestellung:
Kate Bush „Director’S Cut“
Bisheriges voraussichtliches Lieferdatum : Mai 18 2011
Neues voraussichtliches Lieferdatum : Mai 13 2011
Freundliche Grüße
Kundenservice Amazon.de
Oh, wie die britischen Kate-Fans mich nun hassen werden…
WICKED
Wenn man nicht shuffelt, dann folgt auf „Deeper understanding“ „Defying Gravity“. Alle drei Versionen. Und so steht man wieder an der selben Ampel, der Frühling weht durchs offene Fenster und Spätestens bei Version 2, die Kurt alleine singt, steigen so Freudentränen empor und es ist noch nicht mal 9.
THEM HEAVY PEOPLE
„Hast Du´s bemerkt! Die Ampel ist gerade rot geworden und ich hab nicht Scheiße gesagt!!“
„Du hast die ganze Fahrt lang schon nicht geflucht!“
Und dann stehen wir an der Ampel und konzentrieren uns wieder auf die Klänge aus dem Autolautsprecher und Kate sagt „Hello?“.
SPEECHLESS
Kennen Sie das? Man müsste eigentlich Stellung beziehen, aber irgendwie erscheint es sinnlos? Vielleicht würde ein Gespräch alles klären, aber eigentlich ist es eh schon zu spät. Ein Gespräch zur richtigen Zeit wäre vonnöten gewesen, aber der Zug ist abgefahren und man schüttelt die Pisse ab, die man am Hosenbein hat und verlässt den Bahnsteig, noch ein wenig mit dem Kopf schüttelnd, mit dem Gedanken „Dabei wollten gerade wir doch keine Arschlöcher sein.“
MACH´S GUT, VERA
Ich fand sie prima, und ich weiß, jetzt polarisiere ich.
Dieeeeeeeser Glambusch…
UNDERSTANDING DEEPER UNDERSTANDING

Die Stimme wieder zu hören, und neu, älter, a little frail, sehr weit oben in der Kehle, etwas gequetscht. Dann presst sie „execute“ und wir hören Bertie Bush, heftig durch den Vocoder gejagt. Was beim ersten Hören, isoliert im 30-Sekünder, schrecklich klang – hier funktioniert´s, es ist ein bisschen wie eine Knospe, die sich entfaltet. Die Vermutung liegt nahe, dass der 13jährige von seiner Mum etwas geerbt hat, denn an den Stellen wo der Computer-Effekt am wenigsten ausgeprägt ist, da erklingt eine glasklare Jungenstimme. Drums wie ein irritierter Herzschlag. Weiter Kate, wieder mit der Stimme der vereinsamten, müden, ausgebrannten Computer-Abhängigen, oh so lost without her little black box. Execute, Bertie again. Oh fuck, it´s beautiful. It is. Der Hello-Chor im Hintergrund. Abgerissene Computersounds, „Nooooooooo……“ Langsam kommt die Bush-Stimme, wie wir sie kennen, wärmer, und dann das Trio Bulgarka. Der Song hält inne für sie, sehr schön, wieder Kate mit einer Art Fraggles Chor (daaa-daaa-da-da-da) jetzt, beim Deeper Understanding die schöne reife warme Stimme, jazzige Impros „a little love for me“, bluesig, ein bisschen besoffen, verzweifelt halt, abreißend. Die Drums haben unglaubliche Tiefen, wenn man sie nicht gerade auf einem miesen Kopfhörer hört, dito für den Bass. Best background für die hohe Stimme. Resonanz. Die Harmonika kommt dazu. (Alles was sich gesanglich nach Free Style anhört ist so schlau gelayert und gefächert – mir bleibt der Atem stehen.) Jetzt die Silbenfetzen einer Irren, Computergeräusche, das Trio B., immer wieder „Hello?“, Hello?“, ein Modemgeräusch. Das Menschliche vercomputert, es kommt kein klares Wort mehr, nur noch Konsonanten und der griechische Chor des Trio Bulgarka. Die letzte Note bekommt sehr wehmütig die Harmonika.
Nein. Es ist kein Pop-Song. Es ist ein Kate Bush-Song. Einzigartig, besonders und Kunst. Niemand schafft es wie sie, Lyrik, Melodie und Gesang durch eine vierte Dimension – die Produktion – nicht nur einen Körper, sondern auch noch eine Seele und einen Astralleib zu verleihen. Absolutely lovable.