Archiv des Autors: glamourdick

NUR SO

Mir ist so intern. Ich könnte pausenlos rauchen. Und, anstelle von imdb, wesmirch und dlisted, heute eher fluege.de und Lufthansa. Letzte Nacht übrigens nicht gestritten, sondern eine Vinyl-Schallplatte von Farrah-Fawcett-als-sie-noch-Fawcett-Majors-hieß für 2 Euro erworben. Sehr gefreut. Freude hielt nach dem Aufwachen an.

I BUILD A ROAD IN GOLD oder CONTEMPT MANAGEMENT

Und wieder – Streit, Schreierei, Wutanfälle – alles, was es im wahren Leben gerade nicht gibt, die Träume sind voll davon. Was in totaler Diskrepanz zu den angenehmen und schönen Erlebnisse der letzten Tage steht und natürlich auch krass im Zusammenhang damit.
Mein mittelfristiges Horoskop besagt, dass ich gerade an der Art und Weise arbeite, wie ich mich in Zukunft der Welt präsentieren möchte. Dazu gehört auch das Wissen, warum ich eigentlich Horror-Romane in mir herumtrage, und das ist ganz simpel freudianisch zu erklären. Weil vieles Horror war, und ich den nach innen verlagert habe. Die Krisen, die nicht verbal gelöst wurden, die Konfrontationen, in denen die Machtverteilung kein wirkliches Austragen des Streits ermöglichte, die Frustration darüber, nicht der sein zu dürfen, der ich eigentlich war. Der Zoff, der losgebrochen wäre, wenn ich mit 14, 15 oder 16 die Faust auf den Tisch gehauen hätte. Da ham wir ihn. Und die Feststellung und Erkenntnis, dass er im heutigen (wahren) Leben eigentlich keinen Platz mehr hat, da der Druck raus ist, die Akzeptanz durch die Familie mittlerweile längst vorhanden ist. Das lernt die Seele gerade. Und kämpft zum Abgleich die ungekämpften Kämpfe. Ich glaub, jetzt ist´s gut und ich hab auch das Gefühl, dass die nächsten Nächte besser werden. Ist so die Zeit gerade, wo vieles besser wird.

Ein schönes Traumbild von letzter Nacht: ich fahre durchs Dorf und überfahre fast eine Gruppe von Kindern, die sich aus Provokationsgründen auf die Straße gesetzt hat. „So“, sag ich, und steig mit einem Notizblock aus dem Wagen aus, „und jetzt schreibt ihr mir die Namen Eurer Eltern auf!“

DREAMTIME

Weil wir ja mal mein Schlafwandeln klären wollen, soll ich jetzt meine Träume erinnern. Das gelingt seltsamerweise immer bei denen, in denen ich jemanden anschreie. Im ersten dieser Art war es eine Lehrerin – Szenario war auch so ein schreckliches Linoleumzimmer, die Lehrerin war eine Traumkreation, die aber auf den Namen meiner Grundschullehrerin horchte.
„Frau Boelscher*. Ich bin nicht gewillt einen Tag länger Ihr Mobbing und Ihres Diskriminierungsstrategien zu akzeptieren. Ihre finsteren und dummen, ja geradezu Kranken Versuche, mir das Leben zur Hölle zu machen. Ich werde Sie melden. Sie können einpacken, versteh´n Sie? EINPACKEN.“

Frau Boelscher reagierte, indem sie während meiner stark gekürzt wiedergegebenen Tirade pausenlos brabbelte. Ich war noch ganz außer Atem, als ich aufwachte.

Letzte Nacht fand ich mich zunächst in einer kleinen Stadt in der Schweiz, in der noch Schnee lag. Ein freundlicher Fremder hatte mich mitgenommen und in einem Haus mit vielen Menschen untergebracht, die ständig Parties feierten, kochten, aßen. Um die Kaffeemaschine herum, son kleines Espresso-Dings, scharten sich die weiblichen Mitglieder einer italienischen Familie, es war nicht dran zu kommen an einen vernünftigen Kaffee, also ging ich erst mal nackt schwimmen, zog mich an und machte mich auf den Weg in die Stadt, um ein Café zu finden. Fand ich aber nicht. Aber einen kleinen Bauernhof mit angeschlossenem Milch-Laden. Ein alter Bauer, bei dem es sich vielleicht um den lieben Gott handelte, verkaufte mir dann einen Milchkaffee und akzeptierte den Euro als Zahlungsmittel. Er fertigte mir aus Materalien ein to-go-Kaffeetragetäschlein, ich war beeindruckt. Der Kaffee allerdings, war lauwarm und zu schwach. Zurück auf der Party waren dann auf einmal auch Familienmitglieder. Mein Vater war sehr wütend auf mich und ließ es raus, verwandelte sich dann aber in einen entfernten Verwandten, des es gar nicht gibt, mit dem ich mir eine hochkarätige Schreierei lieferte.

Da sind offenbar noch große Reserven alter, weggesteckter Wut, die dafür sorgen, dass ich im Schlaf sehr angespannt bin. Als ich aufwachte jedenfalls, dachte ich an etwas Schönes, und die zweite Hälfte der Nacht verlief sehr viel angenehmer.

*Frau Boelscher, die Echte, war übrigens eine ganz wunderbare und attraktive Person, ich weiß nicht, wie ich ihr das im Traum antun konnte.

THE SENSUAL WORLD

Und nach der ersten Euphorie über den „Director´s Cut“ kommt jetzt? Die zweite Welle der Euphorie, nachdem ich am Ipod die Höhen hochgesetzt habe und die Stimme mit einem Mal stimmt.
„What´s wrong?“ fragt Roomie bestürzt, als er mich sieht, wie ich tränenüberströmt auf dem Bett sitze.
„It´s just the music.“
Der Chor bei „Moments of Pleasure“ hat immer den gleichen Effekt auf mich, I can´t help it. Im Auto mussten wir lachen bei der „Flower of the Mountain“, es ist so schamlos sexy, eine einfach wundervolle Komposition aus Erde und Haut und Blumen und Emotion – Marilyn eben. Der Synthesizer bei „This Woman´s Work“ – eine Aufforderung, den Klang neu wahr zu nehmen, alte Vorurteile mal außen vor zu lassen, so ähnlich wie beim Vocoder auf Berties Stimme in „Deeper Understanding“.

Das Wochenende startete mit einem Szenario außerordentlichster Schönheit und hielt dieses Niveau mit Leichtigkeit.

UNDER THE MOONLIGHT, THE SERIOUS MOONLIGHT

Man kann sich natürlich einfach hinsetzen und eine Platte hören. Aber viel schöner ist es doch, ein Erinnerungsdenkmal zu konstruieren, sich eine Raum und eine Zeit kreieren, die haften bleiben wird, und in dem/der man sich eine Weile dieser Platte hingibt. Das war einmal ein schillernd schöner Novembertag, das Laub in allen Schattierungen von hellgelb über rot bis dunkel-orange, fast sechs Jahre ist das jetzt her. Und gestern der frühlingsgrüne Park in der Dunkelheit, das streng geometrisch angelegte Mahnmal, eine surreale Stein und Stahllandschaft mitten in einem kleinen Wäldchen. Der Mond stand schräg und verlieh, im richtigen Winkel betrachtet, den gigantischen Soldaten Heiligenscheine. Dem Geordneten setzte wir das Ungeordnete gegenüber. Mäandernde Menschen, Gruppen in Auflösung, Begegnung, eine Art menschliches Flipperspiel, wie es wohl auch nur vom Geist Kate Bushs inspiriert gewesen sein konnte. An einem Ort, wo einst synchron marschierenden Verstorbenen Tribut gezollt wird (oder werden sollte – heute erscheint das Mahnmal eher als ein architektonisches), lauschten wir synchron der „Flower of the Mountain“ und zogen unsere Bahnen. Es war ein erhabenes Gefühl, zu „Top of the City“ neben dem Fuß eines Soldaten zu stehen und nach oben zu schauen, wo blasses Mondlicht auf die gegenüberliegende Statue fiel. So schafft man Gedankendenkmähler. Thanks to my Fellow-Walkers Kitty, Hotel Mama, Lucky, dem fantastischen Kollegen Herrn Elbel und seiner wunderbaren Gattin Chris, Matthias und Stefan und natürlich wäre ein Katewalk kein Katewalk ohne meinen Lieblingsfotografen und Katewalker der ersten Stunde, Herrn Frank Burkhard. It was just so beautiful!

STOLZ UND WÜRDE

Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen. Herr von Festenberg bringt es auf den Punkt: „…dass ein erfolgreiches Dasein nicht ein Zutreiben auf einen einzigen Höhepunkt, sondern ein Sich-Einstellen auf die Erfordernisse wechselnder Zeitgeistepochen ausmacht. Berger hat sich als Schauspielerin genommen, was die Zeitläufe zu bieten hatten.“ Und: „Sie will den Stolz und die Würde einer gestandenen Frau vermitteln.“ Und das gelingt ihr mit jeder Rolle, mit jedem Interview, mit allem, was sie anfasst. Sie lebe hoch!

RELEASE

Um 6 aufgestanden, durch den Tag gerast bis zu dem Moment, wo ich endlich die Platte hören konnte. Rippen, Ipod anschließen, Lautsprecher ausrichten, aufs Bett und dann siehe vorgehender Beitrag. Größtmögliche Freude. Als habe man einen Marilyn-Film entdeckt, der als verschollen galt. (Und wenn auch Sie der Meinung sind, Kate solle mein Marilyn-Gedicht vertonen, Daumen drücken, es liegt ihr vor. Ich liebe meine Agentur.) Dann irgendwie noch was gekocht, gegessen, Platte nochmal gehört. Nochmal. Und dann eingeschlafen und um 4 aufgewacht. Das ganze noch einmal mit Kopfhörern, währenddessen Facebook gespamt. Dazu ein kalifornischer Chardonnay, der die Wärme von Vanille-Eiscreme hat, wenn das nachvollziehbar ist. Meiner Schwester gefällt „Take me up to the top of the city and put me on the angel´s shoulders.“
Mails aus Mexico, die den etwas breiten Kommentar von vor ein paar Tagen erläutern. Schon okay. Dann ist die Platte ein weiteres Mal zu Ende und ich geh schlafen. Und jetzt Stille, nur fern Sade aus dem Hinterhof. Der Regen hat Abkühlung geschafft. Das Heimweh-artige Sehnen nach etwas Neuem von Kate ist einer tiefen Zufriedenheit gewichen. Und ich freu mich auf den Katewalk nachher. Same procedure as 2005, nur diesmal als sundowner. See you!

KATE BUSH: DIRECTOR´S CUT – A Glam Review – oder MOMENTS OF PLEASURE, AGAIN

Wahrscheinlich klingelt es gleich und jemand von der EMI oder einer von den Fish People oder Kate Bush selbst steht vor der Tür und sagt – so geht das nicht. Release ist MORGEN!!! Und irgend ein reizender Amazon-Mitarbeiter, der vielleicht dieses Blog liest, wird einen (Fisch- oder Vogel- oder Menschen-) Kopf kürzer gemacht, aber es hilft nüscht. Der „Director´s Cut“ von Kate Bush war einen Tag vor Release in der Post und während ich dies tippe, schneuze ich noch und meine Augen sind puffy, und OMF´in G, das war eine Sternstunde eben, auf dem Bett, in der Vor-Gewitterluft, mit Kate Bush in einem Raum, denn genau so fühlt es sich an. Der Mix ist so intim, so nebenan, in einem Raum, und nicht in einer Kathedrale, sondern in einem Wohnzimmer. Vielleicht mit Kamin, wahrscheinlich mit einer angelehnten Terrassentür, vor der schwere Vorhänge hängen, so dass man das Meer, aber es könnte bei „Moments of Pleasure“ auch New Yorker Straßenlärm sein, nicht hört, aber fühlt. Auf dem Mantelpiece liegt etwas Staub, aber der gehört da hin. Rook und Toll flitzen irgendwo durch die Gänge und man sitzt und lauscht der neuen, tieferen Stimme, freut sich über den altbekannten Wahnsinn, Wagemut, die Confidence, it´s been a long time since the Wuthering, und was für einen Weg wir alle gegangen sind – keine so konsequent wie Kate. Es gibt keinen Künstler, in den ich mehr Vertrauen hätte, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun, als Kate. Was keiner erwartet hat (ein Remake). Eine nicht plattgebügelte, sondern anti-Autogetunete Stimme mit Mut zu Misstönen (Wirklichkeit!) in Zeiten, in denen sich Madonna und name-the-20-year-old-chart-bitch-that-first-comes-to-mind technisch auf Gesang hochpimpen lassen, so dass man die Leere der Texte und Kompositionen nicht mitbekommt. Nein. Kate hat, wie immer, genau das Richtige getan. Ein par Lieder, an denen ihr Herz hängt, neu eingespielt: den Digi-Pflock aus ihnen rausgezogen, sie nackt gemacht und den Nagellack entfernt. Und wie schön das ist! Und wie brilliantly crazy in einigen Fällen („Red Shoes“, „Lily“, „Rubberband Girl“) und wie martialisch emotional (die Liedfolge „This Woman´s Work“ – „Moments of Pleasure“ had me crying like a Baby. Das ist meine Platte des Sommers. Ich weiß, ich werde noch viele Tränen vergießen (gerade läuft wieder „This Woman´s Work“), und lachen, und bewundern und mich wundern, und mich freuen. Moments of Pleasure. Thank you, Kate. Thank you, thank you, thank you. (I can´t think of many other people/ things/ inspirations that have been with e since 1978. Wow: Marilyn and Kate. Und die letzten Sätze in „Flower of the Mounain“ sind die pure Essenz von Marilyn und Kate.