Archiv des Autors: glamourdick

JOIE DE VIVRE

Der Tag beginnt damit, dass Roomie mich mit Geld bewirft. Mit Scheinen, keine Sorge. Dann, wo früher das Telefon geklingelt hätte, trudeln Glückwünsche über Facebook ein. Das ist schön, weil so auch die Leute gratulieren, die sonst nicht anrufen würden, weil sie gerade in Mexico-City, Polen, San Francisco, auf Ibiza oder in Washington sind. Ich freu mich über die Grüße der über die Welt versprengten und über die, mit denen ich am Abend bei Rocco sitze, den inner circle, die besten Freunde, die ich schon länger kenne als dass ich sie nicht kenne – Herrn Strike und die Amerikanische Nachbarin. Bomec ist ja fast noch ein Newbie, drei Jahre oder so? Die Lieblingskollegin. Neuzugang Roomie ist mit dabei, und Herr Burkhard, den ich vielleicht gerade mal 10 oder 11 Jahre kenne, bringt einen neuen Mann und später kommt noch Fiona mit einer Lilie dazu, was wunderbar ist und Größe und Mut zeigt, wenn man bedenkt, dass das letzte Mal, dass ich sie sah, ich sie in Grund und Boden gebrüllt habe. Bis die Pizza auf dem Tisch steht dauert es nur zwei Zigaretten.

Zwei Wodka nach dem Essen später stapfen dann die amerikanische Nachbarin und ich über den Lausitzer Platz, tragen Lilien, Blumenstrauß, ein rosa Objekt für den Balkon, ein Marilyn-Snowie, und es ist mild und frisch, man merkt, dass der Sommer um die Ecke ist und nochmal tief durchatmet.

Und heute, so sieht es aus, ist er da, und es steht ein Wochenende ins Haus, wie es Kate Bush besungen hat, the dawn has come, and the wine will run, and the song must be sung and the flowers are melting
in the sun. Und die Rose, die jetzt noch im Büro steht – oh perfume!

Ich könnte mir gerade nichts Schöneres vorstellen.

Draußen läuten die Glocken. Vielleicht steppe ich jetzt mal out on the balcony, into a sensual world.

GLAM, ROOMIE UND DIE VANDALEN

„Dein Besuch kommt heute? Oh, dann muss ich wohl mein Zimmer aufräumen!“
„Du kannst es auch so lassen und sagen, es waren Einbrecher hier und haben vandalisiert.“
„Aber warum nur mein Zimmer?“
„Weil meine abgeschlossen waren?“

MMMMMMH? YES!

Der erste Glückwünscher war meine Lieblings-Faerie aus Neuseeland, die auch noch meinen Lieblingsnachnamen trägt. Mr. Murray gratulierte, da war es hier noch gar nicht mein Geburtstag. Aber in Neuseeland. In Neuseeland bin ich älter als in Berlin, weshalb ich mich vermutlich für Berlin entschieden habe. Europäisch pünktlich dran war der nette Herr, der mich morgen besuchen kommt. Und auf Facebook sehe ich gerade, wer die Nachteulen und wer die Frühaufsteher sind. Unter beides fällt Roomie, der wahrscheinlich drei Mal durch die Stadt geflitzt ist, um ein Glam-Päckchen zu schnüren, das das geliebte Ibiza-Salz, Swiss Army Chocolate und ein spaciges Wein-Öffner-Set beinhaltet, mit dem man auch binnen kürzester Zeit eine treffsichere Lobotomie performen kann, ohne groß Schmutz zu machen. Eigentlich fehlte nur eine Diamanten-Tiara, aber der Tag ist ja noch jung.

Meine Nachtlektüre gestern war eine Investigation in den Tod Marilyns, akribisch sämtliche „verlässlichen“ Quellen sezierend, ich bin beeindruckt von der detektivischen Arbeit, die eigentlich die Aufgabe eines jeden Biografen gewesen wäre – hier bemühen sich die Leser der Biografien, endlich Klarheit zu schaffen. Das Buch kam aus dem Westen der Republik, von der Porno-Queen, und ja – ich mach eigentlich immer manchmal Geburtstagspäckchen vor meinem Geburtstag auf. Aber ich verrate es den Schenkern nicht, falls irgendwer religiös ist. Meistens.

Mein erstes Lied war NICHT „Moments of Pleasure“. Mein erstes Lied am 1. Juni war „Flower of the Mountain“. Perfume, yes! Jetzt singt gerade Marilyn.

Die erste heute an mich gerichtete Frage war, „Wo kann man um diese Uhrzeit Poppers kaufen?“ Die habe ich so noch nie gehört und deshalb schreib ich sie hier auf. (Ich konnte sie nicht beantworten, aber ich lieh ihm meins mit der Bitte, nicht alles aufzubrauchen.)

Für die kleinen Monster im Office gibt es nachher Marshmellows, Toffifee, Schokolinsen, Ritter Sport Mini – die Sommeredition – und paar Flaschen Cremant und wo ich heut abend Essen geh weiß ich noch nicht, aber mit draußen sitzen ist ja wohl nix – egal, das gute Wetter hatte ich eh für Freitag beantragt.

(Wer hätte gedacht, dass das älter werden ab 2008 immer noch Spaß machen könnte? Ich sicher nicht. Und wie froh ich bin, dass ich mich manchmal selbst überraschen kann. )

Und jetzt muss ich ein bisschen Marilyn huldigen. Und steck mir eine Rose ins Haar, wie die Andalusierin. Und trage… Rot? Oh, Perfume…

CRASHERDICK

Fahr ich also die Pflügerstraße runter, bremse bisschen ab, aber auch nur ein bisschen, aus der Hobrecht kommt eh nie einer von rechts, ich seh auch jetzt nix, aber plötzlich seh ich doch, und zwar sehr schnell und trete tieeeeef in die Bremse und seh den Wagen auf mich zuschießen, den entsetzten Blick des Fahrers und spüre innerlich schon den Crash, Metall auf Metall, bei diesem Tempo sicher auch Glas, viel Glassplitter, Wirbelsäule schockiert, Totalschaden und wie durch ein Wunder, es ist ein Wunder, man hätte es von oben filmen müssen, die Wagen kommen zu stehen, aus dem Fahrerfenster schaut mich der blonde Typ an, mit aufgerissenen Augen, ich hebe die Arme, die Hände hoch, „Sorry“, er prustet, schaut aus dem Fenster, nach unten links, schaut mich an, hebt die Hand ins Fenster und deutet mit Daumen und Zeigefinger den Abstand zwischen den Wagen an. Weniger als 1 cm. Er lacht. Ich lache. Dann setzt er seinen Wagen wieder in Gang, fährt an, bleibt noch einmal kurz stehen.
„Allllta, ey. Mann. Geil, ey!“

WE ARE GLAMILY

„Jetzt haben sie in der Au-Pair-Wohnung erstmal den jungen Franzosen einquartiert, der die Gruppe beim Schüleraustausch begleitet hat. Der hat sich wohl in einen jungen Mann hier verliebt und bleibt erst mal hier.“
„Wow. Wie geil ist das denn!“
Und dann denk ich noch ein Wort, das ich sonst nie denke und ich meine es im besten Sinne. Christlich.

Liebe Schwester,

Als Du mich vorgestern in den Arm genommen hast und mich gedrückt hast, da hast Du mir zu spüren gegeben, dass ich Willkommen bin. Du hast da eine Größe bewiesen, die ich vermutlich nicht hätte. Ich wäre nachtragender. Ich habe mich in den vergangenen Tagen sehr sehr wohl aufgehoben gefühlt. Es war fast ein bisschen wie nach Deiner Hochzeit, da herrschte eine so wunderbare Stimmung, ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das auf alle abgestrahlt hat, ich musste heulen, als ich damals abgereist bin. Und auch vorhin saß ich im Auto, wehmütig, aber auf eine gute Art und Weise, und dachte, was für einen Zauber der gestrige Tag hatte, und habe mich gefreut, was für gute Menschen Du um Dich hast – Freunde und Verwandte. Von den Kindern ganz zu schweigen, außerordentlich fantastische Charaktere, jeder eigen, und jeder mit seinem besonderen Platz in der Familie.

Als kleines Kind will man immer sein wie die anderen. Als nächstes will man sein wie das größere Geschwisterkind, man ist ein wenig neidisch, eigentlich ist man aber voller Bewunderung und Hochachtung. Ich bin ganz froh, sagen zu können, dass ich nicht neidisch bin, weil alles, was Du hast, hast Du Dir verdient und es ist Deins. Aber was ich noch habe, dass ist Hochachtung vor Deinen Fähigkeiten und der Art und Weise, wie Du Dein Leben eingerichtet hast und wie Du das Leben der Menschen um Dich herum prägst. Was Ihr für den jungen Franzosen tut, oder wie Ihr Euer Haus für die Familie des zweiten Konfirmanden geöffnet habt – und wie die Harmonie sich ausgebreitet hat, das sprengt meinen Adjektiv-Wortschatz, das ist schlicht großartig. Ich danke Dir für ein Wochenende voller Sternstunden. Ich Danke Dir dafür, dass Du bist wie Du bist. Wenn ich sagen würde, dass ich stolz auf Dich wäre, dann würde das bedeuten, dass ich etwas damit zu tun hätte, wie wunderbar Du bist. Aber das ist Dein eigenes Verdienst. Aber ich kann sagen, dass ich stolz bin, Dein kleiner Bruder zu sein. Ich hab Dich lieb! Happy birthday.

V.

28.05.2011

Gestern nochmal die Baekelands besucht. „Savage Grace“. Den Film überraschenderweise gemocht, trotz seiner vermasselten Konstruktion.

Now off to Harz Mountains, wo mein Neffe konfirmiert wird und wo die Boote eingelagert sind. Herr Strike, Herr Skailight, Herr Spango – are you ready for boating next weekend? Der See ruft.

6

Wieso habe ich eigentlich immer angenommen, mein erster Blogbeitrag sei am 28. Mai 2005 online gegangen? Am 27. Mai 2005 war´s. Oops. Und Wow.

gb
(G. Barris, July 1962)

In sechs Jahren hat sich das Blogverhalten doch sehr verändert. Nicht meins. Noch nicht. Ich schreibe vielleicht mit etwas weniger Sendungsbewusstsein. Aber nach wie vor gern, es ist mein Morgenritual, auf das ich auch gern zu anderen Tages- und Nachtzeiten zurückgreife. Manchmal nach wie vor seltsam, so vieles zu teilen und in den öffentlichen Raum zu stellen, wo die Anonymität längst verjährt ist. Aber immer dem Credo rechts oben verpflichtet. Hope you enjoy yourselves here as much as I do. Thanks for stopping by now and then.