Archiv des Autors: glamourdick

GLAM EXPERIENCES THE WORKINGS OF THE HUMAN HEART

Und wenn einem die Worte im Hirn explodieren, dann geht man soweit und liest sein Horrorskop bei Michael Lutin.

„Love is bound to be the issue at hand this month, as Saturn changes direction from retrograde to direct. Deep, lasting, abiding love. Love that is separate from adolescent visions and silly fantasies about romantic attachments. It’s dangerous, however, to let yourself go, no matter how you long for such an attachment. Everything in your solar horoscope currently shows that your urge for self-expression is becoming greater than any shyness, reticence to expose yourself or protect yourself from hurt. This is a mark of your courage and growing ability to act, perform, reveal your innermost feelings and experience the workings of the human heart.“

Hätte ich vielleicht vorher lesen sollen. Und, wie immer, hat er Recht.

IOWAKA

Das letzte Mal haben wir uns vor 20 Jahren getroffen. Davor haben wir uns auch ca 10 Jahre nicht gesehen. Aber irgendwie wird eine Austauschschülerin, die 1983 ein paar Wochen in der Familie lebte, auch ein Familienmitglied, und es war ein wunderschöner Nachmittag, an dem wir uns berichten konnten, wie wir erwachsen wurden, welche Verläufe unsere Karrieren genommen haben, was wir uns und einander für den weiteren Lebensweg wünschen. Zum Beispiel: den Kontakt aufrecht zu erhalten. Glam hat heut gar nix über Facebook zu meckern, und zu verdanken ist alles dem wunderbaren Patenind, das vor wenigen Monaten mal einfach den Namen dort gesucht hat und den Kontakt herstellte – „You don´t know me, but you know my mum.“

GENTRIFICATION BEGINS AT HOME

Ich arbeite immer noch den Geschenkestapel ab – neben der Marilyn-Investigation „Tell all“ von Chuck Palahniuk, das mir der Herr Spango trefflichst auswählte und das sich liest, als habe man ein Glam-Manuskript dem Spango zum drastischen Überarbeiten überreicht. Das DVD-Programm wechselt sich sehr farbenfroh ab. Cylonen und Kate Jackson, anarchische Söhne, „Black Swan“, Hitchcock und natürlich auch Bruce Boxleitner. Gestern lieh mir Herr Strike „District 9“ und ich war angenehm überrascht. Eine wirklich originäre Geschichte, sehr unterhaltsam, sehr sick. Als nächstes auf dem Programm die skandinavischen Krimis. Aber noch immer lese ich über die letzten Tage in Marilyns Leben, ein bizarres Unterfangen, zwei Tage, aufgefächert auf 500 Seiten, eines der ungewöhnlichsten Lese-Erlebnisse des Jahres. Sehr berührend. Auch wenn das Geheimnis nicht aufgelöst wird – das Buch verfolgt durch die häufige Wiederholung und Gegenüberstellung von Fakten so etwas wie kulturelle Trauerarbeit für eine der größten Ikonen des 20. Jahrhunderts.

Das kontrastreiche Entertainment-Programm in Kombination mit smouldering temperatures im Office führte dann zu seltsamen Träumen, Tante Rosa war wieder da und ich nahm sie fest in den Arm. Um 6 von den lästigen Meisen geweckt und ihnen die Vogelgrippe an den Schädel gewünscht. Bei den Umbauarbeiten in der Wohnung unter mir hatte es geklappt. Oder sie waren auf einmal einfach fertig mit der Kernsanierung. Die Wohnung, genau so groß wie meine, allerdings ohne Balkon, kostet jetzt 200 Euro mehr als die ehemalige Glamourdick Mansion, die mittlerweile eher Glam Gardens gleicht. Bin gespannt, ob Mlle Modeste eine meiner legendären Parties in Marzahn besuchen wird. (Oder doch ein apartes Dorf im Umland, wo noch rechtschaffen gelyncht wird?)

14.6.11

Hatte völlig vergessen, wie Kinder sind. Und es hat ne Weile gedauert, mich auf die Energie einzulassen, aber dann festgestellt, dass das kein fremder Planet ist, sondern eine Frequenz, die auch noch bei mir abrufbar, eigentlich sogar schrecklich präsent ist. So trage ich heute mein Peter-Pan-Shirt mit stolzem Pathos. Oder pathetischem Stolz. Geht beides.

Und eigentlich müsste ich heute wieder auf den See, der See macht so gute Oberarme.

ASK BOBBY KENNEDY

David Marshall: „The DD Group: An Online Investigation Into the Death of Marilyn Monroe“

barris
(Pic: G. Barris, Sommer 1962, ca 5 Wochen vor ihrem Tod.)

Es hat sich tatsächlich jemand die Mühe gemacht, die sich eigentlich jeder Biograf machen sollte. Nämlich: die Fakten sammeln, bzw. die Darstellung der Fakten, da Zeitzeugen kaum noch vorhanden sind. Diese Fakten akribisch gegenüber zu stellen. Abzugleichen. Die Urteile von Zeitzeugen heraus zu streichen, bei denen man nicht sicher sein kann, ob sie tatsächlich etwas bezeugten oder sich nur im Glanz eines schrecklichen Dramas sonnen wollten, damit etwas düsterer Glitzer auf sie abriebe – Jeanne Carmen, Ted Jordan usw. Herausgekommen ist eine 500seitige Abhandlung über die letzten Tage von Marilyn Monroe, und auch wenn nicht wirklich lückenlos geklärt werden kann, was in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962 geschah, die sorgsame Annäherung an den letzten Tagesablauf lässt viel weniger Interpretationsmöglichkeit als jede bisher veröffentlichte Biografie. Wie kann das sein?

Eine Gruppe von Fans (also Leute, noch versessener als ich – Menschen, die wirklich ALLES über sie gelesen haben), die sich in einer Online-Community mit Marilyn befasst hat, beschloss, alle Fakten zusammen zu tragen. Den Tagesablauf, in Zeitfenster sortiert, zu rekonstruieren. Die Quellen der Biografen auf Verlässlichkeit zu hinterfragen, was eigentlich die Aufgabe eines jeden Biografen und Folge-Biografen sein sollte – allen voran Biografen, die nichts anderes tun, als Celebrity-Biografien zu verfassen und Rechercheure für sich in´s Feld schicken, oder sich nicht einmal die Mühe machen. (Spoto. Leaming.) Die „Ich war der letzte, der mit Marilyn telefonierte“-Behaupter zu eliminieren. Und so entsteht ein ziemlich verlässliches Bild der letzten Stunden.

Waren es die Kennedys? Zumindest war Robert Kennedy am Nachmittag bei ihr, auch wenn dessen Biografen dem widersprechen. Der Autopsiebericht, der so viele Fragen aufwirft, ist in der Tat fragwürdig, wenn man bedenkt, dass eine weltberühmte Schauspielerin viel zu früh verstarb, die mit dem bedeutsamsten Politiker ihrer Zeit zu tun hatte und noch dazu in einer korrupten Stadt wie Los Angeles lebte. So wundert es mich vielleicht nicht, dass Marilyn an ihrem letzten Lebenstag nichts gegessen haben soll, aber die Abwesenheit von Blutalkohol bei einer vermeintlich medikamentenabhängigen Alkoholikerin macht mich stutzig.

Ihr vorletztes Telefonat führte sie übrigens mit Joe Jr., ihrem Stiefsohn aus der Ehe mit Joe DiMaggio. Eine knappe Stunde später versuchte sie, ihren besten Freund, „ihre Schwester“, den Masseur Ralph Roberts zu erreichen, bekam aber nur seinen Telefondienst. Aber selbst dies ist nur Spekulation, denn die Anruferin mit der „slurry“ oder „fuzzy“ voice, hatte ihren Namen nicht genannt.

Wenige Stunden später fand in Marilyns Bekanntenkreis ein Telefon-Ping-Pong statt, in dem das Gerücht laut wurde, sie habe überdosiert. Veranlasst durch ein Telefonat, das sie mit dem Schwager des Präsidenten, dem Schauspieler Peter Lawford gegen acht Uhr abends geführt hatte.

Die Tatsache, dass in ihrem Mageninhalt keine Medikamentenreste gefunden wurden, die die hohe Chloralhydratkonzentration im Blut (8mg% entspricht 40-50 Tabletten) erklärt, legt die Vermutung nahe, dass ihr der Magen ausgepumpt wurde. Der Gerichtsmediziner widerspricht. Er habe keine Spuren für den Einsatz einer Magenpumpe gefunden. Bliebe die Möglichkeit einer Spritze. Marilyn war kein Junkie. Sie selbst hätte sich keine Spritze verabreicht. Und auch, was Einstichwunden angeht, versichert der Gerichtsmediziner, sei er nicht fündig geworden. Am Wahrscheinlichsten ist, dass man sie gegen 22 Uhr leblos auffand, Versuche unternahm, sie zu reanimieren, scheiterte. Daraufhin überlegte, welche Auswirkungen ihr Tod haben würde, insbesondere angesichts des Besuches von Robert Kennedy am Tag ihres Todes. Sich die Zeit nahm, Kennedy aus Los Angeles auszufliegen, und so erst viele Stunden nach ihrem Tod, am Morgen des 5. Augusts um 4.25 Uhr, nachdem Rück- und Absprachen zumindest unter Anwälten, Angestellten, Agenten, Pressesprechern, Freunden und Bekannten getroffen wurden, die Polizei alarmierte.

Was allerdings immer noch nicht beantwortet, weshalb und wie Marilyn sich vergiftete oder vergiftet wurde. Ich möchte, dass es ein Unfall war. Ich will mir nicht vorstellen, dass sie perspektivelos in ihren frisch bezogenen Haus saß, das Schlafzimmer noch eine Baustelle, und befand, es sei nun alles vorbei, weil die Kennedys sich von ihr distanzierten. Vielleicht hatte sie die Spritze vergessen, die ihr ihr sorgsamer Psychiater am Nachmittag, nach Kennedys Besuch, gegeben hatte (die seltsamerweise kein Einstichwunde zur Folge gehabt haben soll?) und darauf ein paar Pillen zuviel eingeworfen. „Ask Bobbie Kennedy“ hat der Psychiater geantwortet, wenn jemand von ihm wissen wollte, was da in der Nacht vom 4. auf den 5. August wirklich geschehen ist. Das geht nun nicht mehr. David Marshall und sein Team haben das wirklich Beste getan, was 40 Jahre später noch möglich ist, die Geschehnisse zu rekonstruieren. Dass man davor den Hut ziehen muss ist eigentlich tragisch, denn solche Sorgfalt hat Marilyn verdient. So müssen Biografen arbeiten. Alles andere ist Pfusch.

Oh, Pat Newcomb, wie gerne hätte ich ein Gespräch mit Ihnen.

MARILYN IN CHICAGO

Anlässlich der Fotosession hat sie immer auf ein Glas Champagner aus einer frisch geöffneten Flasche insistiert. Der Rest war für die Crew.

kreiner

Mein Favourite, ein Little Edie-Moment:

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Quelle: Zeit-Magazin. Foto: Manfred Kreiner. Ausstellung im Einstein unter den Linden noch bis August.

PENNIES FROM HELL

Gestern Mittag die absurdeste und lustigste aller Panikattacken gehabt. Der übliche Ort – Supermarkt, Schlange. Drei Leute vor mir, viele mehr hinter mir, und auf Hüfthöhe eine Stimme.
Kleiner türkischer Junge, der es nicht gelernt hat, Abstand zu halten, man bringt es ihnen nicht bei, müssen Sie mal drauf achten, wenn Sie ein Mutter-Sohn-Team im Supermarkt treffen: Mutter ratlos an einem Regal, Sohn mitten im Gang oder distanzlos drängelnd in der Schlange, meist mit Accessoire Schokoriegel o.ä., wie gestern. Egal – Stimme von unten: „Darfisch ma vor, ey?“
„Nö.“
Fassungsloser Blick unten. Panikattacke oben. Wahrscheinlich, weil die Umstände so albern waren, war die Attacke runtergefahren, kaum dass ich im Auto saß. Was normalerweise 20 Minuten dauert, funktionierte hier in 5. Und die Trigger-Kombi war so leicht zu lesen: Geld, Schlange, böser Junge (nicht ich). Mit bösen Jungs fing alles an, da war ich in dem Alter wie das Kind gestern, die Angreifer kaum älter. Und gestern hab ich mich gewehrt, „Nein“ gesagt. Kleiner Schocker für die Seele. Das mach ich jetzt öfter. Mütter, erzieht Eure Kinder gut! Sonst setzt´s eine Tracht Glam. Horror-Kinder sind nicht umsonst ein strapaziertes Sub-Genre des Fantastischen.

(Panikattacke und lachen müssen ist so ähnlich wie lachen und weinen gleichzeitig. Kommt sehr sehr selten vor, aber hat etwas Befreiendes.)

PAROLE GLAM

Auf dem Weg zum Penny läuft mir Martina über den Weg. Ich weiß nicht, ob sie Martina heißt, aber habe so ein Gefühl. Genau so, wie ich mir ihr Leben sehr gut vorstellen kann, ohne auch nur zu wissen, wo in der Nachbarschaft sie wohnt. Ich kannte mal den Namen ihres Hundes, sie den meines Pflegehundes – wir hatten die gleiche Parkzeit, morgens kurz vor 10 im Görli. Sind dann gemeinsam durch den Park, die Hunde in Rudeln, sehr harmonische Vormittage waren das, bei jedem Wind und Wetter, Du kennst die Namen der Hunde, aber nicht die der Besitzer.
Sie streckt mir die Hand entgegen, ich schüttele, „Na wie geht´s Dir“ und „Ach, war das schwül die letzten Tage“ und „Ist das nicht ein Prachtwetter heute?“ und nur ein paar Sätze, und dann geht man weiter. Sie hat keinen Hund bei sich, ich auch nicht, wir sprechen einander nicht drauf an. In solchen Momenten kommt mir die Stadt vor wie von Kästner geschrieben, bei ihm wäre das alles natürlich pointierter, hier gibt es keine Pointe, aber es fühlt sich an, wie das Berlin, in der man jeden zweiten Passanten und seine Lebensgeschichte kennt, und nicht wie eine erschreckende Großstadt, in der man am Ubahnhof verprügelt wird oder sich um Beischlafdiebe Sorgen machen muss. „Iss keine Pralinen,“ schrieb Frau K. meiner Freundin Anke eine Notiz bei einem ihrer ersten Berlin-Aufenthalte – „sie könnten gefüllt sein.“ Und nach der „Lyrischen Hausapotheke“ habe ich nun große Lust auf „Emil und die Detektive“.

GLAM BRAUCHT LICHT

Oops, das Tryptophan ist alle. Alles ist alles ist alle. Dann versuch ich´s doch mal ohne. Aber der Tag rächt sich, indem es eigentlich gar nicht Saison ist, aber das haben die Kunden gerade nicht wahr, es ist auf einmal Saison in der Nicht-Saison. Zu Hause dann eine undeutbare Abschott-Stimmung, die ich beidseitig vermute, dann grenze ich das wieder ab und schaue einen Hitchcock. Ich sag nicht, welchen. Währenddessen kommt mir ein Verdacht: da ich ja eine Schlampe bin, kann es durchaus sein, dass noch irgendwo eine Palette Tryptophan rumfliegt. Ich durchsuche Taschen, Schränke, Schubladen und am Ende sogar die Tryptophan-Packung, in der sich tatsäschlich noch eine 3-Tages-Ration befindet. So schlampig kann ich also gar nicht sein, wenn die Tabletten genau an ihrem Zuhause lagern. Ich pfeif mir eine rein und warte auf den ganz ganz leichten Buzz. Er kommt. Alles wird ein bisschen besser und so bestelle ich eine neue Klinikpackung – modisch vom Ipod bei Ipill.de, während ich Joan Fontaine ziemlich bewundere. Spät klopft´s an der Tür und Roomie und ich vergleichen bei Wein und Zigaretten die vergangenen Tage. Ich erkläre ihm das Prinzip Abgrenzung.

Manche Sachen nimmt man mit nach Hause und das ist okay. Manche Sachen nimmt man mit nach Hause, aber man darf sie nicht mit ins Zimmer nehmen. Man muss sagen – Du bleibst im Flur. Oder in der Küche. Der Kühlschrank ist voll. Dann aber wieder gibt es Sachen, die kann man ruhig mit ins Zimmer nehmen, aber sobald die das wissen, da wollen sie lieber auf dem Flur bleiben. Oder der Küche. Oder erst gar nicht mit die Treppen rauf. Das kommt alles mal vor. Das muss man dann irgendwie korrekt handhaben und wenn man gut ist, und mit ein bisschen Glück, dann findet man die Sachen da, wo sie hingehören.