Gestern rumexperimentiert und kleine Handy-Filmchen gedreht, die als Vorlage für einen Amazon-Trailer dienen sollen. Dabei sehr schönes Haus entdeckt, das genau meinen Vorstellungen von Ashby House entspricht. Festgestellt, dass ich keine vernünftigen Print-Vorlagen von Gargoyles besitze. Hat jemand einen Bildband, den er mir leihen kann?
In der Nacht dann von meinen Protagonisten geträumt. Es war sehr schön, mit ihnen mal zu reden. Auch die beiden entsprachen meinen Vorstellungen. Sehnsucht, wieder mit ihnen zu arbeiten.
Je länger ich darüber nachdenke, „Self Control“ passt als Lied für das Herz eines Roman-Projekts doch gar nicht so schlecht. Danke für den Vorschlag, Herr Spango. Obwohl es ein etwas schäbiges Lied ist, das ich immer mit dem Edeka in der Pannierstraße verbinde. Setting ist schließlich kein Spukhaus, nur ein Supermarkt. Aber, wenn wir schon bei schäbbigen Liedern sind – „I´m not scared“, die Hymne jedes Bloggers mit einer generalisierten Angststörung, würde auch gut passen. „You´re life´s a mystery, mine is an open book. If I could read your mind, I think I´d take a look – I´m not scared. (…) I know these dogs still snap around me, but I can, I can fight.“ Ich hätte gern eine schöne Akustik-Fassung davon.
Aber es ist zu früh, Lieder für den nächsten Roman zu suchen, eigentlich müssten die Lieder von allein zu mir kommen, ich glaube, erst dann kann es losgehen, zumal der Verlag erst einmal die Vorbestellungen für „Ashby House“ abwarten, tendentiell eher beim New Gothic bleiben möchte, und ein wenig Scheu vor echtem Horror hat. Try walking in my shoes, denke ich manchmal, meine es aber nicht böse. Zwischenzeitlich war „Dog days are over“ ein Kandidat, der allerdings wackelte und fiel, because they aren´t, und außerdem muss mir auch die Sängerin sympathisch sein, also vielleicht dann doch Patsy Kensit. Sind immerhin auch Hunde drin.
Und irgendwann hab ich nur noch 30 Seiten vor mir und leise Panik meldet sich an. Was tun, danach? Ein neues Buch anfangen geht nicht, dazu ist „Water for Elephants“ zu gut, dazu ist die Atmosphäre zu einzigartig, etwas verwandtes gibt es nicht, und ich kann darauf keinen Krimi folgen lassen. Andere Menschen machen Aktivitäten, an sich schön, aber das muss/kann/will ich gerade nicht. Ich brauche eine Verschnaufspause. Der Nachteil dieser Pausen bzw. Rückzüge ist, dass ich das Soziale verlerne, auch in der Wohnung die Tür hinter mir zumache. Zumache. Der Montag ist dann immer gefährlich, da gehe ich schon nervös aus dem Haus.
Für das Straßenfest hatte ich dann doch keine Energie. Ich bin nicht gerade auf Boyfriend-Suche, vielleicht nachvollziehbar, und alte Bekannte wollte ich auch nicht treffen. Stattdessen habe ich mir eine Dauerberieselung „Parenthood“ gegeben, fast die ganze Staffel, zuvor, solang Sonne war, draußen gesessen mit dem Elefanten-Buch. Gerade als ich berieselt genug war, schlafen zu gehen, erklang in „Parenthood“ „Freely“ von Devendra und das weckte mich nochmal, und es ging in eine Runde What-ifs, die ja zwangsläufig sind, wenn man das Glück hatte, jemandem über den Weg zu laufen, der passte, und dann ging es aber doch nicht. Vielleicht, wie wenn man von einem Auto überfahren wird und noch ein paarhundert Meter weit mitgeschliffen wird. Möglicherweise war dieser Gedankenflug auch ausgelöst von der aufblasbaren Schildkröte, die in „Parenthood“ im Pool trieb und auf der sonst der Herr sitzt, wenn er bei mir anruft und sich auf dem Telefon displayt.
Vor ein paar Wochen hatte ich noch ein sehr gutes Gefühl – als langjähriger Single schien mir eine Fernbeziehung der perfekte Neueinstieg. Dass es jemand war, der mir durch sein Schreiben schon vertraut war – ein deutlicher Pluspunkt. Hinzu kam die Erfahrung, die man gewinnt, wenn man mit jemandem, den man mag, eine Wohnung teilt. Ich habe dank Roomie viel gelernt und dachte, ich sei vorbereitet, mich auf etwas einzulassen, was sich sehr unvorbereitet und überraschend ergeben hatte. Nähe.
Es wäre ungerecht, dieser Liebelei nicht ein bisschen nachzutrauern, auch, wenn die Beteiligten sich nicht aus dem Weg verlieren werden. Die bodenlose Depression der ersten Tage ist vorbei, ziemlich schnell habe ich den richtigen Kurs für mich gefunden, mit dem geringsten Schaden daraus hervor zu gehen.
Jetzt bin ich versucht, kitschige Lieder zu posten. Aber ich beschränke mich auf eins. Und wenn Sie dachten, das Credo rechts oben stimme nicht, ich schäme mich schon ein bisschen, eine Single der Kelly Family zu besitzen, aber, well, it´s true. Damit ich nicht in Selbstmitleid* zerfließe, überlasse ich das Mayte, sie macht das viel schöner als ich.
Ist eigentlich gar kein Selbstmitleid in dem Clip. Mehr so ein Befehl ans Universum.
Ich finde das gerade sehr schön, wie Sie alle inne und den Mund halten. Das ist eine Form von Netiquette, die Sinn macht, unter den Umständen. Ich hatte nicht lange überlegt, ob ich die Trennung hier öffentlich mache oder nicht. Wenn man so ein Verarbeitungstool hat wie ein Blog, dann wäre es ungesund, dieses nicht zu nutzen.
„Sie nutzen Ihr Blog auch zum Verarbeiten?“ fragte Heidi am Donnerstag, eigentlich rethorisch, und fügte hinzu „Und was bedeutet es Ihnen noch?“
„Ich schreib das ja nicht nur. Ich les das dann ja auch. Und das fühlt sich gut an. Ich denk, gerade in der letzten Zeit, das ist ein guter Typ, dieser Glam.“
Das dachte wohl auch ein Mensch in einer kleineren niedersäschsichen Ortschaft, der, angelockt von einem Link von Herrn Strike, einen netten Abend mit der Lektüre meiner Darkroom-Erlebnisse vom vergangenen Jahr verbrachte und sich währenddessen durch das Fotoalbum „Glam“ klickte. Ich bin stolz und froh, nun auch endlich von mir behaupten zu können, ein Wichsvorlagenblog zu betreiben! (Ich kann den Statcounter nur empfehlen, man erfährt so einiges über seine Leser und deren Interessen!)