Archiv des Autors: glamourdick

HEY, NOSTRADAMUS

„And in his heart, I think, he´s now learned what I came to believe, which is, as I´ve said all along, that the sun may burn brightly, and the faces of children may be plump and achingly sweet, but in the air we breathe, in the water we drink and in the food we share, there will always be darkness in this world.“

Douglas Coupland

ALDONZA

„Der Mann von La Mancha“ – zweifellos einer der schlimmsten Filme, die je gedreht wurden, ganz klar in dem Bereich „The Wiz“ und „Jesus Christ Superstar“, trüb, graubraun, schwerfällig, trist und ermüdend (Berliner Schule? Nein. Es wird nicht gekokst.), aber für diese drei Minuten, zugegeben, selbst die sind statisch und einfach grottig inszeniert, von Make-up und Haaren ganz zu schweigen, hat er einen Platz in meinem Herzen.

EIN ELEFANT FÜR DICH

Ein großer Grauer rechts im Bild. Auf dem Gendarmenmarkt, direkt neben mir. Dann legt er sich hin (fällt?), ich geh an ihm vorbei und sehe, dass er eine dicke runde Schusswunde hat. Wir schauen uns an, ich schau nochmal die Wunde an, bestürzt, stelle dann aber fest, dass es sich um einen Türspion handelt und bin ein bisschen beruhigt. Nicht mehr beim Aufwachen.

Natürlich bin ich selbst der defekte Elefant. Und der muss sich gerade mal hinlegen und ausruhen. Ich würde ihm einen ruhigeren Ort dafür gönnen, als ausgerechnet den Gendarmenmarkt, aber mein Unterbewusstsein wird sich was dabei gedacht haben. Wie viel turmoil das in kurzer Zeit war, das registriere ich erst jetzt. Ich werde zusammengehalten aus Lehren der Verhaltenstherapie, wenn ich die nicht hätte, würde ich aufribbeln wie ein alter Strickpulli. Das merke ich erst jetzt, beim Schreiben und bei der Unfähigkeit, meine Protagonisten in ein Bild zu kleiden, das nicht dem meines inneren Trümmerfeldes gleicht, und ich meine jetzt gar nicht die Horrorelemente der Geschichte – fiel schwerer fällt es mir, den beiden einen Alltag zu schenken, der ihnen gerecht wird. Die stehen jetzt rum, scharren mit den Hufen und schauen mich vorwurfsvoll an.

MOWGLI

Hound of Love im Traum erschienen. Er hat kein Wort darüber verloren, dass sein Erscheinen im nächsten Roman drastisch herunter geschraubt werden muss. Aber angemerkt hat man´s ihm, dass er ein bisschen pissed ist. Seine Augen waren wie im Buch, aber sein Fell war stumpfer. Das erklärt sich wohl mit der Gesundheit seines Shapeshifters.

Irgendwie seltsam, dass auf der „Hounds of Love“ „Running up that hill“ der Opener ist und danach die „Hounds of Love“ folgen. Logisch wäre es andersrum. Sie wird sich was dabei gedacht haben.

Die erste Stunde auf dem See allein und mit Bernadette Peters im Ohr. Ungewohnt, so ohne Herrn Strike, aber es hatte wohl genau so sein sollen, denn in der quasi-Stille fielen noch ein paar Groschen und bildeten einen anschaulichen Batzen. Hinzu kamen dann noch weitere, später am Abend. Und vor ein paar Tagen dachte ich noch, das Buch hat noch kein Lied. Hach.

9./10.7.11

Wir sind kaum an unserem Spot auf dem See angekommen und die Erholung setzt ein. Selbst das Rudern strengt nicht an, nicht einmal mit Bomec im Schlepptau, der Paddelbruch erlitten hat. Dösen auf dem Wasser, Reden und gemeinsam auch entspannt schweigen können, sich im Wasser treiben lassen, dann der Weg zurück ziemlich zügig, angetrieben von Donnergrollen überm Wald.

In 4 Tagen Urlaub kaum gelesen, nur Projektbezogen, es geht gerade gut ohne Fiktion, abends dann irgendwas Anspruchsloses*, weil im Kopf die eigenen Figuren spuken. Wo hole ich sie ab? Eigentlich weiß ich die Antwort, aber dann ist da auf der anderen Seite die Idee, ein Action-Hero-Couple zu entwickeln, aber mal schauen, kann ja auch, ist nur ein längerer Weg für die beiden, da hin zu kommen.

Und heute nochmal See.

* Mit Ausnahme der wirklich wunderbaren Doku über Neumaier und Nijinski auf 3sat. Da hat sich die GEZ mal gelohnt.

RUSALKA

Was Oper und Klassische Musik angeht, bin ich ein extrem lernfauler Autodidakt. So muss ich gestehen, gestern zum ersten Mal eine Oper komplett durchgehört zu haben, und das eigentlich auch nur aus Recherchegründen. Ich kann nicht behaupten, Blut geleckt zu haben. Das Libretto hat ein paar hübsche Zeilen, verborgen in einem ansonsten oft unfreiwillig komischen Text. Ich fühlte mich manchmal erinnert an erste Theaterausflüge mit der Schulklasse, wo dann so hysterisches Massengelächter ausbrach, das es den Schauspielern nicht leicht machte, ihren „Lear“ über die Bühne zu bringen.
Die Nebenfiguren sind eindimensional, einige der Hauptfiguren in der Charakterzeichnung völlig unschlüssig. Die musikalische Wucht balancierte das allerdings wieder aus. Und ich werde auch nie ein Freund hochgeschraubter Sopranistinnenstimmen, ganz gut gefallen hat mir der Alt der Waldmutter, da musste ich wenigstens nicht ständig im Libretto nachlesen, um zu verstehen, was da gekrischen wird, was auch eine lustige Erfahrung war, denn bei dem Libretto, das mir vorlag, handelte es sich um eine andere Übersetzung als die der Aufnahme.

Nach der Hochkultur, weiterem Feilen am Prolog und anderen Recherchen brauchte ich dann eine fette Dosis Schmalz und schaute mir einen dreistündigen Film mit Jaclyn Smith an. So ist sicherestellt, dass ich nicht alte Frauen auf der Straße mit „WAAAALDMUTTARR“ ankreische.

RETURN OF THE SLASHERS

Nach zwei Tagen draußen heute gar nicht undankbar für´s schlechte Wetter. Den Prolog geschrieben und er flutschte. Jetzt Telefon kaufen, Rusalka abholen, weiterschreiben. Wie kann man sich besser erden/ wässern für so ein Projekt als auf dem See?

SEE THOSE TREES BEND IN THE WIND

Selbst überrascht, wie sich das alles aushalten lässt. Wird man im Alter besser im Ertragen oder ist das ein Denial-Modus und das dicke Ende wartet irgendwo um die Ecke? Ich glaube, die bevorstehende Veröffentlichung des Buches und die (Vor-)Arbeit am neuen sind Stabilisatoren. Nicht einmal Ablenkung, weil Erlebtes natürlich immer einfließt, keine Angst, nicht autobiografisch, aber wenn einem die Klaviatur der Gefühle erst ein paar mal richtig durchgeorgelt wurde, dann lernt man die Klangfarben besser zu beschreiben.

Ein bisschen Rubberband-Boy sein ist nicht schlecht, den Gefühlen keinen Widerstand bieten. To accept the things you cannot change, to change the tings you can. And you know blah blah blah.

Wie wichtig der See ist, weiß er gar nicht. Muss er auch nicht, den wird´s noch lange nach mir geben. Da zu floaten, exponiert und doch isoliert, mit den Richtigen Menschen auf dem Boot nebenan, das fühlt sich so absolut an. Gestern erst sind aus der Entspannung heraus Ideen gereift, im Gespräch vermittelt man ja nicht nur dem Gesprächspartner etwas, sondern auch sich selbst. Und eigentlich ist mir erst seit gestern klar, warum ich Fantastische Literatur schreibe. Weil Gefühle manchmal so groß sind, dass sie das Ausdrucksvermögen auf eine harte Probe stellen und es nicht reicht zu beschreiben „die Protagonistin fühlt sich gerade vom Leben bedrängt“. Da kann man ein größeres Bild malen, und es mit dem Bedrängen mal so richtig krachen lassen. Das gilt für die nicht so schönen Emotionen – das Finstere, die Angst und den Hass, aber eben auch für die Liebe.

Liebe Lieblingskollegin, Rusalka ist bestellt!

6.7.11

Einen wunderschönen Tag mit Frau Casino auf dem und im Wasser verbracht. Bisschen angebrannt, aber morgen ist das braun. Und heute werde ich genau das gleiche Entspannungsprogramm fahren, bloß keine Abweichungen, der Urlaub ist kurz. Wer mit will ruft an. Abfahrt so gegen 12.

@Herr Strike: neues Boot super, alte Caravelle auch tiptop, kein Luftverlust!

SHE DID IT THE HARD WAY

Der letzte Akt im „behind the scenes“ spielt sich gerade ab, vielleicht schreib ich irgendwann mal darüber, jetzt gerade nicht. Jetzt habe ich erst einmal 5 Tage vor mir, mit das, was man als Urlaub bezeichnet, wofür ich keine rechte Vision habe, außer, dass ich die Stadt nicht verlassen werde, jedenfalls nicht weiter als bis zum See. Ich schnappe mir nachher Hotel Mama und dann geht´s raus auf´s Wasser. Mein Anruf beim Badesee-Telefon gestern:
„Vereinigte Finanzämter Berlin, guten Tag!“
„Örm?“
„Was kann ich für Sie tun?“
„Örm…“
„Sie wollten die Badesee-Empfehlungen?“
„Örm – ja, wegen der Wasserqualität des Schlachtensees.“
„Dann kiek ick mal. Schlachtensee. Hygienisch herausragend.“
„Von wann ist denn die Analyse?“
„Lassense ma schaun. 22.6.“
„Und jetzt? Nach dem ganzen Regen? Der spült doch immer die Abwässer in die Seen.“
„Örm…“
Steuer is everywhere.

Für das Buch fluten mich gerade Bilder der verschiedenen Handlungsstränge, ich habe mein Notizbuch ständig aufgeschlagen neben mir. Übrigens das 5. Buch in Folge, in dem jemand namens Dvorak eine wichtige Rolle spielt, diese Mal allerdings der Komponist.

Es schälen sich zwei mögliche Opening Szenarien heraus. Das eine ist fein, subtil, mit einem Thrill in der letzten Einstellung. Das andere ein Schocker, es kracht von der zweiten Minute an. Das hatte bei „Water for Elephants“ ja sehr gut funktioniert, aber ich glaube, ein leiser Schauer als Intro ist in bester Ashby-Tradition. Und den Schocker kann ich dann weiter in der Story auch noch gut gebrauchen. Ich denke, morgen oder übermorgen kann ich anfangen. Heute: Urlaub. Gekennzeichnet von, wieder mal, Bedauern – ich hatte ihn eigentlich anders geplant.

A lot of crazy nasty shit has been happening this year. Ich habe zwei enge Freunde verloren. In einem Fall bin ich hintergangen worden, im anderen physisch attackiert. (Nichts beendet eine Freundschaft so schnell und gründlich wie physische Brutalität, da bleibt nicht einmal Bedauern, da ist alles erloschen.) Dann das komplexe Erlebnis, eine bedeutsame Liebelei in eine Freundschaft zu morphen, nicht immer leicht, aber notwendig. Das Abwägen, wenn man anrufen will, nach ein paar Tagen, ob eine Kontaktaufnahme als Klammern empfunden wird, wo es eigentlich nur darum geht, entstandene Nähe nicht wieder zu verlieren, sondern in eine andere Form zu bringen. Es ist so viel leichter, einen Schlussstrich zu ziehen, aber das sollen andere, weniger Mutige machen, ich handhabe das mit dem Motto, der auf Bette Davis´ Grabstein steht. See headline.