Archiv des Autors: glamourdick

FÜR DAS WAHRE SCHÖNE GUTE

Die Helden unplugged, ziemlich leise, Los Ninos schlafen neben mir auf dem Bett, süß, in Fell und Sweet-Charity-Bettwäsche. Jetzt schnarcht S., eben noch T., aber – leise. Ich rauche leise, damit ich niemanden wecke, und lese leise und tippe leise. Vor ein paar Stunden saßen wir zu dritt hier auf dem Bett, jeder mit seinem Mac vor sich, jeder irgendwas verfolgend, jeder für sich, aber zusammen auf 140 x 200. Aus dieser Ruhe heraus dann den zuletzt geposteten Clip entdeckt, der alles in Perspektive gebracht hat, ein Lösung und Erlösung, ich weiß jetzt, wo ich meine Protagonistin abhole, da, wo sie sich auskennt – mal wieder haarscharf am Glück vorbeigeschrappt. Dann kommt Bomec mit Gebäck und wir sind zu viert auf dem Bett und reden unter uns, aber nicht nur, es geht so hin und her, mal, und alle sind für sich und doch zusammen, es ist ein Gefühl von Nähe, die es erlaubt, dass jeder eigentlich seins macht und doch Teil des Ganzen ist, bis man dann wieder etwas Zusammenes erlebt. Ich hatte immer gedacht, ich könnte nur alleine kreieren, für mich. Jetzt werden aber die Ideen so stark, dass sie ein volles Bett nicht im Geringsten bremsen kann. Und selbst das Schnarchen von Los Ninos ist eher ein Soundtrack, als eine Ablenkung.

Solche Momente taugen nicht für die Fiktionalisierung, bzw gibt es wenige Romanfiguren-Konstellationen für die sie von Belang wären. Deshalb ist es schön, ein Blog zu haben und sie hier festhalten zu können. Es ist schön, eine Realität zu haben, die sich auch mal ein bisschen für einen anstrengt.

THANK YOU, LIEBES*

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*both of you.

Die kleine propere Frau mit den wasserstoffblonden Haaren, der einzigartigen Stimme und dem Humor einer geborenen Entertainerin. Stapft durchs Publikum und ermuntert zum Mitsingen. Wenn sie nicht auf der Bühne steht und 200% Musikalität abliefert. Leider Blues, mit dem ich eigentlich nichts anfangen kann, musikalisch – textlich oft schon, aber diese fetten schleppenden Sounds, das ist mir zu, I don´t know, es ist halt nicht meins. Allerdings fällt es nicht schwer, sich auf ein Blues-Experiment einzulassen, wenn Cyndi einem vorführt, was für eine satte Power dahinter steckt. Sie bekommt schon beim dritten Lied die erste standing ovation. Von einem Publikum, das auf dem Hof des Admiralspalastes ziemlich dröge rüberkam. Aber sie lassen sich um den Finger wickeln, so wie ich und Herr Strike, von dem ich das Ticket zum Geburtstag bekommen habe. Nicht nur die Memphis-Lieder sind Abräumer, natürlich auch die Cyndi-Klassiker. Aber dass es ihr gelingt, ein totgesungenes Lied wie „Girls just wanna have Fun“ in einen ca 15minütigen Kanon mit dem Publikum zu verwandeln, bei des es ausgesprochen Spaß macht, mitzugrölen, und ich meine mitzuGRÖLEN, wie (in meinem Fall) zuletzt beim „Denkmal“ der Helden und „In too deep“ mit Belinda – das ist bemerkenswert und nichts Geringeres als ikonisch. Cyndi Lauper gehört zu den Künstlern, von denen man sich wünscht, dass sie bis zu ihrem letzten Tag Konzerte geben sollen. Ohne Leinwände, ohne Tänzer, Kostümwechsel und Tamtam. Das braucht sie nicht. Sie hat Persönlichkeit galore und eine Musikalität, von der besser kein Schnickschnack ablenken sollte. Und ich glaube, sie weiß das. Und ich glaube, es macht ihr wirklich wirklich Spaß. Schlusssatz: siehe Titel.

KOMMOD

Montags ist jetzt immer RTL. Mietnomaden, Messies, Muttis. Die Horror-Hölle des Bastel-Opas. Der Smegma-Tempel des Sumo-Wrestlers und so. Tatsächlich fand ich den Bastelopa ziemlich Klasse, und nicht, weil er so ein appetitliches Lungen-Haché zubereiten konnte, sondern weil er so an seinem Schlafzimmer hing, das er vor ca. 40 Jahren mit seiner verstorbenen Frau mit Bedacht ausgewählt hatte. Als ich es sah, ging mir das Herz auf! Denn dort sah ich, dass mein Lieblingskommödchen nicht allein auf der Welt ist! Dieses lindgrüne zweischubladige Schätzchen mit den Plastikdiamantknäufen, das im Gästezimmer steht, ist das verwaiste Kind einer großen Familie. Bett! Kleiderschränke! Vielleicht sollte ich diese Vermisstensendungsfrau kontaktieren, ob sie eine Familienzusammenführung herstellen kann. Aber erst mal Hut ab vor Tine Wittler, die dem Mann das Schlafzimmer gelassen hat, etwas aufgehübscht zwar, aber mit vollständigem Mobiliar.

(Und ich hatte immer gedacht, das sei ein Ost-Design, aber die Schnörkel und der Diamantknauf sprechen eine deutliche Sprache. Sie raunen „Tauentziehn“. Und „Kranzler Eck“.)

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COMMERCIAL BREAK

Habe gestern auch so eine fragwürdige Anfrage zum Thema sponsored Ads oder so bekommen. Also schlecht bezahlt Werbung machen für Produkte oder Dienstleistungen, mit denen man nichts am Hut hat. Hab ich nicht drauf geantwortet, die hat mich auch noch geduzt!

Stattdessen. Unbezahlt und aus Überzeugung. Kündige ich an. Hier demnächst Werbung zu machen für eine Künstlerin, der ich mein Lieblingskunstwerk verdanke (neben Katia Kelms Plasteglam, versteht sich). Wer schon mal in Glam Gardens war – der pornös schöne Siebdruck auf blauem Teppich über meinem Bett ist nur Teil einer Serie. Und den Rest der Serie stelle ich in Kürze hier vor – bei Interesse stelle ich den Kontakt zur Künstlerin her. (Der Preis ist so dermaßen special offer, dass ich mir gar nicht traue, den zu veröffentlichen, und nicht, weil er so exorbitant hoch wäre.) Also, machen Sie´s wie ich: investieren Sie in Kunst. Il n´y a que le beau qui reste!

BELLA BELLA BELLA MARIE

Ein schäbiger kleiner Sonntag war das, nachdem der „Schneemann“ von Nesbo ausgelesen war. Auf so ein Finale kann nicht gleich ein neues Buch folgen und so beschäftigte ich mich mit meinen Roman-Notizen. Danach fand ich partout keinen Film, den ich anschauen wollte und entschied mich dann doch für „Schwarze Schafe“, der mich dann am Schluss ärgerte – Erektionen und Schlachtensee, beides wäre schön gewesen und der Regen kam eh viel später als prognostiziert – ich hätte ruhig aufs Wasser gehen können.
Den Rest des Tages versaute ich mir mit dem Sinnieren darüber, dass andere Menschen viel mehr haben als ich, insbesondere Geld und Liebe, und nicht damit umzugehen wissen, es ist also verschenkt an sie. Kennen Sie das, dass man Rentnerinnen auf den Straßen sieht, die viel Geld für wirklich geschmacklose Kleidung und absurde Frisuren ausgeben und trotzdem Scheiße aussehen, da hilft auch keine Fuchsia-farbige Capri-Hose in 56. Gerry Weber lebt von sowas. Das waren so meine Gedanken. Meinen Balkonpflanzen gefällt das, wenn ich so bin, die lieben graue Aura, der Balkon sah nie besser aus und die Ameisen haben offenbar zu den Nachbarn rübergemacht wegen der Stimmungslage hier. Ich habe dann der Rose ein paar Blüten abgetrennt und in der Wohnung aufgestellt, fühlte mich aber trotzdem nicht wie Martha Stewart, die wahrscheinlich auch gerade irgendwo in eine Capri-Hose pupt. Maggie Smith würde nie eine Capri-Hose anziehen, außer sie muss so jemanden spielen. Mutter Beimer, ja, Maggie Smith, nein. Danach dachte ich mir, homöopathisch, geh zum Spango ins Archiv, der hat die besten schlechte-Laune-Texte, aber statt in gut formulierter schlechter Laune zu baden, las ich den Text, in dem er berichtet, wie er im Nachlass seiner Mutter neben den Rezepten des „Perfekten Dinners“ Ausdrucke seiner Blogbeiträge fand, da musste ich weinen.

Ja. Nein. Es ist nicht schön, gerade. Und das ist auch der Grund, warum ich nicht auf Emails antworte, Airen, es ist keine Missgunst, ich meld mich wenn´s besser geht. Und jetzt, wo ich mich ausgekotzt habe, werde ich den Tag damit verbringen, gute Laune zu spielen. Falls Ihnen heute eine Frau über 60 in Capri-Hosen begegnet – gehen Sie zu ihr und sagen Sie „Glam spuckt auf Dich.“ Vielleicht fühlen dann wenigstens Sie sich besser. Das wäre immerhin was.

LOVE AND ANGER

If you can´t tell your sister
If you can´t tell your priest
Coz it´s so deep you don´t think that you can speak about it
To anyone
Can you tell it to your heart?
Can you find it in your heart?
To let go of these feelings?
Like a bell to a Southerly wind…

(Kate Bush)

LYRICAL BALLADS oder THAT CLUMSY GOODBYE KISS

Privatdichtung von Romantikern. Eigentlich Strikes Thema, der hat dazu eine fantastische Magisterarbeit hingelegt. Freitagabend in Glam Gardens, ein heterosexueller Mallorciner und ein schwuler Berliner geben sich ihre selbstverfassten englischsprachigen Liebeslieder zum Lesen. Und während ich lese verfolgt mich ein Satz von Rilke, der etwas mit Sehnen zu tun hat, „und doch ist dieses Sehnen“ – wo war das noch her? Briefe an einen jungen Dichter? Nein, ein Gedicht. Und irgendwann stell ich fest, das war nicht Rilke, das war Georgette, in einem Gedichts-Dialog aus dem Jahr 1998, eine Replik auf einen Text von mir, der der Antwort kaum standhält, weshalb ich ihn zu posten mir spare. Und es war nicht „Sehnen“, es war „Ahnen“.

„Und doch ist dieses dunkle Ahnen
Nur eine Farbe aus der Liebe Kelch
Auf dessen Grund man eine Antwort wähnt.
Aus Fragen sind gewebt der Melancholie Farben
Und sie sind in des nächsten Kusses Sturme bald verweht.
Geliebte Augen wirken oftmals wie ein Spiegel
Den wir ansonsten, so gewöhnt, zur Seite legen
Doch dieser Spiegel lebt und lacht in seinen Zügen
Und wird durch Deiner Liebe Blick geprägt.
Drum liebe – sei verwegen!
Auf alte Wege kannst Du nun nicht mehr zurück.“

(Georgette Dee)

IT´S HARD TO DEVELOP THESES MAIDENLY AIRS oder THE GLAM OF LA MANCHA

And before Coupland, there was Thomas Hardy…

„This planet does not supply the materials for happiness to higher existences. Other planets may, though one can hardly see how.“

Und lesen Sie das wörtlich. Da steht nix davon, dass man sich die Glücksmaterialen nicht irgendwie selbst besorgen könnte, sie diesem Scheißplaneten einfach entreißen muss. Nur erstmal finden… Nachher Heidi. Immerhin.

(Don Q. und Aldonza/Dulcinea sind doch eigentlich auch ein perfektes Paar. Träumer und Traum, nur dass Aldonza nicht mitspielt, aus verpflichteter Ehrlichkeit, selbst Schuld, aber ich kenn das.)