Archiv des Autors: glamourdick

27.08.2011

Die Monika hatte ich eigentlich auf der Kottbusser Brücke abgesetzt und ihr gesagt, sie soll mich in Ruhe lassen und einfach mal Schwäne gucken. Hat sie natürlich nicht. An der Kasse der Lebensmittelabteilung hat sie schon auf mich gewartet. Das Schöne am Pleite sein ist ja, dass ich am Ende des Monats kein Cash mehr habe und mit Kreditkarte zahlen muss, bleibt also fast nur Karstadt, was dazu führt, dass ich die leckersten Sachen im Kühlschrank habe, wenn ich sie mir eigentlich nicht leisten kann, irgendwie tröstlich. Der schönste Einkauf heute – Tomaten aus Werder, Tomaten wie in der Kindheit, als ich sie für mich entdeckte und einen Sommer kaum etwas anderes aß, als Tomaten auf Brot. Endlich auch einen karamelisierten Kaffee gefunden, der das irgendwie chemisch macht, dass er gut schmeckt, ohne Zucker also. Und für später einen Chablis.

Ein unsittliches Angebot bekommen, mehr schon fast eine Forderung, Herausforderung, und gemerkt, nach den Sex-Erlebnissen dieses Frühlings und Sommers, die mit Menschen stattfanden, die ich sehr sehr mag, wo eine Nähe vorhanden war, dass mir jetzt so ein Romeo-Fick wenig bringen würde, sei es auch ein athletischer Spanier.

Falls übrigens unter meinen Lesern jemand ist oder jemand jemanden kennt, der Lust hat, für „Ashby House“ einen kleinen Clip zu drehen – bitte melden.

DEAL WITH IT

„Worauf wollen wir denn hin arbeiten, haben Sie ein Ziel, das wir in der Therapie erreichen wollen, Herr Dick?“
„Das finde ich sehr schwer zu formulieren.“
Tolle Antwort. Ich glaube die Frau hat geleistet, was sie leisten kann, ich bin erneut mit Rüstzeug ausgestattet, jetzt brauche ich allerdings eine Stabilität, eine solide Basis, von der aus ich agieren kann. Geld. A place of my own. Die permanente Unruhe und Beunruhigung muss ein Ende haben oder zumindest eine sehr sehr lange Auszeit nehmen. Momentan deale ich meine troubles und habe nach wie vor große Verachtung vor der Drücker-Kolonne-Typ-Mensch, die mit dem Satz kommt „I can´t DEAL with it!“. Ich möchte antworten „DEAL with it, sucker! that´s what we all do!“ Natürlich wäre es schöner, wenn alles etwas einfacher wäre und das Leben sich mit etwas mehr Leichtigkeit präsentierte. Running up that hill, with no problems. Ein paar Probleme weniger wäre schon schön. But what the hell, I can deal with it.

ROMMIDEMMI

An viele Ost-Schreibweisen von Namen hat man sich ja mittlerweile gewöhnt: Janet, Madlen, Jaklin und so. Aber aus Romy Rommi zu machen? What´s next? Merriling?

ENDURING DURIEUX

Bei der Recherche nach Stipendien und anderen Möglichkeiten, als Autor mal ein paar Monate ohne Geldsorgen schreiben zu können, auf die glammste aller Förderungen gestoßen: den Tilla-Durieux-Schmuck. Dabei handelt es sich um ein Collier aus in Platin gefassten Zirkonia, das alle 10 Jahre von einer bedeutenden Schauspielerin an die nächste weitergereicht wird. Die nächste Trägerin wird von der amtierenden bestimmt. Glam hearts Tilla! (Nicht, dass ich jetzt plötzlich Schauspielerin werden möchte oder mir die blöde Kette was nutzen könnte, außer wenn ich sie versetze.)

ANGER AND HOPE AND DOUBT

Strike und ich im Auto auf dem Weg zum See und der Ipod wählt von tausenden möglichen dieses eine Lied, das es auf den Punkt bringt. Ich würde es Ihnen lieber in der reizenden Fassung von Shirley MacLaine präsentieren, Sie wissen ja – Schauspielerinnen, die singen liebe ich mehr als Sängerinnen, die schauspielern. Leider bin ich nicht Shirley-fündig geworden, deshalb müssen sie mit der jungen Babs vorlieb nehmen, die sich hier ein bisschen free-style-mäßig austobt.

Das lastete auf mir, das Lied. Seit gestern meine Agentin auf meine Probeseiten reagierte, geht´s schon wieder besser, aber die Frage bleibt bestehen.

Am Montag die endredigierte Fassung „Ashby House“ beim Verlag abgegeben, am Mittwoch kriegen sie die Probeseiten für´s Sequel. Und da steckte ich gerade fest – das Schreiben ist nicht immer ein schöner Prozess. Hier im Netz rumzustückseln ist nicht zu vergleichen mit der Arbeit, die ein Roman macht – das ist kräftezehrend. And sometimes you can just ask yourself „where am I going with this“ and don´t know the answer, and then you got to try not to stress yourself out too much. But you do, of course. Answers are coming, it´s just that sometimes they´re not painfully obvious. Aber man will ja auch nicht obvious sein, sondern überraschen. See, it´s tricky. Und dann ist da noch die Verantwortung, die man für seine Protagonisten hat, die ja nur noch zum Teil etwas Eigenes, zum Großteil etwas Selbständiges geworden sind. Wenn ich gerade nicht weiter weiß, wohin mit denen, bleibt immer nur die Frage „where would they go?“. Und dann tun sie in der Regel, was sie tun würden, wenn man ihnen nicht zuschaut. Da hat das Schreiben etwas quantenphysisches – man muss manchmal tun, als ob man nicht zuschaut, und dann so aus dem Augenwinkel linsen, wie sie sich natürlich verhalten.

GLOOMY MONDAY oder TOO-REE-AY, TOO-REE-OH

Aufgewacht vor und mit Sorgen nach schrecklichen Träumen. Nicht mal Gossip Girl hat mich gestern ablenken können. Der Sommer bäumt sich noch mal auf, ist aber mehr wie ein Echo. Auf dem See schwimmt schon Laub, und Schwanenfedern und eine Damenbinde.
Im Radio beantwortet Doris Day Fragen zu ihrer neuen Single. Und solche, die ihr vermutlich schon vor sechzig Jahren gestellt wurden, bizarr. Sie hört sich allerdings an, als mache es ihr Spaß. Es war ja schon etwas schräg, Kate Bush bei Interviews zu zu hören, immer ein bisschen mit der Angst, ob sie noch oder schon oder vielleicht auch wieder in der gleichen Zeit lebt wie der Rest der Welt. (Irgendwie nicht, aber irgendwie auch egal.)

With a mind that renders everything sensitive
What chance do I have here?
Put an end, put an end
Put an end to every dream
(…)
Too-ree-ay, too-ree-oh, too-ree-ay, too-ree-oh, too-ree-oh´s what I say
To keep me going
And to keep the shit away.
(…)
Come on
We all sing

(Kate Bush: „Not this time“)

(Und das war nur ne B-Seite. Unvorstellbar.)

ES IST NOCH NICHT VORBEI

„Tut das jetzt weh?“
„Nein.“
„Und das?“
„Nein.“
„Sind Sie sonst eher schmerzempfindlich, was Ihre Zähne angeht?“
„Aber Hallo! Oh JA!!“
„Hm. Dann ist der Zahn wohl tot. Bleibt nur eine Wurzelbehandlung.“
Ich fühle mich mit einem Mal wie ein partieller Zombie. Meine Zähne fangen an, aus dem Leben zu gehen. Es ist ein schreckliches Gefühl.
„Dann bohren wir den jetzt mal auf.“
„Bekomme ich eine Spritze?“
„Die brauchen wir nicht. Ist ja tot, der Zahn.“
„Okay?“
Dann setzt sie den Bohrer an und mit einem Mal geht ein SCHMERZ durch den Zahn, der die Angstschweißperlen auf der Stirn mehr als rechtfertigt.
„Ach! Lebt doch noch. Schön. Machen wir einfach ne Füllung.“

BAD SWAN

Die Baby-Schwäne auf dem Schwielowsee sind schon fast ausgewachsen und herrlich silbergrau, fast wie schwimmende Weimaraner. Aber die Schwanen-Daddys äußerst aggro. War ein bisschen Eden Lake. Die Co-Matrosen mussten dem Biest mit dem Paddel drohen, als ich an Land ging. Frechheit, zumal ich „Black Swan“ mittlerweile schon 3 Mal gesehen habe und wir auch noch eine Nina an Bord hatten. Strike schlägt vor, heute doch wieder zum bewährten See zu fahren. Da gibt´s leider kaum Seegang, aber das Wasser ist sauberer. Und die Schwäne freundlicher.