The horror movies of the American Nightmare suggested that there was something wrong with society, but the message of the twentyfirst century is that other people are shit.
Lesen wollen.
The horror movies of the American Nightmare suggested that there was something wrong with society, but the message of the twentyfirst century is that other people are shit.
Lesen wollen.
Und ich sitze kaum im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer, da sagt sie „Willst Du ihn mal nehmen?“ und schon hab ich einen Säugling auf dem Arm, gerade mal vier Wochen alt ist er, und es ist ein weirdes Gefühl – so ein niegelnagelneues Leben, das in die Armbeuge passt und fast nichts wiegt, ganz warm ist, und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt von dem fremden Arm. Noch dazu ist er kein Zwilling sondern ein Einzelkind und lebt nicht im Prenzlauer Berg, sonder in Kreuzberg. Aus unklaren Gründen ist der Großteil meines Freundeskreises kinderlos, und die Kinder jener, die welche haben, sind meist schon Teenager. Ich sitze da etwas hilflos, sehr bedacht, das Kind nicht fallen zu lassen, den Kopf richtig zu stützen und habe die größtmögliche Bewunderung vor Menschen, die sich auf dieses Abenteuer bewusst und erwünschtermaßen einlassen. Noch dazu, wenn es so angenehme Menschen sind und ich ziemlich sicher bin, dass sie nicht nur gute Freunde sind, sondern auch fantastische Eltern.
Die Freude haette wirklich nur groesser sein koennen, wenn der Sendung ein Verlobungsring beigelegen haette!
„Du HURENSOHN!“ schreit sie mir aus dem Autofenster entgegen, ihre spitzen dünnen gotischen Augenbrauen von der wütenden Stirn ganz zerfurcht.
Ich bin so perplex, dass mir spontan gar nichts einfällt, außerdem hat sie ihre Mutter auf dem Beifahrersitz, man ist ja immer noch irgendwie Gentleman, also zeig ich ihr nur den Finger. Vielleicht sollte ich etwas ermutigendes sagen wie „Super, dass man Dir den Führerschein gegeben hat, wieviel Mal musstest Du denn durch die Prüfung? By the way – beim Spurwechsel blinken, Schätzchen, dann fährst Du mir auch nicht in den Wagen.“ Oder „Super, dass Du, anders als Deine Religionsschwestern mit Kopftuch, etwas offensiver mit der Fahrsituation umgehst.“ Oder „Ich bin faktisch kein Hurensohn, nur eine Schwuchtel, aber ich stecke keine Familienmitglieder an und nenne das dann Ehre.“ Aber all dies fällt mir in dem Moment nicht ein, leider, und sie fährt mit quietschenden Reifen weiter. In ihrem Firmenwagen. Auf dem der Name einer in Kreuzberg ansässigen Kette türkischer Delikatessenläden steht, die für ihre Pasten und die Unfreundlichkeit ihres Personals bekannt ist.
Zufälligerweise ruft am Abend der einzige türkische Mann aus meinem Bekanntenkreis an. Er hat gerade am eigenen Leib Erfahrung mit türkischer Wut gemacht hat.
„Das war doch keine gute Muslimin, oder?“
„Nein, sie hat sich vermutlich mit dem Teufel eingelassen. Oder dem Internet.“
„Ist ja eins.“
Und wir schippern vor der Pfaueninsel, Potsdamer Schlösserfahrt mit Eltern, Schwester und Familie, hatten ein üppiges Lunch im Fährhaus Caputh, zuvor die Sans Soucis Schlossbesichtigung, ein britzelschöner Spätsommertag, und an uns vorbei zieht ein Segelboot mit zwei Typen, bei einem denk ich – Wow, der sieht aus wie M.M. aus M. vor wie-lang-ist-das-her-13 Jahren, nicht schlecht. Schaue den Bootsnamen, nein. Nicht „Dream“. Schaue den Typen noch mal. Fuck me. Das IST M.M. aus M. Und fuck me – er sieht immer noch fucking disgustingly beautiful aus. Und dann ist das Boot auch schon wieder weg.
Sag ich was? Passt irgendwie nicht in den Familientag. Was soll ich auch sagen? Das da eben, das war mein Ex. Also jener Ex, wegen dem ich damals das Buch geschrieben habe. Wenn unsere Beziehung nicht so missglückt wäre, hätte ich doch nie einen Beziehungs/Trennungs-Ratgeber schreiben können. Was gibt´s dazu noch zu sagen, das ich jetzt nicht sage? Wenn es mit uns gut war, dann war es richtig gut. Er war das, der mich ans Wasser gebracht hat und in die Sonne. Also – wenn ich ihm nie begegnet wäre, dann säße ich jetzt vermutlich auch nicht auf einem Dampfschiff vor der Pfaueninsel und wäre ihm auch heute nicht begegnet. Aber als es zu kriseln begann, oh my. Und als es vorbei war – gebrochenes Herz? Zerschmettert und draufgetrampeltes Herz. Stellen sie sich „Am Boden. Zerstört“ mal bildlich vor. Danke.
Und da sitzt er, paar Meter entfernt, braungebrannt wie immer, ein Hauch von Wohlstandsbäuchlein, aber wirklich nur ein Hauch. Das Boot sieht neu aus, auch des Bootes Name spricht wieder Bände. Und das alles innerhalb von 15 – 20 Sekunden, dann ist er aus dem Blickfeld und ich hab mir nicht einmal seinen neuen Mann anschauen können.
Ich hab ihn tatsächlich zehn Jahre lang nicht gesehen. Freunde werden ging bei uns nicht, es war zu schmerzhaft, und so hatte ich ihn mir ausgeredet, in einem lang anhaltenden Prozess. Einmal bin ich ihm noch begegnet – nachts, im SO, es hat mich aus den Latschen gehauen und ich habe mir Frankie geschnappt, den schönsten Menschen, den ich kenne, damit er glauben sollte, ich hätte was mit dem schönsten Menschen, den ich kenne. Dann war wieder ein paar Jahre Pause, bis ich irgendwann mal einen Tierarzt brauchte, für meinen Pflegehund, aber gerade an dem Tag arbeitete seine Assistentin. Und dann gab es noch ein Telefonat, weil ich für einen TV-Dreh eine Tierarztpraxis organisieren sollte, und er war ja auch telegen, aber dann wurde der Dreh abgesagt.
Aber ziemlich genau heute vor 13 Jahren, da waren er und ich die so ziemlich glücklichsten Menschen auf der Welt. Und das sag ich jetzt nicht mit Wehmut. Aber mit Anerkennung. I really loved him.
Ich kann nicht behaupten, ein großer Fan von Rosel Zech gewesen zu sein, aber für die „Veronika Voss“, einen meiner allerliebsten Lieblingsfilme, bin ich ihr dankbar. Was Jessica Lange für Frances Farmer getan hat, das hat Rosel Zech für Sybille Schmitz getan – ihr ein würdiges, wenn auch fiktionalisiertes Denkmal gesetzt. Sie spielt mit einer Einzigartigkeit, kleidet das Stoische Melancholische der Schmitz so effektiv – „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ wird dadurch für mich zum berührendsten aller Fassbinder-Filme, und ich denke die Sybille holt die Rosel da oben ab.
In einer Bubble des Berauschtseins aneinander, ein perfekter Tag mit Lachen und Singen und Sonne und Wein, und ich glaube sonst waren keine Drogen im Spiel, und lachend singend und spärlich bekleidet steht man sich gegenüber und dann fällt der Satz „Ich glaube, das endet heute in meinem Bett“ und man tut, als habe man ihn nicht gehört und macht einfach noch ne Flasche Wein auf und spielt das so weg.
An einem anderen Tag, nach einem ebenfalls berauschenden Abend, man ist schon in einem Bett, das nicht das eigene ist, bin ich es, der zu bedenken gibt „An dieser Stelle können wir´s noch stoppen.“ Und man stoppt es nicht, es scheint in diesem Moment irgendwie zwangsläufig (schönes Wort, besonders in diesem Zusammenhang.)
Es war ein Sommer der Entscheidungen. „Falsch“ und „richtig“ gab es nicht. And you just gotta deal with that.
Together we raced with wild horses till they dropped.
Der Vorteil der Gegenwart gegenüber der Vergangenheit ist, dass sie mir so viel Konzentration abverlangt, dass ich mich arg im Jetzt befinde, na ja, dem Jetzt, das mir die jüngere Vergangenheit beschert hat. Aus der Zukunft werden Fäden geworfen und ich schnapp danach. Sechs Monate noch irgendwie überbrücken. Sich Sammeln während man sich aufsammelt. Revolving evolving auf dieser Ellipse, die zwischen 2005 und 2012 vor sich hin wirbelt. Oder es ist keine Ellipse sondern so etwas wie ein Lichtjahr – der Impuls wurde damals ins All geschleudert, arrival expected March 1st.
(Dieser Text ist jetzt irgendwie wie der Amazonas. 4000 Meter tiefer ist noch ein anderer drunter, aber noch viel breiter.)
Vier Baustellen behoben. Hauptsächlich Balkon und Arbeitszimmer. Auf dem Balkon in der Sonne gesessen und einen Müllsack mit Papieren gefüllt. Das Arbeitszimmer sieht allerdings immer noch chaotisch genug aus. Entwürfe für Romane gefunden, die ich komplett vergessen hatte. Bisschen reingelesen und gar kein Gefühl dazu gehabt, sehr distanziert mit der Vergangenheit umgegangen, ohne jede Sentimentalität. Das kann in den Müll und das und das und das nicht. Der erste fertig gestellte Roman war tatsächlich handgeschrieben! Versehentlich eine Greta Garbo-Installation gemacht.

Glam sagt anonymem Spender Danke für Hitchcocks „Rote Lola“!