The stars look very different today

Sonntag, 10.1.2016. Ich wache vom Piepsen meines Telefons auf. Jemand hat mir eine Textnachricht geschickt. Urs Remond. Wir hatten am Samstag über Bowies „Blackstar“ gesprochen. Urs hat bislang nur reingehört, ich höre es seit Veröffentlichung am Freitag nonstop. Urs findet es irritierend. Ich empfehle ihm, es sich runterzuladen und möglichst laut zu hören. Nun schreibt er „RIP David Bowie“. Krasse Worte für ein Album, das einem nicht gefällt, denke ich und leg mich nochmal hin.
Eine Stunde später sitze ich vor dem Mac und will es nicht glauben. Bowie tot. Richtig tot. Mein Held. In den vergangenen Wochen habe ich so viel an ihn gedacht und über ihn geschrieben, seine Bedeutung für mich als Teenager. Seine anhaltende künstlerische Bedeutung, die er mit dem neuen, seinem letzten Album erneut bewiesen hat. Der (nicht nur) mir gezeigt hat, dass man sich neu erfinden kann/ muss, der meine eigene Transformation inspiriert hat – vom Opfer, das sich aus sich selbst (mit ein bisschen Inspiration von gängigen Indie-Trends und Poly Color blauschwarz) neu erfunden hat. Sich mutig stellt und seine Andersartigkeit nicht mehr verbirgt, sondern präsentiert. Und ich habe noch nicht einmal seine Musik erwähnt. Texte, die sich in meine Seele tätowiert haben, Weisheit, Zerrissenheit, Schönheit, Drama, Abgründe aber auch immer wieder diese Höhen, All, Sterne, Aliens, Stardust… Die Texte, die Kompositionen. Ich denke an Anke und jetzt laufen die Tränen. Auch wir haben am Vortag einen kurzen Austausch über „Blackstar“ gehabt, schweben beide vor Begeisterung, Achtung und Freude, dass er es wieder einmal geschafft hat. Um tags darauf zu erfahren, dass „Blackstar“ sein Abschied an uns ist. Dass er krebskrank dieses Album ersonnen und umgesetzt hat. Und zwei Tage nach –ich sag nicht Veröffentlichung, ich sage „Erscheinen“, gestorben ist. Tot. Weg. Er hat uns begleitet seit wir 14 sind. Ich werde überrumpelt von Massen an Bowie-Erinnerungen, all diese Jahre…

Mails, SMS, Facebook-Nachrichten. Ich bin gerührt, wer alles schreibt, weil er oder sie wissen, was in mir gerade abgeht. Wie die Erinnerungen der anderen an uns und Bowie zu mir zurück getragen werden. An den ersten sichtbaren Mann, der sich über Gender hinwegsetzte und den androgynen Ziggy kreierte, der zum tödlichen Thin White Duke wurde, den nicht zu lieben unmöglich und doch brandgefährlich war. Mein Hero. Forever and ever. Bowie, der auch immer Synonym war für Berlin. Die drei Alben, die auf ewig funktionieren werden und die auf dem Christiane F.-Soundtrack verschmelzen. Das Herzstück all dieser Lieder – „Heroes“.

Helden sind mutig und machen Mut. Helden stehen auch für Stolz, Pride. Ich bin Bowie dankbar, dass er auf fremde Welten, auf Andersartigkeit hingewiesen hat und diese stolz und würdevoll verkörperte. Er fehlt mir jetzt schon, aber was bleibt, ist seine Musik. Ein extremes, aber wohl sehr schönes Leben. Das Geschenk, das er uns mit seiner Kunst und seinem Bowie-sein hinterlässt: We can be us.

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