GO ASK SHAKESPEARE

Gestern ganz viel Publikumskontakt und keine Sekunde Angst vor Panik. Eine kurze Alarmglocke, dann aber der innere Kampfschrei, der die Monika wie die Petra mittlerweile erfolgreich bannt. Und wenn ich die Medikamente bis zum Ende meines Lebens nehmen muss. Und wenn das vielleicht für den Rest des Körpers nicht gesund ist. Dann leb ich halt 5 Jahre weniger, aber ohne diesen Horror, der alles in den Schatten stellt, was man sich als Horrorfilm ausdenken könnte. No fear worse than fear of fear – so ähnlich hat Marilyn das mal formuliert.
In diesem Zusammenhang AHS3 – Coven. In der vorletzten Folge stieg Kyles Mutter zu ihm ins Bett und ich bekam Schnappatmung. Murphy gelingt diese wilde Mischung aus Horrror-Genre-Klischees und dem echten Horror. Eine Mutter, der ihre Tochter zu langweilig ist. Eine, die einen Folter-Dachboden unterhält, in dem sie auch ihre Töchter entsorgt. Die Mutter im Bett des Sohnes. Emotionale Sado-Maso-Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Angestellten. Machtspiele, Intrigen, Ausgrenzung, Körperverletzung. Tales of Transgression. Shakespeare eben. Eine ziemliche Klaviatur, wenn man bedenkt, dass es alles mal mit dem Tod endet. Und Shakespeare hat sich das alles vielleicht ersonnen und formuliert, aber eben nicht ausgedacht.

Nochmal auf Episode 5 zurückkommend und weshalb ich Ryan Murphy liebe: die Sequenz im Krankenhaus, in der die Kamera betrunken stapft wie Fiona selbst, benebelt, und dann die Szene mit der Frau und dem toten Baby. Da sehen wir Fiona in einem anderen Licht und es sind diese Feinheiten in der Gestaltung ihres Charakters, die aus ihr mehr machen als die Disney-Hexe, die eigentlich schon toll genug ist. Ich hätte nicht gedacht, dass nach Asylum noch eine Steigerung möglich ist. Und eigentlich verdienen beide Staffeln, dass man sie einzeln betrachtet und nicht vergleicht. Asylum in ihrer absoluten Finsternis und Coven als diabolischer Joy-ride, glamorous Grand Guignol deluxe.

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