MON PREMIERE AMOUR ET MON SECONDE AMOUR C´EST TOI

Nastassja Kinski war meine erste große Liebe. (Marilyn war meine erste Gottheit, Nastassja war am Leben und in meiner Kindheit Teenager). Nastassja war auf dem Bravo-Cover und in allen anderen Zeitungen, sie war das Mädchen, das den Weg in die große, weite Welt gefunden hatte und dafür im Verlauf ihrer Karriere die Romyeske Verachtung Deutschlands erntete. Ich weiß nicht, ob so eine Missgunst heute noch möglich wäre, aber noch in den 70ern 80ern und 90ern wurde verachtet, wer Deutschland den Rücken kehrte und dann auch noch in anderen Länder Erfolge feierte. Ute Lemper war, wenn ich mich recht erinnere, das letzte Opfer. Im Gegensatz zu Ute Lemper hatte (und hat) Nastassja Kinski etwas, was der disziplinierten Musical-Darstellerin abgeht – eine so feine, weiche Seele, eine emotionale Transparenz, die sie künstlerisch auf eine Ebene mit Romy und Marilyn bringt. Einen Schmerz, den sie in sich trägt, der es ihr ermöglicht, in ihrer Kunst zu leuchten. Ich weiß nicht, wie universell dieser Schmerz adressiert – mich hat er als Pre-Teen erwischt und er bewegt mich heute noch. (Diesen Schmerz heraus zu kitzeln und vorzuführen ist nicht journalistische Informationspflicht, sondern ein Tritt in die Magengrube. Aber merkt Lanz überhaupt noch was?)

Ich verdanke es Nastassja, dass ich durch Tess auf Thomas Hardy aufmerksam wurde. Der nächste Schritt in Richtung Anglistik war dann die Musik von Kate Bush.

Die Filme, die sie wählte, waren Rebellion – künstlerisch wertvoll, cinematografisch jedoch oft unbedeutend. Ihre Darstellung darin jedoch Weltklasse. Auf die Kunstfilmphase folgte Hollywood, aber Hollywood wusste nicht so recht etwas mit ihr anzufangen. Vielleicht war sie zu europäisch. Aus der beinahe-A-List rutschte sie in minderwertige TV-Filme und irgendwann spielte sie gar nicht mehr. Schade. Sie ist mit 52 Jahren immer noch eine der schönsten Frauen unserer Zeit, ihr Talent hat sie sicher nicht verloren. In Frankreich Dänemark und Schweden werden mittlerweile Filme gedreht, in denen Frauen nicht mehr die Opfer- sondern die Heldenrollen spielen. Filme, in denen Schauspielerinnen mit Feingefühl agieren dürfen. Ich wünschte, für eine Frau mit dieser überirdischen Schönheit und diesem Ausmaß an Präsenz und Talent würden sich dort Rollen finden.

Wenn es für mich einen Grund geben würde, nur ein einzige Mal in die Rolle des Ghostwriters zu schlüpfen, also die Essenz einer Person in Worte zu kleiden, oder auch nur vorhandenes Material in Form zu bringen, dann, you know, liebe Nastassja, melde Dich.

Und, Markus Lanz – fuck you for making a Lady cry.

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