old kid on the blog

manchmal lässt man sich auf etwas ein, das man nicht durchdacht hat.
so wie ich jetzt hier. schließlich habe ich bis dato noch nicht fremdgeschrieben –
blogtechnisch.

grundsätzlich kann ich nicht mit herrn glam´s glamour mithalten und habe mich deshalb entschieden, etwas aus meiner kargen vergangenheit zu erzählen, hoffend, dass die villa keinen irreversiblen ikea-touch erhält…(ein billy-regal zwischen den antiken venezianischen leuchtern – wo kommen wir da hin ?!)

es beginnt damit, das ich mich auf etwas einlasse, das ich nicht durchdacht habe.
kontinuität ist wichtig. zumindest in den irrungen und wirrungen.
nach dem zivildienst und mit beginn eines studiums ohne sinn und verstand, fiel mit plötzlich auf, dass ein einkommen so schlecht nicht wäre.
weil ich nie suche, sondern lediglich angebote annehme (man kann sich meine steile karriere ausmalen) folgte ich dem aufruf eines bekannten, bei einer unternehmensberatung vorstellig zu werden.

1.vorstellung (der ignoranz genannt spango)
hier muss man sagen, dass ich mir zwar keine großen gedanken um meine kompetenz machte, jedoch darauf achtete, wenigstens als gut gekleideter prollschnösel rüberzukommen (highlight: boss-slipper mit boss-schriftzug auf metallener schnalle, die 90er- ein jahrzehnt voller visueller verbrechen).
mit gegenüber meine zwei ansprechpartner: herr dr. k. (bwl´er) und herr dr. l.(physiker)
zwei gar lustige menschen, die aufgrund der empfehlung meiner person keinen hehl daraus machten, dass sie mich eigentlich schon eingestellt hatten. computerkenntnisse – insbesondere bezüglich datenbanken, hatte ich einfach mal bejaht.

2.klarstellung (der realitäten)
ich besaß aber seinerzeit gar keinen computer. deshalb wollte mich ein freund in die geheimnisse von word und access einweihen. den kursus brach ich aufgrund fataler langeweile ab. so erschien ich denn am ersten tag – gestählt durch einen fünfzehnminütigen einblick in windows. auf den monitoren verbreiteten sich zahlen- und buchstabenkolonnen fremdester art und ich schaute angestrengt auf die codierung und drückte dumpf ein paar tasten. herr dr. k. gefiel diese „selbständige“ arbeitsweise und beschwor mich, mir weiter selbst ein bild „des projektes“ zu machen. ich verbrachte auf diese art sieben stunden in reger erstarrung. bemüht ein stoisches gesicht arbeitsamer aufmerksamkeit aufzusetzen. die schnöde alliteration addierter schmerzenslaute entsprachen auch der behände kriechenden panik in meinem innern. dennoch war ich bestrebt, meine strategie fortzusetzen: augen auf und rein in den fettnapf. doch nichts geschah. obwohl ich wirklich nichts machte, klopfte mir herr dr. l. sogar einmal anerkennend auf die schulter. anzügliches zwinkern inklusive. der stolz über meine gelungene täuschung, aus der not ohnmächtiger überschätzung geboren, ließ die panik zurückkriechen. zufrieden verzog ich erstmalig mein gesicht zu einem trägen lächeln. herr dr. k. erschien, kündigte den feierabend an und bat mich, die computer herunterzufahren. schwupps, da war sie wieder: die panik. nur zehnmal stärker. meine schläfen pochten, der innere schweinehund wollte nach draußen. ich suchte nach einem ausweg. grund: ich hatte nicht die leiseste ahnung, wie ich diese maschinen aus der hölle abstellen sollte. schweißgebadet kehrte ich nickend in die starre zurück und wartete ab. dr. k. besuchte die nasszelle. das war meine einzige chance: ich packte meine sachen und rannte richtung freiheit. ohne ein wort des abschieds floh ich in meine kleine welt kindischer verantwortungslosigkeit (in der ich mich bis jetzt sehr wohl fühle).

3.einstellung (erkenntnis durch erfahrung)
trotz meines dämlichen verhaltens erschien ich am nächsten tag. natürlich hatte ich mir zwischenzeitlich erklären lassen, wie computer zum schweigen gebracht werden können. überraschenderweise waren die beiden doktoren wenig irritiert. dr. k. hatte die notwendigen maßnahmen selbst ergriffen, dabei kaum notiz von meiner fahnenflucht genommen. es kann von vorteil sein, mit eher nüchternen menschen zusammenzuarbeiten. der spass hat dann drei monate gedauert. übrigens verfahre ich bis heute nach diesem muster. erkenntnis ist mir auf der arbeitsebene ein graus. ich mache es einfach. panikattacken inklusive. nicht aus selbstüberschätzung oder draufgängertum. einfach aus bewusster unüberlegtheit und der unbewussten lust am scheitern.

der raketenprinz hat schon nach dem rechten geschaut. dafür bin ich sehr dankbar. so musste ich nur mal flugs stoßlüften und kann das mansion in kompetentere hände abgeben.

für die anstehende deutschlandtournee der blogboy-group möchte darum bitten, bei den tanzchoreographien auf allzuviele drehfiguren zu verzichten, da meine lendenwirbelsäule sehr anfällig ist.

7 Gedanken zu „old kid on the blog

  1. raketenprinz

    „weil ich nie suche, sondern lediglich angebote annehme“.

    so hat der prinz es auch im privatleben gehalten. mit erreichung des dreissigsten lebensjahres blieben dann die angebote plötzlich aus, des prinzens untenrum-karriere verhielt sich entsprechend. bis ein freund ihn aufklärte: „du bist jetzt nicht mehr angebot, sondern nachfrage.“ danke auch.

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  2. spango

    REPLY:
    ach, nachfrage bin ich auch – seit über zwei jahren. davon lasse ich mich aber nicht beeindrucken, weil ich immer dann oberflächlich werde, wenn ich es mir nicht mehr leisten kann.

    du siehst: kompletter realitätsverlust 😉

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  3. glamourdick

    REPLY:
    meine berufskarriere in einem satz. got sei dank komme ich gerade aus dem urlaub und kann solche erkenntnisse verkraften.
    was angebot und nachfrage untenrum angehen bin ich for some reason noch ganz zweigleisig. aber auch manchmal nicht sehr wählerisch. also doch auch mitunter opportunist.

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  4. glamourdick

    choreografien werden komplett gestrichen. sanftes wiegen und powackeln mit bananengürteln in verbindung mit schmelzenden blicken und karnevalistischen grimassen should do the chart trick.

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