DEEP INSIDE GLAMOURDICK oder DAS PROKTOKOLL

Warnhinweis: in diesem Text führe ich Sie in anatomische Regionen, über die Sie sich vielleicht nie Gedanken machen wollten. Ich erwähne Prozeduren, über die selbst in langjährigen schwulen Bekanntschaften nur hinter vorgehaltener Hand geredet wird. Überlegen Sie sich, ob Sie nicht doch lieber das Bildblog oder so lesen. Ich habe Sie gewarnt.

Der ganze Tag ein wenig excited, denn am Abend kommt ein junger Mann vorbei, der zum Besten zu zählen scheint, was die Blauen Seiten momentan zu bieten haben. Attraktiv, originell, hartnäckig in der Anfrage nach einem Termin in der Mansion. Eine Stunde vor seiner Ankunft bereite ich mich körperpflegestrategisch vor. Diverse Sexpraktiken machen mehr Spaß, wenn man sich während des Praktizierens nicht den Kopf um die Sauberkeit gewisser Regionen machen möchte. Außerdem ist es eine Sache der Fairness, die man beim Sexpartner ebenfalls voraussetzt. Also reinige ich mich an den zu reinigenden Stellen und entdecke dort etwas, was dort nicht hingehört. Vor ein paar Jahren hätte das noch zu einem hysterischen Ausbruch in Gestalt von „Ich sterbe, ich sterbe“ geführt. Einige Jahre später wäre der Hysterie mit dem Ausruf „Nein – bitte bitte keine Condylome“ Ausdruck verliehen worden. Gestern dachte ich nur – Beobachten, und wenn´s nicht von alleine verschwindet hilft alles nichts, da musst Du wohl zu Dr. Horror A (Proktologe) oder Dr. HorrorHorrorHorror B (Haut- und Geschlechtskrankheiten, wobei der Begriff „Haut“ in dem Zusammenhang über die Scham hinweghelfen soll, wenn man bei der Allgemeinmedizinerin um eine Überweisung bittet.)
Nun bleibt noch eine halbe Stunde bis zum Date. Noch peinlicher und in etwa so angenehm wie eine Untenrum-Diagnose bei Dr. Horror A und/oder B (denn wenn Du zu A gehst und der ein B feststellt, dann kommst Du in den Genuss, Dir von mindestens zwei Ärzten kaltes Metall in unterschiedlichen Größen einführen zu lassen, manche sollen ja darauf stehen, ich persönlich hasse es, besonders, seit ich erfahren habe, in welchen Fetischkreisen mein letzter Dr. B unterwegs war und vermutlich noch immer ist – nur soviel: er liebt seinen Beruf), ist es, den quasi fremden Mann zu informieren. Viele meiner Geschlechtlichkeitsgenossen würden davon absehen und trotzdem ficken. Aufgrund einer langwierigen B-Erfahrung vor ein paar Jahren, und weil ich so etwas wirklich niemandem an den Arsch wünsche, greife ich zum Telefon.
Der junge Mann geht nicht ran, also hinterlasse ich eine Nachricht. Er SMSt zurück. Wie bescheuert es ist, eine unklare Selbstdiagnose dieser Art in 160 Zeichen zu verpacken, werden Sie erfahren, wenn es Ihnen passiert. Er glaubt, ich will ihn verarschen. Aber würde ich dazu eine so unappetitliche Geschichte erfinden? Er wünscht mir zynisch „na dann gute Besserung“. Dann zünde ich mir eine Zigarette an, schau den Schmetterlingen auf den Blüten des Schmetterlingsbaumes zu und denke, „all dressed up, nowhere to go“ ist ja gar kein Ausdruck.

26 Gedanken zu „DEEP INSIDE GLAMOURDICK oder DAS PROKTOKOLL

  1. larousse

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    Oh Gott, welch Horrorvorstellung!! Präsentierteller und man kann sich noch nicht mal wehren (rumschreien ändert ja nur langfristig etwas an den akuten Einblicken der andern in die tiefsten Tiefen des eigenen Körpers… brrr!)

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  2. glamourdick

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    das ging mir damals genau so. heute blogge ich drüber. (martha wainwright singt gerade, ungelogen, „you bloody motherfuckin asshole“. ich glaube in dem lied geht es um ihren vater, aber das tut ja eigentlich nix zur sache.)
    nichtsdestotrotz gibt es bei jedem besuch eine gewisse schwellenangst zu überwinden, nicht nur wegen möglicher diagnosen sondern weil es sich ganz einfach nicht gehört, dass menschen, die man nicht nackt sehen will, in einem rumpolken. dann wiederum frage ich mich, was die innenseite des körpers zu einer solchen antizone macht. ich meine, ich will selber nicht wissen, wie ich von innen aussehe, aber das innere gehört ja auch zu einem. vielleicht werden beispielsweise chirurgen chirurgen nicht etwa wegen der kohle, sondern weil sie das menschliche innere so hübsch finden. und serienmörder serienmörder. ich mag sie nicht, diese beiden berufsgruppen.

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  3. frankburkhard

    Näääääää!
    “ Beobachten, und wenn´s nicht von alleine verschwindet …“ verständlich, aber wenig erfolg versprechend! macbook zuklappen und geschwind zum fachmann gelaufen! schon allein, weil die beobachtungszeit nämlich auch von der wiedereinsetzbarkeit der befallenen körperteile abgezogen wird. in diesem fall: erst schießen, dann fragen.

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  4. timanfaya

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    das mit dem „den stationsarzt zusammengeschissen“ bekommt im zusammenhang mit einem einlauf irgendwie einen ziemlich bildhaften charakter …

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  5. 500beine

    wäre es nicht spannender gewesen, du hättest den knaben erst mal kommen lassen und ein fahrtenmesser in die hand gedrückt? *

    *
    :an dieser stelle würde ich ausnahmsweise ein smiley platzieren, hätte ich eines zur hand.

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  6. raketenprinz

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    prinzipiell ist ja jeder arztbesuch irgendwie demütigend: die gucken und drücken und zuppeln an einem rum, als wäre man ein alternder gaul auf dem jahrmarkt.
    prinz ist ja mit seinem zahnarzt befreundet und hat auch keine angst vor dessen handlungen. dennoch ist es einfach würdelos, mit offenem mund da rumzuliegen.

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  7. glamourdick

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    ich habe natürlich mit dem gedanken gespielt, ihn dann aber aufgrund des relativen anonymitätsfaktors auf den blauen seiten wieder verworfen. (fremdem messer in die hand – man kann ja vorher nie so genau sagen, was dem dazu einfällt.)

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  8. blogger.de:kittykoma

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    ich krieg mich vor kichern nicht mehr ein! ich muß doch heute noch ernsthafte vetragsverhandlungen führen! wie soll ich das denn, wenn ich einen zusammengesch… stationsarzt vor mir sehe?

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  9. blogger.de:kittykoma

    mein mitgefühl! fairness und eine peinliche situation zusammen, das muß erstmal verdaut (gibts da noch ein andes wort) werden.
    dr. a hat mir vor jahren mal ungefragt und detailliert anhand von anatomischen schaubildern erläutert wie mans macht. also den verkehr in seinen zuständigen regionen. ich hatte einen kopf wie einen kürbis, aber knallrot und bin fast vom stuhl gefallen.
    und das war von ihm wirklich nett gemeint, also nicht so sabber-hechel-taschenbillardspiel.

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  10. glamourdick

    REPLY:
    mein erinnerungswürdigstes dr.b-erlebnis: während ich also quasi schon im gynäkologenstuhl hänge und ein arzt halt so macht, was er machen muss (und was er sehr sehr gerne macht) tapst die ziemlich bescheuerte bolle-berliner-sprechstundenhilfe in den behandlungsaum. und -ja- lässt die tür hinter sich auf. und -nochmal ja- da standen leute auf dem gang.

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  11. blogger.de:kittykoma

    REPLY:
    in solchen situationen kann ich sehr laut und sehr aggressiv werden. bei einer ähnlichen situation im krankenhaus (einlauf im dreibettzimmer) habe ich erst die krankenschwester angebrült und dann den stationsarzt zusammengeschissen.

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  12. raketenprinz

    der prinz war ja nur ein einziges mal bei einem dr. b.

    und hat anschließend angesichts der übergroßen scham überlegt, ob er künftig nicht sämtliche handlungen, die auch nur im entferntesten dazu führen könnten, einen solchen besuch wieder über sich ergehen lassen zu müssen, einstellen sollte.

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  13. GlotzKind

    Wat, über sowas redet ihr Schwulen nicht? Also mir hat letztens erst ein Freund von einem ähnlichen Vorfall bei ihm berichtet. Und ich rede mit Freunden eigentlich auch recht häufig über solch pikante Themen.

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  14. glamourdick

    REPLY:
    darüber reden „wir schwulen“ schon. aber das erste mal das ich mich mit freunden über die hygienische vorbereitung unterhielt, da waren wir nicht gerade am anfang unserer sexuellen karriere. pikant, nicht wahr?

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  15. GlotzKind

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    sondern? mittendrin, davor, oder wie? also ehrlich gesagt habe ich keine ahnung was du damit meinst 🙂 ich glaube ich hätte den „;-)“-smiley nach dem ersten und dem letzten satz meines beitrags nicht weglassen dürfen… so kam das irgendwie falsch rüber.

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