PRAG. EIN TRIP. LESEN SIE JETZT DIE EPISODE MIT DEM FENSTERSTURZ

“Es ist schlecht, allein zu sein.“
(Taxifahrer auf dem Weg von TXL zur Mansion.)

Der tschechische Polizeichef steht an der Rezeption und ruft auf Dollys Zimmer an. Er möchte gern mit ihr Kaffee trinken und nebenbei die Nummern ihrer gestohlenen Kreditkarten notieren. Dolly schickt ihn weg.
“Ich trinke gerade schon Kaffee.“

Ich schalte RTL an, um den Dolly-Beitrag anzuschauen. Stattdessen läuft ein Beitrag über den Selbstmord der Schauspielerin Jennifer Nitsch. Sie hat sich aus dem vierten Stock ihrer Wohnung in den Tod gestürzt.
Der Tod tritt in verschiedenen Rollen in Erscheinung, in ihrem Fall war er ein Bürgersteig. Einige Tage zuvor war sie mit Freunden unterwegs gewesen und hatte sich auf die Schienen der Münchner S-Bahn gelegt, um die Freunde zu bewegen, sie nicht allein nach Hause gehen zu lassen. Kann ein Hilferuf lauter sein? Am Flughafen überfliegen wir die Bild-Zeitung und ich erzähle Dolly von dem Selbstmord. Als ich ihr die Geschichte mit den S-Bahn-Schienen vorlese, haben wir beide Tränen in den Augen.
“Ich war gar kein Fan von der“, sage ich.
“Aber das war doch wenigstens mal eine deutsche Schauspielerin, bei der man nicht kotzen musste“, und als Gegenbeispiel fällt uns beiden zeitgleich Christiane Paul ein.

Der Taxifahrer erzählt uns auf dem Weg zum Flughafen, dass die Wahl manipuliert worden sei. Trotzdem und um so mehr schmerzen uns die 0,7 %, die wir erreicht haben. In Ostrava, wo hunderte für Dolly skandierten, wurden für sie ganze für vier Stimmen abgegeben. Vier. Gewonnen haben bei dieser Europaparlamentswahl europaweit die Europa-Gegner. Der Taxifahrer arbeitet für einen Fernsehsender als Fahrer. Dieser Sender produziert das tschechische Äquivalent zum “Superstar“-Format. Die Aufgabe des Taxifahrers ist es, den Sieger ins Hotel zu fahren. Wie in Deutschland, entscheidet der Anrufer, wer in die nächste Runde kommt. Dem Taxifahrer wird allerdings schon 40 Minuten nach Sendungsbeginn mitgeteilt, wen er am Abend chauffieren wird.

Im Radio läuft „My heart will go on“, die amerikanische Fassung.

Wenn man Paranoiker ist, hat man in Prag ständig etwas zu tun.

Wenn Sie im „Le Palais“ absteigen, buchen Sie mit Frühstück – das ist so opulent dass sie den ganzen Tag nichts anderes brauchen. Sie laufen so auch nicht Gefahr, in einem Frühstücksrestaurant mit einem Brotkorb attackiert zu werden. Und jedes Jahr schickt Ihnen das Hotel einen Geburtstagsgruß, weil es ja nicht wissen kann, dass Tschechien Sie nie wieder sehen wird.

2 Gedanken zu „PRAG. EIN TRIP. LESEN SIE JETZT DIE EPISODE MIT DEM FENSTERSTURZ

  1. sabbeljan

    mein patenkind muss in sachkunde ein referat über prag schreiben, aber ich glaube, ich werde nicht auf diese quelle hier verweisen ;-)

    hatte mich schon gefragt, wie der fenstersturz eingebaut wird…zwar kein schöner anlass, aber der einbau ist gelungen!

    dennoch, bei christiane paul muss ich definitiv nicht kotzen. ferres, ja ok, aber paul?

    schade, dass die geschichte jetzt zuende ist.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>