BLOND. GLAM BLOND.

Bekanntlich steht ja in Kürze der Scheckliche Geburtstag an. Und da muss man sich selbstverständlich ein wenig groomen – Alter verpflichtet. Zu den 100 silbernen Regeln im Hause Dick zählt auch die folgende: „Feiere keinen Geburtstag ohne eine konsequente Haarfarbe“. Und da ich ja bekanntlich die Farbgestaltung dessen, was auf meinem Kopf wächst einer Friseurin im Damensalon meines Geburtsortes überlasse, diesen aber vor dem Schrecklichen Geburtstag nicht mehr frequentieren werde, blieb mir nun nichts anderes übrig, als mein Haupt in fremde Hände zu übergeben. Zunächst einmal Schlecker angesteuert, wegen der Lieblingsfarbe. Treffer. Hollywood. Im Auto dann fiel mir ein, dass die letzten Versuche mit Hollywood nicht sehr erfolgreich waren und ich zu Helsinki gewechselt hatte, einen ganzen Farbton heller, vom 9er ins 10er Spektrum. Hm. Egal.

Zum 10 Euro-Salon auf der W.-Straße. Ich meine, wenn die Dorf-Friseuse nicht falsch machen kann… Dort erkundige ich mich nach dem Nachfärbe-Preis.
„15 Euro“ herrscht mich der dort schnippelnde unwirsche Billigfriseur an. Ich fische nach meiner Hollywood-Farbe.
„Ich hab meine eigene Farbe mitgebracht.“
„Machenwanich. Hier nur xxrg!!+“ (eine Marke, die selbst gesundes Haar binnen 5 Minuten Einwirkungszeit killt.)
Dann nicht, Arschloch, denke ich und verlasse den Laden. Hm again.
Dann fällt mir ein, dass ein Friseur meines Vertrauens nicht unweit und sogar zu Fuß zu erreichen ist. Dort hatte man mir schon vor Jahren kunstvolle Strähnen in vier Schattierungen verpasst, die mein Haar nur unerheblich beschädigt hatten. Wenn der Votzenkopp im Asoladen 15 Euro nimmt, dann werde ich auf der O-straße vermutlich 30 zahlen. Sei´s drum, sag ich mir, – wer blond sein will muss blechen. Rufe Salon K. an, bekomme Termin in 20 Minuten, spaziere los.

Der charmante Coiffeur betrachtet meine Ansatzsituation und erklärt mir seinen gewieften Schlachtplan: Durch Mischen der Farbnote cendre-Blonde-extrème-oder-so (die Schwarzkopf-Produktnamen sind französischer als die von L´Oréal!) und einer Grundfarbe im 9er-Spektrum plant er, jede Rotstichelei im Keim zu ersticken und einen flüssigen Übergang vom Scheitel bis zu den arg verblichenen Haarspitzen zu zaubern, ohne dem Haar die Strapazen einer 10er Färbung zuzumuten. Und nächstes Mal können wir auch die weißblonden Haarspitzen etwas anaschen, was natürlich Glanz nimmt, aber dem Farbspektrum ein wenig das Kompositorische nimmt. Ja, denk ich – der Mann beherrscht seinen Beruf und eigentlich will ich kein Risiko mit dem nicht-mehr-bewährten Hollywood eingehen.
„Klingt toll. Mach!“
Ich lehne mich in den Sessel und lass ihn machen, er macht das bestimmt toll. Und ich liege so rum und mit meinem Bauchgefühl richtig, denn, als ich nur eine Stunde später in den Spiegel schaue sehe ich: er hat MEIN Blond kreiert, einen Ton irgendwo zwischen dem Gold von Nicole Kidman und dem Sand Jack Wagners, ca Melrose Place. Es ist ein Blond, das das Blau meiner Augen zum Leuchten bringt, anstelle des Grüns oder des Graus. Ein Blond, das sich gerne mit Neonfarben umgibt, weil es gegen sie anglänzen kann. Ein Blond, das einen roten Pullover nicht scheuen braucht, aber auch keinerlei Probleme mit Türkisen darstellt. Ein Blond, dessen Künstlichkeit in seiner Beabsichtigung absolut ehrlich ist. Ein Blond, mein Blond, ich nenne es das GLAM-BLOND.

„60 Euro.“ Sagt der Farbkünstler und während ich meine Kinnlade mit einem sanften Klack der Linken zurück gen Oberkiefer ditsche, ziehe ich die Scheine aus dem Portemonnaie und denke, dafür muss ich eine Woche untervermieten. Was ist passiert? Hat die Rezession in diesem Salon nicht halt gemacht? Gibt es noch Kreuzberger, die für eine Nachblondierung 60 Euro ausgeben können? Ja.

Ich hätte hier also noch ne Packung „Hollywood“ von L´Oréal abzugeben. Hat mich sechs neunundneuzig gekostet. Bin bereit, sie für sechs achtundneunzig abzugeben. Because, trust me – alles ist zu ertragen mit einem perfektem Blond.

20 Gedanken zu „BLOND. GLAM BLOND.

  1. Frau Klugscheisser

    Ich sag’s ja, im Grunde seines Herzens ist Gott Friseur. Und wenn hier schon bei 60 Euro gejammert wird, dann kommt nie in Süden, da fangen die Preise bei 50 erst an.

    [Blond für den schrecklichen Geburtstag ist überhaupt DIE Idee. Hat aber noch bis nächstes Jahr Zeit.]

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  2. glamourdick

    REPLY:
    wenn man außerhalb berlins ist ändert sich die schreibweise in „fotzenkopp“. sieht aber nur halb so schön aus finde ich. dann lieber „dickhead“.

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  3. kittykoma

    peanuts! die gala oder bunte wollte uns ladies letztens weis machen, daß das ultimative blond nur in l.a. für n tausender zu haben ist. und da sind die tips für alle 4 oder 5 assistenten schon dabei.

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