WAINWRONG

First of all: Ich liebe ihn immer noch. Ich gehöre ja auch nicht zu der Sorte Mensch, die sich beispielsweise die Rudebox nicht gekauft hätte nur, weil die Intensive Care so Scheiße war. Und ich kann nicht bei Rufus plötzlich ungnädiger werden als bei Robbie.
Aber das heutige Konzert im Admiralspalast-Studio hat alle meine schlimmsten Befürchtungen erfüllt. Zunächst mal: Solo. Keine Band. Das heißt, auf 70 % des Gesamtaterials verzichten, denn das geht nur mit Band oder fettem Orchester. Leider mag ich von den übrigen 30% 75 % nicht so doll. Danny Boy eröffnet den Abend und ich hasse dieses Lied. Es ist exemplarisch langweilig für die ganze erste CD. Dann stehe ich auch noch neben zwei Hetenpärchen, die sich über Ürrland (das sagen sie wirklich – „ÜRRRRRland“ hier „ÜRRRland“ da) austauschen. Einer der Kerle steigt mir ständig auf die Füße. Als ich auf dem Boden saß hatte ich seinen Arsch im Gesicht und ich bin wählerisch mit Ärschen im Gesicht. Ich musste schließlich aufstehen. Aber nicht nur die beiden Pärchen nerven – der gesamte Saal ist Scheiße. Das Admiralspalast-Studio ist unerträglich heiß, was zu ständiger Publikumsfluktuation führt. Es ist ein erschöpfendes, erschöpftes, unruhiges Rein Raus Rein Raus. Alle fächeln mit irgendwas. Rufus moderiert lieb und lustig und reiht ein unspekatkuläres Lied ans nächste. Ich werde nicht unruhg, weil ich es schon bin. Zwei schwule Glatzen knutschen fortwährend ohne jede Ästhetik, übel; wenn ihre Schädel sich begegnen sehen wir die Bühne nicht mehr, aber noch übler wird´s als eine der Glatzen einen Ausdruckstanz beginnt, ich glaube es war zu Going to a town. Piratin und ich haben erstmal genug und gehen eine rauchen. Also ich, aber Piratin ist auch nicht glücklich mit dem Konzert. Dann sitzen wir im Hof, der Wind bläst uns durch die Baumwolle und das Leinen und der einzige interessante Typ, der noch dazu ein kesses Hütchen trägt, tut es uns gleich. Raucht und ist etwas genervt. Und der sah auch auf den ersten Blick wie ein großer Fan aus.
Als wir wieder ins Studio zurückfließen hat Rufus Verstärkung auf der Bühne. Wenn ich nicht üüürrrre sind es die Streicher, die wir vor einem Jahr im Cookies gesehen haben. Die machen das alles fein. Aber der Spirit des Abends verharrt irgendwo weiter vorne, bis zu mir dringt er nicht durch.

Ich versteh das schon – es ist wirtschaftlicher, allein zu touren, ohne Band, aber dann muss man sich die richtigen Räume wählen. Kammern für Kammermusik. Theater für theatralen Pop. Opernhäuser für Popera. Aber nicht so eine schäbige Mehrzweckhalle wie das Studio des misgemanageten Admiralpalasts. (Das Konzert wird seit Tagen als ausverkauft beschrieben, aber an der Abendkasse gibt es noch Kaufkarten. Es hätten auch noch gut zweihundert Leute mehr reingepasst, es wäre noch etwas glitschiger geworden, aber – der Künstler singt doch sicherlich auf Beteiligung, da wäre es doch schön wenn man sein zahlungswilliges Publikum zu ihm ließe.)

Rufus zieht sein Jackett aus, darunter ein unspektakuläres weißes T-Shirt mit Namenszug.
Piratin: „Ich dachte auf den ersten Blick, da steht „Glam“ drauf.“
War aber nur Obama.
Piratin: „Das wäre dann so, wie Madonna, als sie „Britney“ auf dem Shirt stehen hatte.“
Except that makes me — Britney??
Das darf nur Britt. Weil ich weiß wie´s gemeint ist.

Again: Rufus, I still love you. And I´m willing to pay double the ticket price if I can see you again with a band. Or solo, but in a close cozy place where people don´t melt and leave ugly fat stains on the floor.

Wieder im Hof, es ist mittlerweile dunkel, sitzen die Piratin und ich auf Kunstrasen, von oben klingt Cigarettes and Chocolate Milk zu uns, die Friedrichstraßen-S-Bahn kreischt und ich bereue es kein klitzekleines bisschen, nicht oben in der Lagerhalle zu stehen und meinem Lieblingssänger bei seinem Vortrag zuzuschauen. Da stimmt doch was nicht, oder?

Again: Rufus, I still love you. Next time Volksbühne again? Pleeeaaaase!

4 Gedanken zu „WAINWRONG

  1. brittbee

    first of all: YOU could never be britney. ich trampel. aber der tag, und die leute, und die ekeltunten da… verzeih
    zum rest des textes: Ja. fuckin JA.
    aber wenigstens hatten wir schon mal den gipfel.

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  2. glamourdick

    REPLY:
    unforgettable. und mit sterntaler. und rate mal mit wem r.w. demnächst auf einer berliner bühne steht? mit g.d. (ehemalige arbeitgeberin). we´ll go ask shakespeare…

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