CALCIUM oder THE WINNER FAKES IT ALL

Die Handlung – fad. Die Szenerie – Ansichtskarte. Die Charaktere – eindimensional, wenn es hoch kommt. Die Choreographien – pupslustig, also die Grenze zum Peinlichen weit hinter sich lassend. Die Darsteller – mehr oder weniger hochkarätige Talente werden schamlos verbraten. Pierce Brosnan tut einem den ganzen Film lang einfach nur Leid, weil man ihn dazu bringt, das zu tun, was normale Menschen nur besoffen in Karaoke-Bars machen: singen, wenn sie es nicht können. Und gerade deshalb wird er mir erstmals sympathisch. Die Enkelin Filmtochter von Meryl hat soviel Talent, dass es wehtut. Man möchte ihr das Grinsen vom Gesicht wischen. Ihr Hengst: ein Schuss Heroin und er könnte akzeptabel sein, sein Körper ist es und sein Gesicht ist im Grunde ebenfalls Porno. Seine Anständigkeit macht, dass man dem Greis in der Kinoreihe vor einem auf die Glatze rotzen möchte, um ein Gegengewicht zu liefern. Christine Baranski und Julie Walters, beide alles andere als talentarm, dürfen schauspielerisch je eine Klangfarbe cellophan und natreen überreizen. Aber am Schlimmsten: Ständig mache ich mir Sorgen um Meryl, habe Angst, dass sie sich was bricht, bei all dem Hüpfen, Plumpsen, sich werfen, gefangen werden, pirouhettieren, winken, hüftschwingen. Ich denke nur immer Osteoporose. Sie ist ganz klar zu alt für die Rolle, aber was soll man tun, sie hat sichtlich Vergnügen dabei und dieses Vergnügen erhebt sich über alle anderern Widrigkeiten. Ja. Hier wendet sich der Text. Fast schon. Zuvor noch: „Mamma Mia“ ist schlecht. Und ja, ich werde ihn mir noch einmal anschauen, denn ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal soviel Freude hatte im Kino. Meine Füße wippten, mein Herz wurde kuschlig warm, ich liebte das Leben, sogar noch mehrere Stunden im Anschluss. Und niemand, da waren der Ereignishorizont und ich uns einig, hat „The winner takes it all“ je so richtig gesungen wie die Meryl.

Und jetzt hab ich schon wieder Lust. Frau Puls? Frau Bee? Herr Strike?

11 Gedanken zu „CALCIUM oder THE WINNER FAKES IT ALL

  1. kaltmamsell

    Guilty pleasures. Wenn ich schon auf keine Orgien gehe, darf ich mich wenigstens mit diesem Film weit unter meinem Niveau und aus voller Seele amüsieren.
    (Heute müsste der Soundtrack in meinem Briefkasten liegen. Auf dem laut Inhaltsangabe alle Schauspieler selbst singen. Alle.)

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  2. glamourdick

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    julie walters hat man glücklicherweise ziemlich runtergepegelt bei der aufnahme. und leider hat meryl „the winner“ nochmal ganz sauber eingesungen, ohne all das schöne drama oben. aber trotzdem hör ich die cd rauf und runter.

    es stellt sich jetzt aber die frage, warum Sie nicht auf orgien gehen, mademoiselle mamsell?

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  3. kaltmamsell

    REPLY:
    Ach, mir waren ja schon die jugendlichen Knutschpartys peinlich. Aber ich lese gern über anderer Leut‘ Orgienerlebnisse!
    Und jetzt schnell nach Hause und Neo-Abba hören.

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  4. glamourdick

    REPLY:
    die sachen, die uns peinlich sind, sind die sachen, die uns interessant machen. in diesem zusammenhang muss ich in kürze einen beitrag unter der überschrift EXPOSED verfassen…

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  5. luckystrike

    eigentlich würde es mir auch zuhause auf dvd reichen für später.
    mit abba gehts mir so wie mit mcdonalds: 1-2x im jahr scheint es eine gute idee und wirklich lustig, und beim zweiten bissen stellt sich schon das unwohlsein ein.
    den soundtrack mußte ich auch schon aus der rotation nehmen bei mir.
    yes, partypoop, me.

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  6. luckystrike

    REPLY:
    da wäre ich dann deutlich gerner und lieber mit bei.

    btw: ich mag ja meryl streep, aber ich frage mich manchmal, ob sie das label „ernsthafte schauspielerin“ so schnell und dauerhaft bekommen hätte, wenn sie hübsch wäre.

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