ERWACHSEN

Und beim Versuch, dem Hund das Essen aus dem Maul zu zerren, das dieser vom Bürgersteig aufgelesen hatte, und es könnte ja vergiftet sein, da wurde er am Daumen vom Eckzahn erwischt, ein richtiges Loch im Finger und wütend und schockiert und den blöden Hund verfluchend rannte er nach Hause und konnte sich immer noch nicht beruhigen und all dies verwirrte den Hund, in Hundejahren sogar jünger als der Junge, enorm, war er doch nur einem seiner Grundbedürfnisse nachgegangen – man lässt sich das Essen nicht aus dem Munde rauben.
Die Mutter tröstet den Jungen, erklärt das Verhalten des Hundes, dass es keine Absicht war, dass der Hund sich schon jetzt an nichts mehr erinnert, doch der Junge ist nicht einsichtig. Sein Daumen ist verletzt und sein Hund, neuestes Familienmitglied, hat ihn verraten. Auch der Verräter ist ob des Tumults verstört.
“Das wird eine Weile dauern, bis er dem Hund vergeben hat” prognostiziert die Mutter. Und als eine Stunde später die Tür aufgeht und der Junge reinkommt und sich neben dem Hund auf die Hundedecke legt, da bin ich ganz gerührt. Und erinnere mich an das Gefühl, das der Junge gerade für den Hund hat. Ein ganz junges Verantwortungsgefühl, ein Beschützerinstinkt, der aus tiefer Zuneigung wächst. Und dann schaue ich die Mutter an und sehe da auch etwas, das viel größer ist als Stolz, dass ihr nämlich auch gerade das Herz aufgeht. Mit dem Familienzuwachs wachsen alle.

Und wer jetzt findet, das sich das liest wie das Wort zum Sonntag, der war einfach nicht dabei.

3 Gedanken zu „ERWACHSEN

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