FAR FAR AWAY

Die Alpträume der vergangenen Wochen, vorher. Basierend auf konkreten und diffusen Ängsten. Kaputt und krank, wie es sich für die Stadt gehört, Berlin Dein Gesicht hat Erbsenbreikotze am Kinn. Und kaum einen Tag raus, nach dem üblichen Klimatisieren auf Familie, wo meine Ängste und meine Sorgen nur ein Teil des Gesamtbildes sind, wie es für sie korrekt ist. Mein Gesamtbild umfasst nicht viel mehr, als meine direkte Umwelt, und vor der schließe ich abends die Tür, und von unten auf der Straße kommt nur das Hupen von Eingeparkten hoch.
Aber dann in dem alten Haus, das jetzt fast leer steht, dem Garten sieht man es auch an, dass er fast ein Jahr ohne jemanden ist, der sich um die Details kümmert. Den Dachboden nochmal anschauen, bevor sich vielleicht doch ein Käufer gefunden hat, den Keller. Den Weg zum Badesee spar ich mir lieber, hier oben im Sommer ist es noch viel schöner als 50 Kilometer weiter unten, wo ich aufgewachsen bin. Totale Stille. Duft von Wald und Wiese, der Bach, der so ruhig fließt, dass man nicht einmal von Plätschern sprechen kann. Und da, am Sumpfteich entspringt der Fluss, an dem entlang man hoch in die Berge fährt. Ich mag solche Strecken – immer an der oberirdischen Ubahn lang, oder eben hier – immer am Fluss lang, dann kann man´s nicht verfehlen.

Jedes Mal spiele ich mit dem Gedanken. Spiele. Nicht ernsthaft. Aber ein gegenteiligeres Leben zu dem, das ich in Berlin, Deutschland lebe, ist kaum vorstellbar. Aber dann rede ich mir zu: der Winter hier oben dauert einen Monat länger als unten. Im Kaff gibt es nicht einmal einen Supermarkt (geschweige denn Karstadt Hermannplatz). Das Bergvolk ist bockig, hier lernst Du als Zugereister niemanden kennen, denn selbst wenn ein Teil Deiner Familie hier schon seit 300 Jahren lebt, wärst Du niemand der dazugehört oder dazugehören wollte. SCHNEEKETTEN. Das Haus ist so verbaut, man weiß nicht wo man mit renovieren anfangen sollte. Aber dennoch, der Gedanke lässt sich nicht abwimmeln. Aber so ist es ja mit ihnen, den Gedanken. Du kannst sie nicht wegsperren. Sie sind ja bekanntlich frei.

14 Gedanken zu „FAR FAR AWAY

  1. kittykoma

    wenn ihr wüßtet, wie ich euch landkinder beneide um diese herumstehenden erbteile.
    wenn ich nicht kaufen müßte, wäre ich längst weg aus good old berlin.

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  2. glamourdick

    REPLY:
    anfang juli fahr ich nochmal. da wird noch etwas enträumt und entrümpelt. und ich hoffe, dass der badesee dann mehr als 11° C hat. könnse gerne mitkommen!

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  3. Roulette

    ich darf mir ja so ein häuschen mit meinen zwei cousinen und den noch bestehenden älteren herrschaften teilen. hat auch was. sommerfrische. verkaufen will das niemand.

    ps: bün wieder da.

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  4. timanfaya

    ein schöner gedanke. als jemand, der nicht wirklich damit gerechnet hat mal ein haus von der bank zu mieten eigenes altes haus zu besitzen kann ich heute nur sagen: wenn ich eine mauer wegreissen will mache ich das. oder ich mal sie erbsenbreikotzfarben an. das beste daran ist jedoch der eigene garten. bäume fällen, holz hacken, graben, steine stapeln. das hat was. jodeldiplom und so …

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  5. luckystrike

    REPLY:
    wirklich!? Warum eigentlich nicht?
    Aber sollen wir nicht mit dem Luckymobil fahren, obwohl das Komamobil bestimmt schneller ist, aber da darf ich doch bestimmt nicht rauchen?

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