WER NIX WIRD

Ich begrüße das ja, dass an jeder Ecke zwischen Schlesischer und Görlitzer Straße neue Cafés aufmachen, die alle irgendwie gleich aussehen – Sperrmüll und kahle Wände. Dort gibt es Gebäck, das auf nette Art und Weise selbstgemacht aussieht und bestenfalls auch so verursacht wurde und nicht einer Backmischung oder einem Genlabor entstammt. Es gibt dabei sehr gute Cafés mit fantastischem Kaffee und schmackhaftem Backwerk – dieses kleine, das man fast übersieht, in der Wrangelstraße kurz hinter der Skalitzer beispielsweise. Spanischer Name, der mir nicht einfällt. Aber gestern wollten wir auf Nummer sicher gehen, also in den Salon sucré – Kreuzbergs bester Konditor – aber der hatte zu, also sind wir die Görlitzer hoch, aber nicht so hoch, dass man an den Hühnchendämpfen erstickt, und in ein weiß gestrichenes Dings, eine Quiche bestellt.
“Was habt Ihr denn für Weißwein?” Die Bedienungen schauen sich entnervt an.
“Wir haben welchen hinten, aber ich weiß nicht, ob wir den verkaufen dürfen.”
“?!”
“Der is auch warm.”
“?!. Dann hätt ich gern einen Sekt auf Eis zur Quiche.”
“Sekt ham wa nich.”
“Prosecco?”
Kopfschütteln.
“Dann bitte eine Cola light.” Da möchte ich eigentlich schon gehen. Sekt auf Eis hätte für die Bedienung vermutlich bedeutet, einen einsamen Eiswürfel in einen Sektkelch zu werfen – ich hätte ihr erklären müssen, wie das geht, und dann hat sich ein Laden eigentlich schon disqualifiziert.

Herr Schmidt bekommt ein Glas Milch (Bio H-Milch!) mit einem Schuss Kaffee und ordert einen Espresso nach, um sich die Latte macchiato herzustellen, die er bestellt hat. Ich muss auf den Frust erstmal rauchen. Die Bedienung bringt unsere Speisen und lässst die Gelegenheit verstreichen, mir einen Aschenbecher auf den Tisch zu stellen. Ich hab aber auch kein Problem damit, den Boden zu benutzen oder eine Untertasse. Die Quiche ist wohl auch Bio. Arm an Geschmack und Gewürz. Die beiden Bediensteten unterhalten sich mit Gästen und allein für ihren Laberton möchte ich der Ische ein Bein stellen. Larmoyante weinerliche Fruststudentin, die glaubt, es mit ihrem Piefcafé geschafft zu haben. Ihr dicklicher Kollege ist auch kein Servicetalent.
Ich fühle mich an eine Episode mit dem Skailight erinnert. Schlesische Straße, dieses Kaffeehaus mit den arschigen Kellnern.
“Ich hätte gern eine Bloody Mary.”
“Ham wa nich.”
“Haben Sie Tomatensaft?”
“Ja.”
“Haben Sie Wodka?”
“Ja.”
“Dann bringen Sie.”

Der Gedanke des Nachbarschaftscafés ist doch eigentlich ein guter. Preiswert, nahe gelegen, symapthisch, heimelig. Selbst arrogante Bedienungen haben was (hochschwangere Frau im Morena: “Ich hätt gern einen Milchkaffee, könnten Sie etwas mehr Milch hineintun als üblich?” Kellnerin: “Nö.) Aber wenn Inkompetenz auf Arroganz trifft, dann warte ich doch lieber, bis der Salon sucré wieder aufmacht, denn dort gibt es zur Quiche einen fantastischen französischen Chardonnay, und dann gibt es ja noch die unzähligen anderen neuen Cafés, die es zu testen gilt. Die Konkurrenz. Schläft nicht.

5 Gedanken zu „WER NIX WIRD

  1. glamourdick

    REPLY:
    sowas gibt auch am schlachtensee! da stand ich gestern in einer wolke aus altfett, war aber nich schlümm, weil vor mir der erzengel gabriel stand, keine flügel, aber sonst alles dran, sogar seine großen zehen waren von einer überirdischen schönheit, sein profil münzentauglich, und er bestellte currywurscht.

    futterklappe. das nenn ich eine schwule geschäftsidee!

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