STRUKTURANALYSE

Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.
Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.

(Rilke: Erinnerung)

Es gab beim besten Willen nichts zu berichten, im Job herrscht Hochsaison, da habe ich nach nem Arbeitstag noch Energie für Nahrungsaufnahme, einen Film und dann schlafen gehen. Uninspiriert reise ich dann an den Vormittagen Internetseiten ab, auf der Suche nach etwas zu suchen. Darüber schreiben? Ach nö. Und so vergehen dann paar Tage, an denen ich nichts zu Papier bringe und letzte Nacht wache ich auf aus einem Alptraum voller Strukturen und Räumungsarbeiten. Wie wenn Stephen King eine Horrorstory über ein Emailfach schreibt. Tatsächlich werde ich im ersten Teil des Traumes irre darüber, mein Emailfach zu ordnen. Und im zweiten Teil dieser Auftritt, den ich vorzubereiten habe, wo alle um mich herum völlig durchdrehen und rumschreien. Außer meinem Ex, dem Tierarzt, der sich ganz freundlich bereit erklärt mir zu helfen, ein Angebot das ich gern annehme, zu gerne, denke ich noch. Dann trage ich einen Stapel Kleidung die Treppe hoch und mein Ex trägt einen Stapel in die andere Richtung und ich wache verwirrt und genervt auf, jetzt auch mit Halsschmerzen, und mir wird klar, weshalb ich selbst Schreiben muss, wenn ich es nicht will oder für nötig halte – weil die Denkstrukturen, die ich für´s Formulieren verwende, mir Halt geben. Eine ähnliche Erkenntnis erlangte ich einst, als ich aus abgründigstem Schmerz heraus vor mehr als zehn Jahren mit der Schreibphase begann, in der ich mich jetzt noch befinde, allerdings weitestgehend schmerzfrei. Es geht immer noch darum, die Gefühle in Bahnen zu lenken, wo sie einem möglichst wenig anhaben können. Einerseits beunruhigend. Andererseits beruhigend. Also. Weiterschreiben.

2 Gedanken zu „STRUKTURANALYSE

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