DO YOU WANNA DIE HAPPY?

Ich mag meinen Roomie wirklich sehr, aber er muss definitely sehr sehr zügig lernen, wie man die Wohnungstür geräuscharm schließt, insbesondere, wenn er sie in den frühen Morgenstunden häufiger zum Herein- oder Herauslassen verwendet, was dazu führte, dass der Schlaf des Protagonisten dieses Lebens mehrfach und schließlich dauerhaft unterbrochen wurde. Vielleicht indes ist dieser frühmorgendliche Blog-Eintrag an einem Morgen, der eigentlich noch im Bett verbracht werden könnte, auch ein Zeichen des Alterns – senile Bettflucht; lieber wäre mir allerdings ein exzentrisches Altern im Sinne von Cher, die im selben Alter war, in dem ich jetzt die Erde bewandle, als sie den gestrig geposteten Mini-Spielfilm drehte. Reicht mir den durchsichtigen Catsuit und ein Band Gaffer-Tape. (Stattdessen mache ich mir einen Morgentee, und höre laut „Revolver“ von Madge, mein exzentisches Altern ähnelt doch eher dem einer britischen Krimi-Schriftstellerin. Zur Strafe jetzt Gaga mit „Telephone“, laut, und ein Hustenanfall, danach vielleicht „Single Ladies“. „Paparazzi“!!!! Glauben Sie etwa, dass die Beales einen Wecker hatten??)

Thema britische Schriftstellerinnen. Mein liebster britischer psychologischer Thriller: Genevieve, 32, arbeitet als Altenpflegerin in einem poshen Seniorenheim. Eine ihrer liebsten Residents ist Stella, eine wahre Lady, die langsam an Lungenkrebs stirbt. Sie legt wert auf ihr Äußeres, ist intelligent mit aristokratischem Flair und hat Genevieve in ihr Herz geschlossen. Beide Frauen haben ein Geheimnis. Genevieve, seit 13 Jahren verheiratet, hat eine Affäre. Stellas Geheimnis ist düsterer. Beide werden sich ihre Geheimnisse erzählen.

Was Barbara Vine in „The Brimstone Wedding“ gelingt: eine Atmosphäre zu kreieren, wie ich sie in keinem Thriller je erlebt habe. Das Ende eines wunderschönen Sommers, man sieht die Charaktere in flirrendem Licht, mehr als in Krimi-Schatten; Landschaften, wie sie Thomas Hardy beschrieb, nun aber in der nüchternen, klaren, nie überbordenden Sprache von Ruth Rendell/ Barbara Vine. Miss Vine, auf der Höhe ihres kreativen Schaffens, so Mitte der 90er, ich ziehe meinen Hut, ich bin neidisch und voller Ehrfurcht. Das Beste, was man sich im herbstlichen Spätsommer so geben kann. Allein schon der Titel! Schwefel-Hochzeit. I mean…

Ich spüre gerade noch einen anderen Text kommen. Vielleicht sollte ich dem Roomie doch nicht böse sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.