WE EVEN HAVE A BEARDED LADY! oder DISCLOSURE

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Very pathetic sitze ich vor dem Foto, für das es nur die eine Regie-Anweisung gab – möglichst sinnentleert kucken, das hat die Garbo genau so gehandhabt, er ließ immer viel Raum für Interpretation, dieser Blick ins Leere, sitze ich also und glotze mich selbst ins Leere schauend an, und doch nicht mich selbst. Das Foto ist Hommage an ein anderes, kaum bekanntes Foto des MGM-Fotografen Clarence Sinclair Bull. Mit diesem Foto verbindet mich eine lange Geschichte und die habe ich in dem Roman verarbeitet, auf den wir alle noch ein Jahr warten müssen.

Ich sehe in dem Foto mich und zugleich die Dame, der die Hommage gilt (nicht die Garbo, übrigens, ein anderes Gespenst), und die Verschmelzung, und das bringt noch einmal alles an Gefühl hoch, was das Schreiben und Lesen und Überarbeiten des Romans ausgelöst hat. Dieser perfekte Mischmasch aus meiner Erlebniswelt und die zeitgleiche Absenz von mir selbst als Figur im Roman. Ich merke, das Buch bin ich. Da sind soviele Splitter Glam drin, dass mein Erstleser, Herr Strike, der mich schon viele Mitternächte kennt, die blanke Freude daran hatte, all die Referenzen herauszudetektieren. Der Roman funktioniert auch ohne diese Nebenwirkung, sonst hätten mich keine so wunderbaren Agentinnen wie Svealena Kutschke und Hanne Reinhardt – und die für mich – den 1st class-Verlag gefunden.

Meine Agentinnen finden, wir sollen das Portrait als Autorenfoto verwenden, und ich sinniere jetzt schon seit Wochen darüber, ob ich das möchte. Denn eigentlich haben sie Recht – ursprünglich hatte ich eine Autorin für den Roman erfinden wollen. Ich lese selbst lieber Autorinnen als Autoren. Das Foto passt zum Roman. Die Frau im Foto hätte ihn gut schreiben können und immer wieder kreist die Handlung um sie. Andererseits bin ich eitel und will als ich selbst für das Buch verantwortlich gemacht werden, nicht in einer Travestie. Vielleicht kann ich es aber auch einfach so handhaben wie jetzt hier erklärt. Das AutorInnenfoto zeigt die Summe von Roman und Autor. Für Lesungen kann man dann aber nur den Autor MIT dem Roman buchen, nicht die Inklusive-Version. Die gab es nur einmal, am Tag des Shoots und gebannt in dieses Bild, und an dieser Stelle Hut ab und Dank an Frank Burkhard, der das Foto gemacht hat – I love you even more now, wenn das überhaupt möglich ist. Danke an Betsy Niederkron, die mich in diese Frau verwandelt hat. Danke an Britta Dahlmann, die aus ihrem Fundus die downright perfekte champagnerfarbene Jacke hervorzauberte, und Danke, Jana Kunath für den von mir gehätschelten und gepflegten Polarfuchs, den es im Originalfoto gar nicht gab, aber ohne den sich die Autorin vermutlich nie wieder fotografieren lassen wird.

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4 Gedanken zu „WE EVEN HAVE A BEARDED LADY! oder DISCLOSURE

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