LIONHEART

Es ist das kleinste der drei Zimmer. Früher das Gästezimmer, seit ein paar Jahren das Arbeitszimmer. Nochmal etwas ungünstig feng-un-shuit durch einen seltsamen Dachbalken – der teilt so eine Art Alkoven ab. Die Regale stehen da wall-to-wall. Davor das absolut unmögliche Sofa, damit es etwas weniger unangenehm auffällt liegen Elefantendecken drauf und viele Kissen. An der freien Wand Marilyn als Theda Bara und Greta Garbo, sowie Disney´s Schneewittchens böse Stiefmutter. Im anderen Abteil des Zimmers steht der Schreibtisch, voll mit Papieren, Briefbeschwerern (eine Muschelpyramide, Tink, eine glücksbringende Hindu-Göttin, gerahmte Bilder, ungerahmte Fotos, Telefon, Mac, eine Einwegkamera aus dem Jahr 2003, noch nicht entwickelt. An der Wand überm Schreibtisch Zeitungs-Clippings, die gerahmte Aufmerksamkeitspille von Svenja Hehner, Zeitungs-Cover („Julia Roberts attacks Lover´s wife“, Julia Roberts hat entbunden, Kate Bush eine neue Platte, Devendra einen Bart), das Autogramm von Doris Day, die Fotos von Kai und mir an Marilyns Grab, ich mit Michi, ich mit Dolly, ich mit Michi und Dolly. Diana mit zwei Kindern auf dem Arm – hatte mir M.M. aus M. aus London geschickt. Zwei Blogeinträge als Ausdruck: einer von der Spreepiratin, einer von Bomec. Mails von Cora Frost. ein halbes Dutzend Postkarten, ebenfalls von ihr. Ein plastinierter Hamster, Diana und Charles, darunter der Schriftzug „Aus“. Ein untrinkbarer Piccolo, den mir mal jemand im Deutschen Theater gestiftet hat. (Reizende Erinnerungen ans Deutsche Theater). Ein Foto von meinem Eltern am Küchentisch. CD-Marker, Kulis, Lamy-Füllfederhalter. Posts its. Zwei Lieblings-Post-its: auf einem die Notiz „my favourite Queen in kelly green“, auf dem anderen: „Famke, Laura, Skarsgard“ in grünem Filzstift. Mit rotem Kuli hinzugefügt: „Zach Quinto“. Matthew Shepard, ich mit D.D. aus D., ein Bild und eine Collage, die meine älteste Freundin von mir angefertigt hat, darauf ein Zitat von Bob Dylan: „She disappears at sunrise, I wonder where she goes until the night comes falling down again, she shows up with her friends, half alive.“ (Da war ich 20.)
Der Schreibtisch ist so ca 1890, dank einer blöd angebrachten Schublade sitze ich immer etwas ungesund schräg davor, auf einem Ikea-Bürostuhl mit Fake-Leofell, rechts neben mir eine Zeitungsablage, links ein Teetisch, beide vom Flohmarkt am Boxhagener Platz. Die schräge Lampe, die nach Shanghai Express aussieht, ist vom Türkenmarkt an der Arena. Wo ich die Mini-Komode aus den 50ies her habe kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Auf dem Fensterbrett Gegenstände aus buntem Glas und ein Chanel-Brillenetui. Ein Aschenbecher aus dem Haus im Harz. Die Lieblingsteetasse, ebenfalls von dort. „Zum Andenken“ steht da in Gold auf Rosa. Der Music Angel in Magenta, darin der Ipod. Er spielt „The Kick inside“ und ich wickle mich in ein Fell, mach die Magnolienlichterkette an und leg mich aufs Sofa und lese weiter in der herausragenden Kate Bush-Biographie „Under the Ivy“ von Graeme Thomson.

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