UNDER THE IVY: THE LIFE AND MUSIC OF KATE BUSH by GRAEME THOMSON

Wenn eine Musikerbiographie einen dazu bringt, sich das Werk eines Künstlers (das man glaubt komplett auswendig zu kennen) noch einmal unter den neu hinzugelernten Aspekten anzuhören, dann muss es eine sehr gute Biographie sein. Und wenn das Ohr gerichtet ist, dann entdeckt man, dass diese Frau Bush eine der ersten war, die nicht einfach ein Lied komponierte, sondern Soundscapes gestaltete. Selbst, wenn sie nur am Piano sitzt und singt – man kann sicher sein, dass sie einen Raum für den Klang geschaffen hat, der ihrem künstlerischen Anspruch gerecht wird. Bei der Masse von Möglichkeiten, die einem ein modernes Tonstudio bietet, ist es also nicht überraschend, dass sie so lange für ein Album braucht. Für jedes Instrument sucht sie den passenden Musiker. Wenn das abgelieferte Material nicht ihrer Vision entspricht gibt es einen herzlichen „I´m sorry“-Brief.
Zur Zeit, als Synthesizer-Sound hip wurde, war sie längst einen Schritt weiter und wusste mit dem Fairlight umzugehen – ihn wohldosiert einzusetzen. Ihr musikalischer Ansatz war schon immer spiritualisiert, ganzheitlich. Sie selbst sagte, es käme letztlich alles aus der Muschi. Not the worst place to start. Das Cover von „Never for ever“ zeigt, wie Dämonen und Fabeltiere unter ihrem Rock auffliegen. Lass es raus!

Irgendwann, „I felt as if my writing needed some kind of shock“, begann sie eine Komposition mit dem Beat und kam von dort zu den Akkorden, Melodien und Worten. Das ist ein weiter Schritt weg von den Kathy-Demos und die Geburtsstunde einer wahrlich genialen Musikerin, mehr eben als eine großartige Komponistin. „The Dreaming“ überforderte damals die Kritiker, weil es zehn Jahre weiter war, als alles andere auf dem Markt. Das Album hört sich auch heute alles andere als verstaubt an. Ihre Hommage an „The Shining“: „Get out of my House“ ist vielleicht der irrsinnigste Pop-Song aller Zeiten.

Ich bin dankbar für Kate Bush, diese Frau, die immer ein noch biggeres picture sieht als wir. Und dieses Bild zu zeichnen verlangt ein Höchstmaß an Präzision, das ich ihr gern zugestehe. Es kommt nicht darauf an, wie lange man wartet, sondern auf wen man wartet. And I´m still waiting.

Angeblich ein Lied über Wissen. Ersetzen Sie „Wissen“ mit „Schöpfung“ im Sinne des kreativen Prozesses.

2 Gedanken zu „UNDER THE IVY: THE LIFE AND MUSIC OF KATE BUSH by GRAEME THOMSON

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