dämonencontroller

Dieses Gefühl leicht sedierter Unruhe beim Autofahren, dann, beim Durchqueren von Menschentrauben in Mitte die Attacke, die ansetzt; der Versuch, sie niederzukämpfen scheitert, das merke ich, als ich versuche, eine Zigarette zu drehen, während ich mich viel zu nah dran an anderen Menschen an die Straße setze. Also rauche ich eine Lucky und versuche, das Zittern in den Griff zu bekommen, was auch irgendwie nicht gelingt. Dann kommt die G. und ich erläutere meinen Zustand, sie hat mich so noch nie gesehen. Wir laden weitere Picknickutensilien ins Auto und fahren durch die Freitags rush-hour.
An dieser Ecke der Havel war ich bestimmt zehn Jahre nicht, aber ich finde die richtige Seitenstraße von der Heerstraße und dann ist auch schon Wald. So ein Wald, wie er auch schon vor hundert Jahren war, Natur quasi westmittig entlang der Hauptstadt, der Grund, warum es sich hier aushalten lässt. Wir laufen durch Sonne und den Schatten der Bäume, der Fluss ist shiny und sparkly und dann finden wir eine kleine Bucht und einen Platz am Wasser. Die G. betrachtet die Welt immer in großen Zusammenhängen. Sie meint, wo viel Gutes passiert, da steht der Teufel daneben und will sich einmischen. Sie hält auch nicht viel von Horror-Romanen. Als ich ihr die Handlung erzähle, kommt mir alles sehr Freudianisch vor. Da ist diese Gruppe von Menschen, die muss Dämonen wieder dahin bringen wo sie herkommen und dann den Tatort reinigen. Sounds familiar? Und, ja, die existieren nicht nur in den Stunden, in denen ich schreibe, sondern im Zeitraum bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe, über den Schreibprozess hinaus in der Vorstellung, manchmal träume ich von ihnen, was mich meist freut, weil sie mir so vertrauter werden, dann bis das Buch redigiert lektoriert und veröffentlicht ist, als Erinnerung.

Wie, um zu zeigen, wie schön und harmlos diese Welt ist, tapert eine Gruppe Baby-Enten auf uns zu und belagert uns. Flaumig befederte Leichtgewichte huschen über meine Beine auf die Picknickdecke und schauen, ob noch etwas für sie da ist, aber wir haben alles aufgegessen. Wir beobachten Angstlosigkeit pur. Die Enteneltern stehen etwas alarmiert abseits, der Vater ziemlich aufgeplustert.

Den Sundowner nehmen wir auf der „Alten Liebe“, auch so eine WestBerlin-Institution. Ich schaue hinab auf schwarzes Wasser, das exakt aussieht wie in Katias Glam-Skultptur. Die G. trinkt Riesling, ich ein Radler, es gibt Spargel. Dann ist die Sonne hinterm Wald versunken und binnen zwanzig Minuten sind wir zurück im Herz der Hauptstadt mit seiner verkalkten Arterie, der Friedrichstraße, wo sich auch nach Sonnenuntergang die Autos stauen. Es liegt wirklich alles sehr nah beieinander.

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