TRY SHAKING IN MY SHOES

Gestern dann also die Überwindungsaufgabe, die mir das Leben etwas einfacher machen soll. Ich geh auf den Laden zu und biege kurz davor wieder links ab. Ich habe zwanzig Tropfen Medikament in mir – fünfzehn hatten mir nicht die Anspannung/ Nervorsität/ Petra genommen. Fünf drauf, merke ich, machen wirkungstechnisch auch nicht mehr aus, was die Nebenwirkungen angeht schon. (Ich habe den ganzen Nachmittag geschlafen. So eine Dosierung bremst die Panik auf einer Skala von 1-10 auf 3 runter, aber leider macht sie mich gleichzeitig arbeitsunfähig). Ich hol das Telefon raus und rufe Strike an.
„Marschieren, stramm laufen, zwanzig Minuten, und dann nochmal versuchen.“
Das bedeutet aber auch zwanzig Minuten weiteren quälerischen Sinnierens und Selbstverfluchens. Aber der Rat hilft, selbst, ihn nicht anzunehmen, bzw das Problem doch anders zu lösen, ist dem Vorschlag Herrn Strikes zu verdanken.
Ich gehe in den Laden, außer mir keine Kundschaft, begrüße die freundliche Verkäuferin.
„Du – hast Du mal ne Minute, ich hab zwei Anliegen. Ein echt doofes und ein ganz triviales.“
„Oh. Na dann erzähl mal.“
„Ich hab eine Panikstörung. Ich bekommen in den ungünstigsten und dümmsten Zusammenhängen Panikattacken. Gerne in Läden. Deshalb sag ich´s Dir. Wenn ich zittere oder aussehe, als ob ich gleich in Ohnmacht falle, dann ist das eine Attacke. Kannst Du einfach ignorieren.“
„Klar, kenn ich. Ich hatte mal nen Freund, dem ging das genau so. Mit dem musste ich richtig lernen, wieder raus zu gehen – Essen, einkaufen. Hast Du das schon länger?“
„Ja. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie. Das ist mein erster Einkauf seit Wochen, den ich allein mache.“
„Kein Problem. Und das andere Anliegen?“
„Ich bräuchte für Freitag fünf Kisten von dem spanischen Chardonnay und vier mal Eis. Aber klötzig. Nicht crushed.“
„Machen wir. Kannst Du Dir Freitag abholen!“

Auf dem Weg nach Hause kurze Heulanwandlung aufgrund einer Mischung aus Erleichterung und frisch erlittener Selbstdemütigung. Schwer zu beschreiben, wie auch die Symptome selbst. Man kann versuchen, sie in Worte zu kleiden, aber doch reicht es nicht aus, dieses permanent vorhandene Gefühl von Ausgeliefert-sein, von ständig-weiche-Knie jemandem klar zu machen, der es selbst noch nicht erlebt hat. Nicht dass ich es jemandem wünsche. Doch, vielleicht dem Wichser, dem ich das zu verdanken habe, aber den hat das Leben selbst schon bestraft. Heute alles soweit prima. Habe außer Miete überweisen (done) und Schreiben (next) nichts zu tun. Am Nachmittag vielleicht ein Parkspaziergang und eventuell Abstecher zu Karstadt, Make-up kaufen. Sable-Zeit ist vorbei, Beige Doré for the month of June.

2 Gedanken zu „TRY SHAKING IN MY SHOES

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