Kategorie-Archiv: Lessons in Glam

FEELING SUPER-DOOPER oder GLAMOROUS ROAD RAGE

Nach 20 Minuten Parkplatzsuche und immer nur Parklücken, geeignet für die Scheiß-Drive-me-Mini-Cooper, wird schräg vor der Haustür ein Parkplatz frei. In zweiter Reihe davor: ein Scheiß-Drive-me-Mini-Cooper. Blinkt aber nicht. Parke ich also amerikanisch ein. Zwei Passagiere des Drive-me, Optik Jung-Münchner, stehen am Bürgersteig und sind nicht glücklich “Na das ist aber ganz schön frech”. Definitiv keine Berliner, das hätte eher so geklungen – “Ey Alter, mach die Biege oder ich schneid Dir die Eier ab!”. “Na wie soll ick wissen, wo der hinwill, wenn er nich blinkt, ey?! Jibt noch jede Menge Drive-me-Parkplatze paar Häuser weiter.”
Anstatt mir auf die Fresse zu geben, steigen die Jungmünchner wieder in den Wagen. Als der wendet, sehe ich, dass es ein fetter Kombi und kein Mini-Cooper ist. Hoffe, dass alle meine Reifen heute noch intakt sind. Touristen sollen fucking Ubahn fahren und nicht den Bewohnern von Trendkiezen die Parkplätze wegnehmen.

Hat mir jedenfalls nen enormen Rush gegeben, so Angst-technisch.

JOIE DE VIVRE

Man beachte vor allem auch den Lichtwurf der Pailletten an der Wand, die blaue Blume der Romantik auf dem Balkon, den zarten, edlen Flauschrausch vom Miss Komas Polarfuchs, die “Immortelle”-Karte von meiner Anglistik-Fakultäts-Sekretärin und den güldenen Silberblick Faye Dunaways. Rechts am Hocker lehnend, neben dem Bild der Melrose-Miezen – das Geburtstagsgeschenk für meine Schwester, und ganz rechts, im Anschnitt, für Eingeweihte, die Wakefield-Poole-Collection mit der Ur-Fassung von Boys in the Sand. So sieht ein goldener Sonntag aus! (Man ignoriere den ungewaschenen Zustand der Fensterscheiben, das wäre frisch geputzt dann echt too much.)

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Jetzt einen Kaffee und am Nachmittag freu ich mich auf Strike, Koma, la Nina und dann kommt auch noch Couchie-Lee auf Luckies Terrasse. Noch perfekter könnte das gar nicht sein, ist es aber. Weil ich mich die ganze Zeit außerordentlich auf morgen vorfreue.

Der dazugehörige Soundtrack: All of Nena auf shuffle.

GLAM´S OWN CARNIVAL OF CULTURES

Und wieder so ein unverschämtes Glück gehabt im aktuellen Couchie, dieses Mal ein Gleichaltriger Aus San Francisco, relaxt im Umgang, jemand, der einen auch ungeschminkt sehen darf und mit dem man gern über Erfahrungen und Vorlieben spricht, was einen verbindet, aber nicht, was Sie gerade denken, sondern ganz unschuldig. Und trotzdem ist es schön, wenn ein Kerl in Unterhose durch die Wohnung läuft und Berlin sich von seiner (oder ihrer?) schönsten Maiseite zeigt. Für das andere dann nachher ein Date. Mit einem echten Schwulen! Frühling eben.

Lois Banner: “Marilyn: The Passion and the Paradox”

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Ein paar Besuche im neuen Lieblingsbuchladen bin ich um das Buch herumgetanzt. Vom Regal genommen, geblättert, zurückgestellt. Nachdem der Laden ja von einer Dame betreut wird, deren Buchgeschmack ich vertraue -
“Ich hab schon mehrere Dutzend Marilyn-Biografien. Brauche ich noch eine?”
“Die ist anders.”
Gekauft. Die Lese-Erfahrung in einem Satz zusammenfassend: Wenn Sie in Ihrem Leben EINE Marilyn-Biografie lesen müssen, dann diese. Lois Banner, Historikerin und Gender-spezialisiert, hat eine enorme Recherche-Arbeit betrieben, frühere Biografien auf die Authentizität ihrer Quellen überprüft (oft mit krassen Ergebnissen) und das erste Buch geschrieben, das Marilyn in ihrem historischen Kontext, bzw in ihre historischen Kontexten betrachtet. Eine Kindheit in den 20er und 30ern, elf verschiedene Pflegefamilien, ein Aufenthalt im Waisenhaus. Eine erste Ehe in den 40ern, der Weg von der Kindsbraut über die Arbeit in der Fabrik bis zum ersten Model-Shoot, dann der langsame, zähe Aufstieg ins Model-Business, die konsequente Karriereleiter – endos lang und mit zersägten und fehlenden Sprossen, schließlich die Erschaffung von Marilyn Monroe und eine 12 Jahre währende Karriere, die von Kämpfen um Image und Selbstwert geprägt war, um Kunst inmitten einer Industrie. “She did it the hard way” steht auf Bette Davis´ Grabstein, dies trifft auch auf Marilyn zu. Psychische Probleme, die in Richtung Borderline-Persönlichkeit tendieren, ein Mensch zwischen Neurose und Psychose, der ein Engel sein konnte, wenn man ihn ließ, der aber einfror und zumachte, wenn nicht. Die massiven Angstzustände vor einem Auftritt, die Unfähigkeit, den Trailer zu verlassen, wenn sie sich nicht ausreichend vorbereitet fühlte – der Konsum von Medikamenten, die nicht wirklich halfen, aber schwer abhängig machten. All dies erklärt sich, wird verständlich, wenn man sich die Möglichkeiten vor Augen führt, die es zu Marilyns Lebzeiten (noch) nicht gab. Das amerikanische Mindset der 50er und frühen 60er, die Verklemmtheit in Sachen Sexualität – Marilyn taucht da als Lichtblick auf. Als ein Mensch, der mit kindlich-konsequenter Logik ist, was er ist – ein sexuelles Wesen, und in dieser Natur gleichzeitig völlig rein und un-verschämt. Die Leichtigkeit ihrer Darstellungen und die Unverkrampftheit ihrer Model-Posen (ab Mitte der 50er, als sie die Hollywood-Glamour-Cheesecake-Phase hinter sich gelassen hatte und sich dem Fotografen Milton Greene öffnete), stehen in starkem Kontrast zum Kampf, zu dem ihr Leben geworden war. Der Kampf um Filmrollen, dann der Kampf um gute Filmrollen (der bis zum Schluss anhielt – Marilyn bekam von der 20th Century Fox nicht etwa gute Filme angeboten, sonder meistens Schrott, den sie sich weigerte zu spielen, ihre eigenen Wunsch-Projekte musste sie sich ein ums andere Mal erkämpfen, mitunter gerichtlich, manchmal taktisch), der Kampf um Anerkennung als Künstlerin und Geschäftsfrau, der Kampf, Mutter zu werden (sie litt unter Endometriose, die mit starken Schmerzen verbunden ist und erlitt während ihrer Ehe mit Arthur Miller mehrere Fehlgeburten), der Kampf um den Erhalt ihrer Ehen, der Kampf, nicht, wie die Mutter, in der Psychiatrie zu enden. Selbst ihre Arbeit am Set war Kampf. Durch ihr häufiges zu-spät-kommen machte sich sich am Set nicht gerade Freunde. Dreharbeiten mit Marilyn waren für alle Beteiligten Schlachten. Regisseure waren erst wieder von ihr begeistert, wenn sie die Resultate auf der Leinwand sahen. Vom Waisenkind zum Star ihrer Zeit und darüber hinaus, von einem Kind, das herumgereicht wurde wie Falschgeld zu einer Frau, die den berühmtesten Sportler, dann den meistgespielten amerikanischen Dramatiker zum Ehemann hatte und die schließlich mit dem Präsidenten ihres Landes eine Affäre hatte – sie hat viel erreicht, was sie erreichen wollte. Und sie hat viel dafür zahlen müssen. Ihr früher Tod lässt sie als Opfer erscheinen, aber Lois Banner arbeitet heraus, dass sie ein trickster war, eine Innovatorin. Eine Kämpferin. Eine Frau, die das Motto der Freien Liebe gelebt hat, als die Hippies noch nicht einmal existierten.

Ich schreibe mich gerade wieder in eine Marilyn-Rage. Wie die meisten ihrer Verehrer, hätte ich sie wahnsinnig gerne gerettet, verteidigt, bewahrt. Und das Gefühl hatte ich, als ich Lois Banners Buch las. In einigen Theorien folge ich ihr nicht, aber die Arbeit, die in dieses Buch gesteckt wurde, die Sorgfalt und Genauigkeit, die Schonungslosigkeit und gleichzeitige Empathie für ihre Hauptfigur – sie sind mit Herzblut getränkt.

“WITH YOUTH YOU GET TO TOUCH THE FUTURE.”

Wie er da so saß, auf dem Bett in die Kissen eingekuschelt, und sein nackter Fuß ragte mir entgegen und es war ein zauberhafter Fuß, der gehalten werden wollte, und ich hatte mir geschworen, nicht den ersten Schritt zu machen, aber dann war vielleicht dieser Fuß der erste Schritt, und mehr als zurückweisen kann er ja auch nicht, also den awkward moment in Kauf genommen und den Fuß gehalten und es wurde eine intensive Nacht. Wow. Das einzig blöde an Xenophilie ist ja, dass die dann immer wieder abreisen. Aber vielleicht ist das auch der Reiz? Ich werde es ergründen, eines Tages. Wenn das weitere Nächte wie diese bedeutet.