Kategorie-Archiv: Crazy Ladies

PENNYWISE

Allet schön einjekooft, mir ne Pizza zu pimpen – Veggie-Bolognese, Ananas, Käse, Sour Cream und seh beim Einpacken die Pizza schon vor mir, und, als ich beide Tüten voll habe, fällt auf: Pizza vergessen. Geh zur Kassiererin – “Sagen Sie, kann ich die Tüten bei Ihnen lassen? Ich hab was vergessen.” “Ja, ja. Gäbben Sie!”
Schnelle Runde, Pizza in den Wagen, dann aufs Band.
Kassiererin schaut mich bestürzt an: “Sie chabbän die PIZZA värrgässän??!!”

#Ohlauer, Tag NEUN (!!!) oder Nun auch Passivist

“Wacht auf” oder “Lasst sie raus” wir gerade skandiert. Hat in meinem Fall geklappt. Guten Morgen in Krampfberg! Der Dienstag war an Schildbürgersurrealismus nicht zu überbieten. Wir räumen nicht wir räumen doch wir haben den Auftrag zu räumen aber ätschibätschi wir sind ganz schön angepisst so als Exekutive, och schickenwa mal n richtich fettet Aufjebot rin, die sollma wat spürn die Kreuzberger Kiffer. Wieder wird eingefallen in unseren beschaulichen Block, Schüler lernen auf Demos, wie Polizeigewalt aussieht. Es geht nicht mehr um 40 Asylanten, für die ich mittlerweile, dank Aufklärung durch Mitbürger (nicht Medien) vollstes Verständnis habe. “Die Nerven liegen blank” – ein blöder Spruch? Nicht mehr. Spätestens, als ich nach der Arbeit, wie geplant mittels Ausweismacht, eine nicht-im-Sperrbezirk-lebende-aber-von-der-Einsperrung-Betroffene einschleuse, um friedlich gemeinsam zu protestieren, merke ich, wie zittrig und abgegessen und ausgelutscht wir alle sind. Und in meinem Fall zumindest geht es nicht um existentielle Bedrohung, wie im Falle der Asylanten und der Ladeninhaber. Sie machen einen fertig. Die Politiker mit ihrem schwarze-Peter-rumschieben, die Polizei durch Einschüchtern, die Medien (Spiegel) und die Regierung, die immerhin in der selben Stadt wohnt, durch Ignoranz. Immerhin schaffen es die Tagesthemen, als eines der wenigen überregionalen Medien, einen fairen Beitrag zu senden. (Und die Tagesschau favorisiert meinen Tweet “Danke Tagesthemen, war okay”.) Was gerade wirklich hilft ist die Solidarität, das Verarbeiten der Situation durch drüber reden und nicht-hinnehmen im Kiez. Aber es zehrt. Heute also, geht es weiter. Ich rechne lange nicht mehr mit Entscheidungen, denn der letzte Tag hat gelehrt, dass auf Entscheidungen nicht notwendigerweise auch nur ansatzweise logische Konsequenzen folgen, sondern – - – irgendwas. Claire Waldoff paraphrasierend: Se boxen, foxen, golfen, steppen. Doch unter uns jesacht – se neppen.”

We´re fucked.

Tag 8, #Ohlauer

Um zur Anwohnerversammlung vorm Leseglück zu kommen früher aus dem Office raus. Die neue Besetzung an der Absperrung Lausitzer Ecke Wiener möchte am Montag nicht, dass ich meinen Wagen dort parke, es sei denn, ich habe einen Hofparkplatz. Man sieht – die kennen unsere Höfe nicht. Also parke ich auf der Wiener und gehe, etwas angepisst, an vielen freien Parkplätzen vorbei, zur Versammlung. Das Aufgebot an Menschen ist zu groß für die Buchhandlung, also sammeln wir uns auf der Straße und, in einem vernünftigen und für Kreuzberg äußerst rasantem Prozess, cool moderiert von den Leseglück-Ladies, werden Vorschläge unterbreitet und zackig verhandelt. Die Gewerbetreibenden vernetzen sich. Wir alle beschließen für heute, Dienstag eine Aktion. Nicht ganz ungestört. zu einem Zeitpunkt gesellt sich einer der Polizisten zu uns und weist daraufhin, dass es sich bei uns wohl um eine nicht angemeldete öffentliche Versammlung handele. Ich weiß nicht wie, aber die Anwohner quatschen ihn weg und er lässt uns in Ruhe.

Es kommt zum Punkt Solidarisierung mit den Flüchtlingen und ich halte die Klappe, weil ich den Entscheidungsprozess nicht lahmlegen möchte. Die Flüchtlinge haben mich die ganze Zeit, die sie im Kiez waren, nicht gestört. Erst durch den krassen Polizeieinsatz bin ich so richtig auf sie aufmerksam geworden. Ich kann ihre Haltung nicht als Movement akzeptieren. Wie vertrackt die Gesetzgebung ist, was Asyl oder Abschub angeht, haben wir gerade gelernt. Wenn es so kompliziert ist, wie die Durchsetzung, Verantwortung und Beendung eines Polizeieinsatzes, dann würde ich ihnen auch keine Garantien geben. Ihr Ausharren kann ich nicht als Stärke interpretieren, es hat etwas Dreistes, vor dem Hintergrund der Verzweiflung, mutmaße ich. Noch immer fehlen mir Hintergründe ihrer Situation, die ich nicht bekommen kann, wenn der Presse der Zugang zur Schule verwehrt wird.

Noch während der Versammlung kommt ein Anwohner und berichtet von der aktuellen Twitter-Nachricht der Berliner Polizei. “Wir haben das BA aufgefordert, bis morgen eine Entscheidung zu treffen, sonst beenden wir den Einsatz.” Heute um 7 beschließt die Polizei, dem Bezirksamt noch 3 Stunden zu geben. Sollte kein Befehl zur Räumung kommen, wird sich die Polizei sukzessive zurückziehen. Man fragt sich, was unsere Bürgermeisterin in diesen Tagen so treibt.

Ich verlasse die Versammlung, nachdem die Vorgehensweise für Dienstag geklärt ist, weil ich noch einkaufen muss. Als ich wieder über die Reichenberger, Ecke Ohlauer, zurück möchte, wird mir sogar Ausweisens der Zugang verwehrt. Grund: zuvor hatten die Versammelten des Anwohnertreffens ihre Ausweise gezückt und diejenigen, die außerhalb der Zone residieren als ihre Gäste mit in den abgesperrten Bereich genommen. Yes, wir sind coole Säue. Sie sind bis zur Schule und einmal um den Block gezogen. Als ich über den Umweg Paul-Lincke-Ufer die Lausitzer wieder hoch bin, meinen Wagen umgeparkt habe (neue Sperren-Schicht: “Joar, klar. Kein Problem”) und in der Wohnung bin, ist der Zug direkt vor meinem Haus angekommen. Eine der Anwohnerinnen wird aus mir unbekannten Gründen aus dem Zug gezogen und von mehreren Polizisten in den Hauseingang gegenüber gezerrt. Es dauert lange Minuten. “Lasst sie raus” wird skandiert. Irgendwann “Schämt Euch”.

30.06.14-19.50

Die Taktik klappt, die Frau wird wieder zurück in den Zug gelassen.

Die Grünen haben eine Woche lang politischen Selbstmord begangen, da kann auch der vernünftige Ströbele nichts dran ändern. Sie sollten sich vielleicht an einen Tisch mit der FDP setzen, um zu sehen, was auf sie zukommt. Ein ganzer Block wurde seiner Freiheit beraubt, auch wenn die Beamten an den Absperrungen weitestgehend freundlich und um Würde bemüht waren. Eine Bedrohung, die solch einen einwöchigen Einsatz gerechtfertigt hätte, gab es zu keinem Zeitpunkt. Niemand hier fühlt sich von den Asylanten bedroht, was man jedoch nicht von den Polizisten sagen kann. Unter uns drinnen und in den angrenzenden Straßen ist eine Solidarität entstanden, wie ich sie von diesem Kiez auch erwartet habe. Vernunft. Mal schauen ob diese im weiteren Verlauf auch in größeren Kreisen zum Einsatz kommt.

#Ohlauer, Tag 7

Warum etwas Unsinniges ändern? Also auch am Montag noch gated community. Das kann eigentlich nur in Berlin passieren, wo es ja letztes Jahr wohl auch einen neuen Flughafen hätte geben sollen. Anders als im Falle des Flughafens – die Mainstream-Medien kriegen nix mit, bzw es juckt sie nicht. Mittlerweile wäre es auch etwas peinlich, zu berichten, dass es im Herzen Kreuzbergs eine neue Sperrzone gibt, under the dome, und dies seit einer Woche. “Huch – nee, können wir jetzt nicht mehr bringen. Würde ja auffallen, dass wir´s bislang ignoriert haben.”
Die Zeit der Entscheidung findet nirgendwo statt. Die Flüchtlinge musizieren auf dem Dach, die Passivisten sehen das als Anlass für Festivalatmo, die Politik weigert sich, einzusehen, dass das Polizeiaufgebot in keinem Verhältnis zur nicht vorhandenen Bedrohung steht, die Läden gehen einen Schritt weiter in Richtung Konkurs, die Polizei macht ihren Job.

Gestern Abend wollten wir das Fitzcarraldo in der Reichenberger unterstützen, indem wir dort Bier trinken, aber das Fitzcarraldo hatte geschlossen. Dennoch tranken wir Bier, gekauft in einem Kiosk, wo wir sonst nie kaufen, eben drum. Die amerikanische Nachbarin, der D., Lana Banana (trank nicht). Zu uns gesellten sich der ebenfalls amerikanische Nachbar aus dem Erdgeschoss und der nette Mannn mit den zwei Möpsen, von denen gestern Abend nur einer unterwegs war. Der kann jetzt “Sitz”. Wir alle beherrschen unterdessen das Kopfschütteln bis zum Anschlag. Begleitet wird dies meist von einem weltweisen Lächeln. Sitzt da irgendwo eine Gruppe von Politikern, schaut Nachrichten und befasst “Das lassen wir jetzt einfach mal so, oder?” Oder?

(Ja, Sie dort im Bundestag. Ich seh´ doch, dass Sie mitlesen.)

#Ohlauer, der Tag 6 (als der Regen kommt)

Auch am Sonntag nach wie vor gated community. Ich glaube, dass auch die absperrenden, nach wie vor freundlichen und respektvollen Polizisten mittlerweile die Absurdität erkennen, die uns die Grünen auferlegt haben. Leidlich erregte “Aktivisten” – fast eher Passivisten mit ihren Sitzstreiks, kopfschüttelnde Kiezbewohner, sprachlose (oder – schlimmer – unbeeindruckende-statements-verfassende) Asylanten, die ihre Bockigkeit zum Movement ausrufen.

Gestern schlechte Pizza auf der Ohlauer gekauft, weil irgendwer muss ja. Vorm Penny liegt eine Frau reglos und alle gehen vorbei, ich auch. Dreh mich um. Liegt immer noch da. Geh weiter. Dreh mich um. Geh zurück. Stupse an. Sie hat ne Kanüle in der Hand. Wacht auf. Obdachlos und auf Heroin. Eine Nacht im Urban hinter sich. “Können Sie denn irgendwo unterkommen?” Sie kramt in der Jackentasche, holt eine Telefonnummer raus. Ich rufe an. “Hallo, ich bin hier vorm Penny und die X. liegt hier und ist in nem schlechten Zustand. Fragt ob sie heute bei Ihnen pennen kann.” Ich geb das Handy weiter. Dann kommt die Polizei, die irgendjemand alarmiert hat, fragt die gleichen Fragen wie ich. Sie ist okay, alles ist klar, ich frag sie, ob sie ne slice of pizza will, sie bejaht, und dann sitzt sie auch halbwegs aufrecht und ich geh Richtung nach Hause. Setz mich in der Lausi auf ne Bank und schau den Polizisten zu, Pizza essend. Frag mich, wo die X. jetzt wohl hingeht. Dann seh ich wie mein Lieblingshund aus dem Haus kommt, mit dem D. Wir quatschen kurz über den Besatzungsstatus, Lana gibt Pfötchen und Küsschen gegen Pizzakruste, was zwei Möpse auf den Plan ruft, die allerdings nur mit Mühe Sitz beherrschen, aber so kommt man hier mit den Nachbarn ins Gespräch und die Pizza hat eh mehr Kruste als sonst was. Ecke Lausi und Reichenberger ne Truppe Passivisten derweil, beim passiv aktiv sein, die ganze Zeit so rummurmelnd. Eigentlich keine Änderung im Status und trotzdem auf einmal ein Polizistentrupp, immer zwei nebeneinander im Gänsemarsch und Laufschritt auf dem Bürgersteig, dannn, weil wir mit Hunden im Weg sind, über die Straße undRichtung Straßenecke. Zum ungefähr 700sten Mal an diesem Tag schütteln drei Kreuzberger den Kopf, während drei Hunde Pizzakruste mampfen.

#Ohlauer, Tag 5

In der Nacht von Tag 4 auf 5 bis 3.00 zaghafter Lärm, der vom Schuldach zum Hier-Dach rüberklingt. Auch heute morgen noch ist die Straßensperre intakt. Gestern wurde mir gar erlaubt, meinen Wagen in meiner Straße zu parken. Nachbarn nehmen´s positiv. “Schön ruhig, oder?” Ja. Wenn man Geisterstädte mag. Auf dem Weg zum Getränke Hoffmann treffe ich die Besitzerin des wunderbaren Geschenkeladens in der Ohlauer. Sie hält eine Schrift, die die Ladies vom Lieblingsbuchladen aufgesetzt haben. Durch die Absperrung sind ihre Umsätze auf ein Viertel des Normalen zurückgegangen. Im Getränke Hoffmann immerhin nur um 50%. Ich geh nochmal ins Leseglück und nehme ein paar Blätter mit. Geb eines in der Artfilm-DVD-Ausleihe in der Reichenberger ab, eines beim Bravo Bravko und eines im Cutie Pie. Am Montag – Sperre da oder nicht – haben die Leseglück-Ladies eine Versammlung der Geschädigten für 18.00 Uhr angesetzt. Dies bei allem Respekt vor den Flüchtlingen. Es geht nicht darum, diese zu dissen. Es geht darum, darauf hinzuweisen, dass die Grünen mit ihrer Polizeibesetzungsstrategie dem Kiez den Hals abschnüren. Dies alles Menschen, die idealistisch und mit Einsatz und Seele Läden betreiben, in Zeiten, in denen die Welt eigentlich nur noch bei Amazon einkauft.
Ein Kiez, in dem wir weitestgehend per Du sind, uns auf der Straße grüßen, regional einkaufen, um die Geschäftsstruktur zu erhalten, die wir schätzen. In der wir auf dem Weg in den Park zwar dutzende Male angesprochen, ob wir Drogen kaufen möchten, aber damit leben können. Ein Kiez, in dem wir nie auf den Gedanken gekommen wären, dass Flüchtlinge geräumt werden müssen, weil die genauso zum Straßenbild gehören wie Hipster, Nonnen, Backpacker, Obdachlose, Omis, Hunde-Ausführer, Kopftüchlerinnen und und und.

Die Verbocktheit seitens Bezirk und Asylanten wird aufgrund absurder Politik auf dem Rücken eines äußerst charmanten Kiezes ausgetragen. Und außerhalb Berlins kriegt keiner was mit. Noch immer keinerlei Info über die Flüchtlinge – wo kommen sie her? Weshalb sind sie dort weg? Für Verständnis benötige ich Information. Informationsvermittlung wird verhindert. Was hier abgeht hätte ich einer Schwarzen Regierung vielleicht zugetraut. Aber hier wurden die Grünen stärkste Partei. Das wird bei der nächsten Wahl kaum noch der Fall sein.

(Heute übrigens wieder Topmodel-Polizisten Lausi Ecke Wiener! Wo kriegen sie die bloß her?! Und auch freundlich. Wünschen einen schönen Tag. )

#Ohlauer, Tag 4

“Sagen Sie, was mach ich denn, wenn ich Besuch bekomme?”
“Na. Idealerweise holen Sie den hier an der Absperrung ab.” Sagt der attraktive Polizist, ihm zu Füßen ein halbes Dutzend Aktivisten in pazifistischem Sitzstreik. Und unterlässt es, mir die Alternative zu schildern, die mir der Boyfriend des Nachbarn erklärt, als ich ihn im Hof treffe.
“Ich geh schon immer hin und sag “Ich brauch Geleit zu Haus Nr. 11, dort lebt mein Partner.” Heute morgen war es einer aus Thüringen, der hat nen hochroten Kopf bekommen, weil er nen Schwulen begleiten musste.”
“Das hat das Aas eben doch extra nicht gesagt! Und wenn ich das gestern Abend gewusst hätte – der Typ war nämlich richtig süß und hat sehr freundlich gelächelt!”

Ca eine Stunde später bekommen die Polizisten Auftrag, die Sitzblockaden aufzulösen, was sie auch, unter Geschrei und Gezeter der Sitzpazifisten tun. Es sind so Träubchen von Menschen, vielleicht ein Dutzend. Die besetzte Schule ist quasi auf gleicher Höhe, in der Parallelstraße. An allen Absperrungen mehr oder weniger viele Menschen, die Reime schmettern, als haben sie noch nie zuvor Gelegenheit gehabt. Bei der ganzen Räumungsaktion erfahre ich sehr viel mehr über meinen Kiez, als über die Flüchtlinge. Note to Bezirk: wären keine Polizisten da, gäbe es auch keine Demonstranten. Die reagieren auf die Polizeibelagerung und nehmen die Räumung der Asylanten als Vorwand. Im Hof überlegen wir, ob wir nicht eine Nachbarschaftsdemonstration so von innen heraus veranstalten sollten. Unter anderem auch für die Geschäfte, Cafés und Restaurants, die unter der Belagerung leiden. Die Polizisten nutzen zwar die Toiletten der Restaurants, aber ihr Essen wird geliefert. Die Demonstranten haben keinen Hunger, weil Empörung sexy und appetithemmend ist.

Als das Fußballspiel beginnt kommt es zu einem eindrucksvollen Schichtwechselmanöver. Im Schritttempo fährt ein Wannenkorso die Straße hinab. Ein Big Dick Moment. Während in der Parallelstraße noch Aktivisten und Polizisten nebeneinander stehen und den Fußball public viewen. Twitter bekundet Panik – die Polizei nutze den Fußball zur Räumung, aber nein, es bleibt bei diesem Machtmanöver.

Angeblich soll heute in Pressekonferenzen auch die Sichtweise der Asylanten bespiegelt werden, deren Forderungen nachvollzieh- aber unpraktizierbar sind. Wenn das so weitergeht mit den unnachgiebigen Verhandlungen, hoffe ich, dass sich die Polizei endlich mal unsere Gesichter hier merkt und ich nicht jedes Mal meinen Ausweis zeigen und Bitte und Danke sagen muss, wenn ich meine Straße betreten möchte.

Seltsam, dass über diesen Belagerungszustand nur in Berlin berichtet wird.

#OHLAUER oder NEUES AUS DER KRAMPFZONE

“morning babes, heimreise vom office nun nicht mehr eine stunde, nur noch 45 minuten. immerhin bin ich nicht in die demo reingebrettert. ausweiskontrolle, wenn ich die lausitzer betrete. bin gespannt, wie das für meine zukünftige mitbewohnerin wird, die ja nicht die lausi im perso hat. ich denke mal, heute werde ich mich weigern, denen meinen ausweis zu zeigen. und mir bei sieben unternehmen pizza bestellen. ansonsten ist die polizei sehr freundlich, sogar charming mitunter. und immer so geteamt, dass auf einen hunk zwei oder drei nerds kommen. aber es fühlt sich tatsächlich nach gated community an, wenn ich morgens das haus verlasse und mir das gitter zur wiener straße geöffnet wird. you are now leaving the krampfzone.
frage mich, wie lange sie das durchziehen wollen. 30 leute auf dem dach und 900 polizisten??? wenn man dachte, beim flughafen haben sie geloset muss man sich einfach nur drei tage in xberg aufhalten, um zu sehen, dass da was schiefläuft. und auch jetzt stehen minnen in der straße, absperrung voll intakt. bei allem verständnis, das ich nach wie vor, mangels information (auskunft/ erleuchtung/ pedition-die-nicht-an-fantasy-grenzt) seitens der flüchtlinge, nicht habe – räumen.”

(und irgendwie bezeichnend, dass sich in der ganzen revoluzzi-anarcho-stadt nur 300 leute finden, die demonstrieren. allein das polizeiaufgebot sorgt dafür, dass es mehr werden könnten. aber das hat dann nichts mehr mit den flüchtlingen zu tun, sonder nur noch mit der staatsgewalt, die sich so üppig präsentiert.)

BATES MOTEL oder SO WIRD MAN SO

Wenn Sie´s noch nicht gesehen haben. Sie müssen. Ich habe gestern eine Nachtschicht eingelegt. Der Trailer vermittelt keinen Eindruck dessen, was sich da abspielt. Und sowohl Norma als auch Norman leisten eindrucksvollste Arbeit. Hitchcock wäre stolz! (Und allein die Genialität Mrs Bates “Norma” zu nennen!!!) Großes Entertainment.

AHS COVEN (Nicht mehr Spoiler als im Trailer.)

Staffel 1 war ill creepy. Camp. Beim Betrachten hatte man den Eindruck, die wissen noch nicht genau, wo sie da hinwollen und was sie da alles aus ihrem Füllhorn geschüttet haben. Als ganzes betrachtet stimmte aber im Nachhinein alles. Staffel 2 ging tiefer – da wurde de Horror wirklich beklemmend. Das Ausgeliefert-sein, der wirkliche Horror des Lebens, wurde an jeder einzelnen Figur durchexerziert. Nach 2 Folgen Coven bin ich erneut komplett hingerissen. Ich hätte nicht erwartet, dass Murphy und Falchuk wieder einen neuen Weg für ihre Anthologie finden, aber es gelingt ihnen phänomenal. Nach der Hollywood-Blanche-Dubois Constance und der Flittchen-Nonne Judy haben sie für Jessica Lange eine echte Disney-Hexe kreiert, als ob sie wüssten, dass Glammys größte Disney-Liebe dessen Hexen gilt. Fiona ist versessen auf ewige Jugend, wer ab 30 ist das nicht? Dazu hat sie die Grandezza von Cruella DeVil, und den Sog eines Sukkubus. (Selbstverständlich raucht sie!) Die vier Jung-Hexen sind eine harryliche Hogwarts-Karikatur und lassen die vier Pretty Little Liars wie hilflose Modepüppchen aussehen – surprise?!. Hier wird nicht geheimnist, sondern geklotzt. Ein versehentlich von Emma Roberts gekillter Evan Peters bleibt nicht einfach tot, das kann man nicht so stehen lassen, da wird Abhilfe gefunden, so heißt Folge 2 trefflich “Boy parts”. Was man bereits in der ersten Staffel lernte – wer hier stirbt, der muss nicht tot bleiben. Was neu ist – manche können gar nicht sterben, wie verdammt stellen sie das an? Überraschend entzückend nicht nur Kathy Bates als wiederkehrende Sklavenquälerin, sondern auch die Junghexen: Emma Roberts als eine Art tödliche Lindesy Lohan, Gabourey Sidibe als menschliche Voodoo-Puppe, Jamie Brewer – along came the smart mongoloid, und, zurück aus dem Murder House Taissa Farmiga, deren Stylisten ich gerne die Zopfgummis beschlagnahmen würde, aber ansonsten okay.