Kategorie-Archiv: Gestern wollt ich noch sterben

ÜBEN BIS WIR GLÜHEN

Jetzt versteh ich, warum Marilyn Paula Strasberg Unsummen hingeblättert hat. Drama-gecoacht zu werden ist geil! Ich habe ja selbst schon Dialogue-Coach gespielt, aber das liegt ja meiner schreibenden Natur. Acting-Coach ist nochmal eine ganz andere Dimension. Die gestern dazu führte, dass Augusta (meine weiblichen Nebenrollinnen für die Lesung am 3.9.) und ich dermaßen über uns hinaus gewachsen sind, dass ich ganze Passagen umgeschrieben habe, weil wir in unseren Improvisationen einander weggeschossen, umjelegt, zugepowert, uffjespritzt haben, dass mir jetzt noch der Schädel glüht. Chris Zambo. Wenn Sie mal einen Drama-Coach brauchen. Die Frau ist´s.
Und, als ob das nicht schon anregend genug gewesen wäre – Augustas Anekdoten. Ich glaube, ich muss eine Rubrik eröffnen, sobald ich wieder etwas mehr Zeit hier habe. Die Geschichte mit dem Ex, der seine Sachen zurück wollte (und sie auch bekam, wenn auch nicht ganz so, wie er sich das vielleicht gewünscht hätte), muss unbedingt demnächst geschrieben werden.

DAS KIND IST IN DEM TELLER*

“Augusta, Schatz – sag mal. Hast Du eine Ahnung, wo das Telefon gestern Abend gelandet ist?”
(Bin 40 Minuten lang, mich immer wieder vom Handy selbst anrufend durch die gesamte Mansion gestiefelt, KEIN Telefongeräusch zu hören. Habe ich einen Telefondieb in meiner Lesungscrew? Unmöglich. Das sind alles erstklassige Menschen, die genug Telefone ihr eigen nennen. Wahrscheinlich mehr als ich. Von Faxgeräten ganz zu schweigen.)
“Ja klar. Ich saß doch da auf dem Sofa als es klingelte.”
“Ich erinnere mich.”
“Und da hab ich es hinter mich gelegt.”
“Hinters Sofa, auf die kleine Kommode?”
“Nein, INS Sofa. Damit es nicht mehr stört.”
“Ach so INS Sofa.”
“Zwischen die Polster.”
Logisch. INS Sofa.
Überwürfe, die gestern nach Crew-Abmarsch anständig zurechtgezuppelt wurden herauszerrend, Hände zwischen Polster schiebend – dann, handgelenktief, der kleine lärmige Racker.
“Super – ich hab´s! Danke Dir!”
“Gerne! Schönen Tag noch.”
“Hätt ich ja eigentlich auch selbst drauf kommen können.”

* Chanson der legendären Italienerin Mina, die man in Deutschland wohl nur durch den Straßenfegergassenhauer “Heißer Sand” kennt.

INTRODUCING THE GANG

So, jetzt steht es also fest. Gestern war nämlich die erste Drehbuchlesungsprobe in der endgültigen Lesebesetzung.
Die beiden männlichen Hauptrollen sind besetzt mit dem kraftvoll-sexy-smarten Sascha Diestelmann und dem ebenso kraftvollen, aber sanfter agierenden und nicht weniger sexien Marco Ammer. Erzählend verpacken, und elegant die kilometerlangen Regie-Anweisungen vortragen werden die Königin der Knorrpromenade, Chris Zambo und unser blogsphere-eigenes Wortschnittchen! Die ziemlich wortkarge Rolle der Sybille bekleidet transgendernd aber nontravestitisch moi* und die Vielzahl von männlichen Nebenrollen: der König der Knorrpromenade – Thomas Elbel. Für eine ebenso zahlreiche Reihe von vielschichtig strukturierten Nebenrollinnen konnte ich eine fantastische Lady und Handtaschenarchitektin begeistern – Augusta Behnstedt. Diese illustrige Truppe wird Euch dann also am dritten neunten entertainen und zwar under the musical direction of Frank Burkhard. So. Und jetzt muss ich weiter mein Festnetztelefon suchen, das ist nämlich gestern verschütt gegangen. So, callers – phone me on my mobile!

Und bei der nächsten Probe mach ich Fotos!

*And, no. I´m not going to shave.

MEINE 3 GROSCHEN oder JUST A SPOONFULL

Ein zehnstündiger Arbeitstag, eine abhanden gekommene Stimme und dann die Erstlesung. And what can I say? Funfuckintastic. Sybilschnittchen, König unbd Königin der Knorrpromenade und Sascha D. – im Grunde brauchen wir das nicht nochmal machen, es war wunderbar gestern! “Leben einhauchen” trifft es vielleicht ganz gut. Geil geil geil, das Script zu lesen und vorgelesen zu hören. Und organisch ohne Ende, der ganze Tag. Inklusive der Tatsache, dass die Unterlassungsklage gestern noch nicht in der Post war.
Und dann kam noch die Bee mit Kumpel vorbei und ich muss sagen – eat your heart out, Brandauer, alte Rakete: WIR machen´s nur einen Abend, aber wir machen´s RICHTIG. Und ohne Tobsuchtsanfälle!

By the way – ich bin etwas bestürzt über den Mangel an Bestürzung angesichts der Unterlassungsklage gegen mich. Und werde Euch weiterhin über den Stand der Dinge informieren, damit Ihr genau wisst, was man über wenn schreiben darf und, gegebenenfalls, wie teuer das ist. Fest steht – ich werde Herrn Andrés Anwaltskosten keineswegs übernehmen (wie auch? einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen). Kann ich eigentlich wegen eines zerstörten Faxgeräts und Papierverschleiß zurückklagen? (Tatsächlich: 12 mal die ersten beiden Seiten des Schreibens erhalten, aber auch nur die, deshalb kenne ich noch nicht alle Vorwürfe gegen mich. Und wäre meine Tinte nicht aufgebraucht, würde er immer noch drucken. Was sind das für Methoden?)

BUSY GLAM

Also Crashkurs in Photoshop bei der Nachbarin, in 1 1/2 Stunden Flyer-Vorderseite gebastelt. Rückseite mit Pressetext heute. Nachbarins Mutter vom Flughafen abgeholt. Auf Gabelflügeln, die länger als 16 Stunden dauern, gehen grundsätzlich Gepäckstücke verloren, also einmal mehr eine heitere Stunde mit den zumkotzenunfreundlichen Gepäcksuchsäcken Sachbearbeitern der Lufthansa verbracht. Parkkosten auf dem Kurzzeitparkplatz 13 Euro. Noch Zeit zum Umziehen, dann zu Rocco und seinen Brüdern. Michael B. Web 2.0 aus Erfahrungsberichten heraus sympathisch gemacht. “Da stelle ich beispielsweise ein Banner ins Netz, das eine Bloggerin mir gebastelt hat – in Affentempo und mit Style und Elegance und eine Stunde später, beim Blog-Zappen sehe ich mein Banner auf der Seite eines penisaffinen Herrn, dem ich noch nicht begegnet bin, den ich nur vom Lesen kenne. Stell dir das mal vor!”
Anruf von meiner Erzählerin, der Königin der Knorrpromenade. Mittwoch Trockenlesung geht klar. Anruf von Schauspieler 2, vorgestern erstmals kontaktiert. Hat gestern Buch gelesen. Berichtet überzeugend, beeindruckt zu sein und freut sich auf die Lesung. Bestätigt Mittwochstermin. Hebt genau die richtigen positiven Seiten am Buch hervor und bestätigt den einen Kritikpunkt, der mir in den nächsten Wochen Arbeit machen wird: Akt 1 kürzen.

Zuhause. Noch Text formatieren? Zu ko. Das erste Mal seit Ewigkeiten öffentlich rechtliches Fernsehen, anderthalb Stunden am Stück: “Die Spielwütigen”, eine Langzeitdoku über vier Schauspielschüler. Hochgradig gut amüsiert und angeschaut bis um 1.00 vorbei. Wecker gestellt, 6.20 aufgestanden, 6.37 am Rechner. Ich krieg das noch hin mit den fehlenden 10 Minuten morgens. Die ersten drei hab ich schon.

Heute: Office. Flyer, Rückseite. Treffen mit Cora. Flyer und Drehbuch drucken. Copyshop. Geburtstagsdinner der Nachbarin. Packen für Wochenende bei Löwenmama. Und vielleicht schaff ich noch, die Penisgeschichte zu schreiben.

flyer
(Die angetrashte ÖkoPunkvariante. Der Flyer.)

AUS DER UHR RAUSCHEN DIE STUNDEN oder DAS PROBLEM MIT DEM PENIS

6.20 Weckerklingeln. Trotzdem erst 6.40 am Rechner. Wer macht da miese Geschäfte mit der Zeit? Schnellschreiben zum schnellaufwachen. Dann Geldjob. Schauspielern hinterhertelefonieren. Eine Erst-Lesegruppe für die Trocken-Lesung heute in einer Woche rekrutieren. Bei photoshopkundiger Nachbarin Flyer basteln. Mutter der Nachbarin vom Flughafen abholen. Vorher Auto aufräumen? Geburtstagsgeschenke für Nachbarin und Mutter (eigene). Pedro SMSen und Bedauern ausdrücken, dass er keine Co-Regie machen kann, da in den Karpathen. (Oder habe ich das gestern schon getan?) SMS-Ausgang vom Montag überprüfen. Gedenkminute für die Supportgroup! Supportschnittchen Textmaterial zukommen lassen. Fantastisches Banner von La Larousse in jpg verwandeln und auf Blog stellen. Schauspielern hinterhertelefonieren. Neue Drehbuchfassung ausdrucken und kopieren. Karikatur meines Penis anfertigen. Für erigierte Fassung entscheiden, da eindrucksvoller. Krone oder Diadem? Sprühschablone von Peniskarikatur anfertigen. Peniskarikatur in Flyer einbauen. Penisse dort auf den Boden sprühen wo ich Flyer verteile. Peniskarikaturidee (courtesy of Supportregierung) verwerfen. Peniskarikatur sieht aus wie die meisten Penisse. Allerweltspenis. Schockminute. *
Filmemacherfreund zum Eis und Support-Counseling treffen. (Penisse erörtern?) Veranstalter kontaktieren, was ich den ganzen Tag über vergessen haben werde. Die Sybille-Besetzungsfrage weiter ventilieren. Noch einmal über den Vorschlag von Deutschlands Theaterheld grinsen nachdenken, der mir anriet, Désirée Dschungel anzufragen.
Rattenscharfem Araber SMS schicken und noch einmal Bedauern ausdrücken, dass ein Treffen erst nächste Woche möglich. (Ich würde anrufen, aber ich verstehe sein Englisch am Telefon so schlecht.) Penis vorerst nur zum karikieren verwendbar.

6.34 Uhr: Browser stürzt ab, dieser Text verschwindet. 6.45 diesen Text flugs neu schreiben.

* an dieser Stelle kam mir der Gedanke “Kennst Du einen, kennst Du alle” und wurde sofortwieder verneint. So verbrachte ich wertvolle Zeit damit, einige Penisse Revue passieren zu lassen und befand, dass das mal ein schönes Blogthema wäre. Nur eben gerade jetzt nicht, weil – siehe oben.