Archiv des Monats: November 2006

QUIT ME BABY ONE MORE TIME

Wurde aber auch Zeit! Erstens hat er Dich eh nur als Trittbrett benutzt. Zweitens hat er sich über Dich lustig gemacht, allein schon durch seine Existenz. Dann hatte er etwas unglaublich prolliges, was irgendwie erst durch die Fusion mit Dir zum Vorschein kam (er KANN auf Fotos nämlich auch ziemlich geil aussehen.) Dann hat er sich als Trittbrettfahrer auch noch so unglaublich blöd angestellt, dass es klar war, dass er sich gar nicht so feste an der Tür festhalten kann – one bump in the road – und er landet auf der Straße, selbst wenn die olle Karosse nur Schritt fährt. Außerdem hat er miesesten Geschmack bewiesen: kaum, dass Du Kind eins geworfen hattest, musste er schon wieder über Dich drüber. Und wir wissen alle, wie Scheiße Du damals aussahst. Er hat dafür gesorgt, dass Du den Anschluss verlierst. Schau mal: Christina Aguilera hat Dich rechts überholt. Christina AGUILERA! Deine Freundin vom Kinderfernsehen! Die Welt hat sich verändert während Du mit ihm Käse-Chips auf dem abgewetzten Sofa gemampft hast. Ich hab jedenfalls kein einziges Foto von Dir magersüchtig oder mit zu großer Sonnenbrille gesehen. Ich meine, Nicole Richie zuzuschauen ist im Vergleich noch sehr lustig. Die Berichterstattung über Dich hat immer etwas Schmuddeliges, Präseniles. Da lag der Geruch von Kinderkotze in der Luft. Außerdem bin ich sicher, dass er immer über den Klorand gepisst hat – sowas sieht man doch wenn man jemandem in die Augen schaut, außer man heißt Britney. Bei Euch war eines immer klar – Ihr seid Leute, die die Klotür nicht hinter sich zumachen. Fast mochte man Paris Hilton mögen, wenn man die InTouch durchblätterte.
Eins hat er geschafft: Wir haben lange keine Platte mehr von Dir hören müssen. Immerhin. Ich fürchte, damit ist es jetzt vorbei. Meine Rat an Dich, Spears: kauf Dir ein Mobile-Home und miet Dir George Michael als Chauffeur. Die Kinder gibst Du Satan Esther Medea Madonna in Pflege. Oder hör auf Nena. Aufm Mond steht nämlich ein Auto. Die Schlüssel stecken auch noch drin.

GLAM, TAKTIL*

Kleidung kaufen ist ja oft ganz schön, aber manchmal ist es viel besser, einfach mal im Kleiderschrank zu wühlen und ein Kleidungsstück zu finden, das 20 Jahre des regelmäßigen Ausmistens überlebt hat. Jawohl, zwanzig Jahre. Und bestimmt 10 Jahre nicht an ihn gedacht. Wie konnte ich ihnn vergessen, meinen karminroten Cashmere-Pulli mit V-Ausschnitt??? Vielleicht, weil ich blauschwarzes Haar hatte, als ich ihn zuletzt trug. Und weiße Haut. Und das sehr Schneewittchenesque rüberkam. Aber jetzt, blond mit dunklem Ansatz – passt. Und das ist nur der Look, vom Tragecomfort möchte ich gar nicht anfangen. Das ist ja fast schon Sex.

*Courtesy of Febreeze

CRAZY LADIES DU JOUR: WOMB RAIDER vs TOMB RAIDER

„Look, I could have joined the U.N. and become an ambassador and visited various countries and just kind of showed up and smiled and looked concerned. But that’s not getting to the root of the problem – and by the way, neither is building orphan care centers and giving people food and medicine.“
(Satan Esther Madonna im Time Magazine via www.dose.ca)

Natürlich Madonna. Is schon klar. Ist natürlich viel besser jeden einzelnen verdammten Waisen persönlich da rauszuholen, selbst wenn´s nur ein Halbwaise ist. Better not mess with Lara Croft-Pitt, though. Und nur, weil sie zuerst die Idee mit Maddox hatte. Und weil sie the sexies woman alive ist. Und fünfzehn Jahre jünger. Und Unicef-Botschafterin sein darf. Und Brad Pitt hat. Und nen Oscar.
Komisch, selbst wenn ich mich bemühe, ganz unparteiisch zu berichten, scheint durchzuschimmern, bei welchem Raider meine Sympathien liegen.

THE BITCH IS BACK oder WARTE, WARTE NOCH EIN WEILCHEN…

Entweder sie hat einen Liebhaber (Louis, der 17.?) oder sie hat einen Weg zurück in die Wohnung gefunden. Im Pastakorb hab ich sie überrascht und nach draußen befördert. Ich sollte sie in Esther umbenennen, so verlässlich lästig ist sie. Doch Marie-Antoinette Richie (oder Louis), jetzt ist Schluß mit Lebendfallen!
Die Fallbeile sind positioniert und mit Nutella präpariert. Vive la revolution! Après MOI la déluge.

CRAZY LADIES: NORMA DESMOND

In fernen fernen Zeiten, als der durchschnittliche Westfernseher im Zonenrandgebiet fünf Sender empfangen konnte (ARD, ZDF, NDR, DDR1 und DDR2) gab es trotz des überschaubaren Angebots einige fantastische Filmreihen: Die ARD bot Samstags ab 23h Horror und SciFi. Das ZDF zeigte in „Des Broadways liebstes Kind“ alle verfügbaren ‚Hollywood-Musicals von „Auntie Mame“ bis „The Sound of Music“, aber die schönste, schaurigste und, wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, langlebigste Filmreihe lief unter der Überschrift „Mumien, Monstren, Mutationen“ im NDR. Auf meinem kleinen Kinderzimmer-Schwarzweiß-Fernseher erlebte ich die Klassiker des Horrorfilms. Filme aus den 30ern von James Whale (Frankenstein), Tod Browning (Dracula, Freaks), Tourneur (Cat People). Verschollen geglaubte und selten wieder aufgeführte Perlen wie den Geisterfilm „The Unininvited“ oder Schocker wie „Dr. Cyclops“ und „Graf Zaroff, Genie des Bösen“ (der danach schreit, neu verfilmt zu werden).
Hollywoodfilme der 30er bis 60er sollten mein Weltbild stark prägen, was mich der Realität der 70er eher als Gestrandeten auslieferte. Wenn meine Schulkameraden unter der Bettdecke ihre Drei Fragezeichen hörten, schaute ich lieber dem incredibly shrinking young man zu oder verfolgte das Schicksal des Puppenspielers in „Dead of Night“. Und als ich das allererste Mal „Sunset Boulevard“ von Billy Wilder sah, stufte mein trainierter Blick den Film sofort als Horror-Film ein.
Hollywood, Ende der 40er. Ein junger Drehbuchautor flieht vor seinen Gläubigern und versteckt seinen Wagen in der baufälligen Garage eines riesigen verwunschen wirkenden Anwesens am Sunset Boulevard. Eine herrische Dame fordert ihn auf das Haus zu betreten, sie hält ihn für einen Betstattungsunternehmer. Präsentiert aufgebahrt die Leiche eines Schimpansen. Dann erkennt er sie als Norma Desmond, entthronte Filmkönigin der Stummfilmära.

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(Ca. 1.20 min.)

Für ein Kind ist Norma Desmond der böse Geist des Hauses am Sunset Boulevard. Wie ihre Hände sich krallenförmig um Mobiliar und Unterarme legen, ihre weit aufgerissenen Augen mörderische Ausbrüche anzukündigen scheinen. Die Musik im Haus – der Wind, der durch eine kaputte Orgelpfeife jault. Das Haus – ein gespenstischer, staubiger Palast. Und natürlich ist das eine völlig korrekte Lesart von Wilders Filmsprache. Der narzisstische Star als Monstrum. Das Haus ein Spukhaus, die Filmorgel als gothic instrument. Selbst der Job des Protagonisten, der sich für Norma als Salomé-Script-Ghostwriter betätigen wird, bevor er ihr Liebhaber, ihr Gigolo wird. Wenn ich heute „Sunset Boulevard“ sehe, dann nicht mehr als Horrorfilm, sondern als einen der zwei besten Filme über den Opportunismus (der andere, „All anbout Eve“, ging im gleichen Jahr ins Rennen um die Oscars und siegte). Das Drehbuch ist so stark, dass selbst die Musicalfassung dem Stoff nichts anhaben konnte – im Gegenteil. Was damit zu tun hat, dass das Libretto hauptsächlich zitiert und selten variiert. Die Figur Norma Desmond ist ein Hollywood-Archetyp geworden, genau wie Dracula und Frankenstein und Bette Davis´Margo Channing in „All about Eve“, aber in viel stärkerem Ausmaß. Eine einst mächtige Frau, die in der Illusion lebt, sie sei immer noch an der Spitze, deren Traum erst zerbricht, als der Drehbuchautor sie in die Wirklichkeit entführt, in die sie nicht gehört. Die Wirklichkeit ist nicht stumm, wie die Filme, in denen Norma erfolgreich war. („We didn´t need dialogue! We had FACES!“) Die narzisstische Schizoidie endet in einem Fall tödlich, im anderen gnädig – mit Verneblung. Norma geht zurück in ihren Traum, fast so wie Mrs Danvers, die in Manderley in den Flammen aufgeht.

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(Ca. 2.30Min.)

Hollywood Gothica, further reading : Kenneth Anger „Hollywood Babylon“, Theodore Roszak „Flicker“, Clive Barker „Cold Heart Canyon“, Angela Carter „The Merchant of Dreams“.

„Sunset Boulevard“ available on Paramount DVD, Special Collector´s Edition, ca EUR 8,-

Und, falls jemand Glam eine riesengroße Freude bereiten will: der sucht seit Jahrzehnten so einen Zigarettenhalter-Ring, wie Norma ihn trägt.

WAS AM FREITAG NOCH GESCHAH

Marie Antoinette gefasst und ins Exil verbannt.
Treffen mit einer äußerst faszinierenden, charmanten, energiegeladenen, attraktiven australischen Künstlerin. Bei meiner Lieblingskellnerin, die wie immer großartig war und im überfüllten Café binnen Sekunden einen Tisch für mich organisiert hatte.
Bei Dussmann gestöbert und leider mehrfach fündig geworden. Endlich „Sunset Boulevard“, die Sammler-Edition gekauft. Sowie „die Zeit die bleibt“ von Ozon.
Regal fertiggestellt und währenddessen Glenn Close als Norma Desmond gelauscht.
Anruf aus Paris. Die Filmband-in-Gold-Trägerin gibt ihr Feedback zu „Gestern wollt ich noch sterben“ und rührt mich zu Tränen, die ich aber zurückhalte bis nach dem Gespräch. Vor Rührung vergesse ich, sie zu fragen, ob sie mit zu Rufus kommt*.
Mit Frankie „Sunset Boulevard“ geschaut, wie immer platt über die Wirkmacht des Films, was vielleicht aber auch damit zu tun hat, dass es um einen erfolglosen Drehbuchautor geht, der in die Fänge einer einstigen Filmlegende gerät, deren Salomé-Drehbuch er aufmöbeln soll, was zu nichts Gutem führen kann. Und dann war der Tag auch schon vorbei.

* Was ich wirklich nachholen muss. Wenn Rufus Judy macht, in der Stadt in der sie, als Deutsche, mit ihren Piaf-Versionen begeisterte, dann muss sie sich das mit anschauen.

UNITED SCIENTOLOGISTS

„The lunatics have taken over the asylum“, so amüsierte sich im Jahre 1919 die noch recht junge Filmindustrie, als vier der berühmtesten und beliebtesten amerikanischen Filmtätigen beschlossen, sich nicht mehr dem Studiosytsem zu unterwerfen und eine eigene Filmproduktion zu gründen. D.W. Griffith, Mary Pickford, Douglas Fairbanks und Charles Chaplin gründeten die „United Artists“. Sie waren die ersten Künstler, die gegen die Auflagen der etablierten Filmemacher, deren Berufshintergrund häufig wenig künstlerisch und eher im Teppichhandel oder Bootlegging anzusiedeln war, rebellierten. Dass so etwas nur schiefgehen kann schien vorprogrammiert. Zugegeben, UA war nie so erfolgreich wie andere Produktionsfirmen, aber es war auch nicht das Ziel der Betreiber, es den anderen Studios gleichzutun. Sie hatten hauptsächlich das Anliegen, in Filmen zu spielen, die sie selbst aussuchen, schreiben, in Szene setzen konnten. In späteren Jahren sollten andere Stars ähnliche Pläne umsetzen: Gloria Swanson suchte sich Joe Kennedy als Produzenten für „Queen Kelly“, der von Erich von Stroheim so provokant und verschwenderisch inszeniert wurde, dass er nie fertiggestellt wurde und Glorias Karriere beinahe beendete. Bette Davis verklagte in den 30ern die Warner Brothers weil sie Mitspracherecht bei der Auswahl von Filmstoffen verlangte. (Ein Filmstudio hatte das Recht, einen Schauspieler für das Ablehnen eines Drehbuchs zu suspendieren und seine Vertragszeit um die Ausfallzeit zu verlängern – so ruinierte Hitchcock die Karriere von Tippi Hedren noch in den 60ern: indem er sie unter Vertrag hatte, aber nur in zwei Filmen einsetzte). Bette verlor den Prozess – Olivia DeHavilland setzte sich in den 40ern vor Gericht durch, gewann und ebnete den Weg für künstlerische Selbstverwirklichung, der es u.a. auch Marilyn Monroe ermöglichen sollte, ihre eigene Produktionsfirma zu gründen.

„United Artists“ ist ein Firmenkonzept, das immer wieder Künstler inspirierte, die Verantwortung für und die Kontrolle über ihr eigenes Schaffen zu übernehmen und im marxistischen Sinne das Produkt der Arbeit vom Konzept bis zur Auslieferung zu betreuen. In Zeiten als der producer-credit noch keine reine Investitionsangelegenheit war (Bsp.: Melrose Place, Executive Producer: Heather Locklear), verstand sich die Künstlerproduktionsfirma nicht nur als Rebellionsmodell gegen die großen Konzerne, sondern als eine Möglichkeit, künstlerische Freiheit zu praktizieren. Heutzutage sind es Künstler wie Herr Pitt, Frau Bullock und Miss Foster, die zum Teil liebevolle Indie-Produktionen mit Rücksicht auf Verluste produzieren.

Warum schreibt Glam nun über eine Filmfirma aus den 20ern? Zunächste einmal, weil er zehn Jahre lang ein Indie-Music-Label als Manager betreute, das recht erfolgreich im Schatten der Majors koexistierte, manchmal sogar aus ihm heraustrat. Wenn Sie jemals den Begriff des „Neuen Deutschen Chanson“ gehört haben, dann hat das etwas mit Glamscher PR-Arbeit im Feuielleton-Bereich zu tun. Der zweite und aktuelle Grund: weil soeben bekannt gegeben wurde, dass die UA einen neuen Betreiber hat. MGM, die sich die UA einverleibt hat, hat soeben einen Vertrag mit Tom Cruise unterschrieben, der die United Artists übernimmt und in den Dreck treten wird. Charles Chaplin fällt vor Schreck der Bart ab und Mary Pickfords Korkenzieherlocken erschlaffen. Douglas Fairbanks holt den Degen aus dem Schrank und D.W. Griffith hält die Stummfilmkamera drauf. Und Scientology ist entzückt, endlich eine Filmfirma ganz für sich allein zu haben.