Archiv für den Monat: Januar 2019

Es ist immer noch die selbe Woche, die im Krankenhaus begann, obwohl das schon wieder wahnsinnig weit weg scheint. Eine Woche voller “erster Male ohne Alkohol”. Am Meisten Spaß macht nach wie vor der Moment vorm Einschlafen – wieder einen Tag ohne geschafft. Und die Belohung mit gesundem, erholsamem Schlaf. Erinnere mich wie letzte Woche das Junkie-Mädchen tränenüberströmt auf Station zurückkam und greinte, sie sei fassungslos, weil sie am Ubahnhof ihrem Dealer über den Weg gelaufen sei. Gern hätte ich ihr eine geknallt. Mein Dealer ist jeder Supermarkt, jeder Späti, jede Tankstelle, geschweige denn jeder Weinladen. Handle that, bitch.

Was eine lange to-do-list schien (also das, was eine Mutter mal eben zwischen Baby windeln, Geschäftstelefonaten und Wäsche waschen mit ein, zwei Handschlägen erledigt), ist schon in Abarbeitung begriffen. Next up: ein langer Kiezspaziergang, verbunden mit Optiker-Besuch.

Habe ich schon erwähnt, dass TV, Streaming und Filme nüchtern nur halb so unterhaltsam sind? Hiermit geschehen. Gut, dass ich noch einen Stapel ungelesener Bücher hier habe und Texte, die transkribiert werden müssen.

Geduld!

Bin bald wieder da. Zunächst: 5 Selbsthilfegruppen in 5 Tagen. Und all das ohne meinen Matterhorn-Man, mit dem ich hier wie ein altes Ehepaar lebte. Kein Sex, aber wir konnten unsere Sätze ergänzen. 5 Lieder, die noch Vertonung suchen. Noch mehrere werden folgen. Dranbleiben, Glammy writes again …

In the midnight hour

Aufgestanden, Handy geschaut. Ja. Ist der 2.1. – den hatte ich ausgesucht, weil da die Theater-Saison weitestgehend erledigt ist. Einmal über die Straße zur Ärztin. Verordnung abholen. Steht seit Wochen fest, aber der Schritt ist doch auch ein gewaltiger in den eigenen Arsch. Zur Arbeit gefahren. Dort wurde ich wegen Weinens weggeschickt. Ich weiß nicht mal warum ich weine – Ende eines langen, langen Lebensabschnitts, dem, in dem ich trinke. Auch die Feigheit, für die ich mich schäme. Ich versuche, ein bisschen Stolz zu generieren, aus dem Entschluss, den ich getroffen habe. Es gelingt mir nicht. Fühle mich nach wie vor am Arsch. Hoffe, dass es jetzt schnell geht, dass meine Krankenkasse die Maßnahme grünleuchtet. Vorhin war ich im Getränke Hoffi, hab der Ricky gesagt, dass sie jetzt vielleicht verarmt, wenn ich nur noch Säfte kaufe. Und sie hat mich ganz fest in den Arm genommen. I´m open for hugs theses days.

Ich bekomme enormes Feedback von Menschen, von denen ich nicht wusste, dass sie trockene Alkoholiker sind. Und von den Angehörigen von Suchtis jeder Couleur. Ich weiß nicht, wie das wird, ohne meinen Wein. Ich steh da komplett am Anfang. “Where’s the new horizon?” singt Barbra. Und darauf “Enough is enough”. Yes.