Archiv für den Monat: Juli 2018

Viertel vor 8 beim Arzt, 12 Leute warten schon vor mir. Ich trinke im erweiterten Wartezimmer, dem Café gegenüber, einen Kaffee. Und begegne drei Lieblingsnachbar*innen, die in ihren jeweiligen Tag starten. Anderthalb Stunden später hat die fünfte von fünf Ärztinnen, bei denen ich die letzten Tage in Behandlung bin, den Verbleib der russischen Bronchitis festgestellt und befindet mich für arbeitsunfähig. Vor dem Treppenaufstieg in den 5. Stock freue ich mich, dass es eine Hofterrasse gibt, auf der ich ein wenig Kraft sammeln kann. (Gestern hatte ich mich beim Lebensmitteleinkauf gewichtig verschätzt und war nach dem Aufstieg am Ächzen und Keuchen wie ein schlechter Pornostar.)

Das russische Virus entpuppt sich als hartnäckig. Anfangs waren noch typische Krankheitsbeschäftigungen möglich, TV, Lesen, im Verlauf nicht mehr. Seit gestern ist das Sitzen auf dem Balkon wieder möglich. Und ca 20 Seiten Stephen King. Jetzt, wo ich einen cuddle buddy habe, ist es umso schmerzhafter, dass der gerade jetzt nicht zu mir darf, weil ich den Putin-Virus nicht weitergeben möchte. (Den hat der sich ausgedacht für Russen, denen man dann doch mal ein Visum zum Reiesen ausstellt. Reisen könnseja, Hautptsache nur – sie fühlen sich richtig scheiße dabei.) Nach wie vor schicken mein Russe und ich uns hässliche Portraits. Cuddle buddy fotografiert sich beim Sport.

Einmal täglich verlasse ich das Haus um a) nicht durchzudrehen, b) Lebensmittel zu kaufen. Manchmal verbinde ich diese Tätigkeit mit c) etwas Sinnvollem/ Schönen. Also Kuchen beim Bravko. Und dem Ausbügeln einer vergeigten Freundschaft. Mit pastel del nate (?) beim Bravko.
“Wir können ad acta sagen, alles unter den Tisch fallen lassen. Wir können aber auch drüber reden.”
Die Entscheidung fällt auf “drüber reden” (was ich befürchtet hatte), das Fazit ist: Danke für das Gespräch. Was die Freundschaft angeht – Lassen wir das. Im Hausflur grüßen reicht.