Archiv für den Monat: Juli 2017

22, running

I cannot always run on my own fuel
I run and run and run, I am such a fool
I´ve hit the point of no return
So long ago
And circling round the drain makes you dizzy
And just so uncool

I sit and write a song like I´m 22
Where ever it may get me
I just tell the truth
Maybe lying gets you quicker to where you run
But sorry, I believe that makes you such a cunt

There comes a time where you ask
If you´re the face behind or just the mask
What you need is a full tank of gas
You run run run run
Doo yaheeee
You run run run run
Doo yaheee!

People who need people

Innerhalb einer Woche Notaufnahme, Polizei – als Angehöriger, nicht-direkt-Betroffener, Androhungen und Vertrauensmissbräuche, schließlich gekrönt: Arschdoktorbesuch. Da war ich schon so durch, dass die Panik ausblieb und lediglich 3 Gramm Antiobiotika in Verbindung mit Citalopram und einem Glas Wein mich in einen nebulösen Zustand versetzten, aus dem ich gestern, einen Tag später, herausdämmerte, um im Büro festzustellen, dass ein gigantischer Backlash einsetzte. Es liefen die Tränen, unkontrollierbar, und ich konnte nicht nach Hause. Dann der B. eine Message gesendet, ob ich paar Stunden bei ihr im Garten schlafen darf, “Ja, natürlich” und dann die vertraute geliebte Strecke zum See runter. “Du bist meine Hamptons.” Und sie weiß genau, was das heißt. Und doch ist sie viel mehr als das. Mit ihr im Garten sitzen und drei italienische Teenies spielen Pingpong, der L. kommt auch dazu und wir spielen uns Musik vor – Lorde, Burt Bacharach, und dann ziehen die Teenies weiter, wir bleiben sitzen und ich äußere eine meiner schlimmsten Bestandsaufnahmen – B., ich bin so langweilig geworden, ich öde mich an mit meiner Langweiligkeit. Und wie so oft in den letzten Wochen, nach dem zweiten Mal “A Little Life” – “Ich bin der Welt abhanden gekommen”, Schubert? Nein, Mahler. Und natürlich Jude St Francis, Judy für seine Freunde. Die B. lacht. “Volker, wenn Du irgendwas NICHT bist – dann langweilig.” Und nach ein paar Stunden fahre ich zurück in die Stadt, und dann ist wieder dieser kleine Funke in mir, der mich zum Schreiben bringt. Und zum Leben. Zurück in die Welt.

Moments of pleasure

Wenn man sich mit jemandem verabredet, den man ca 25 Jahre nicht gesehen hat, dann ist es ziemlich wagemutig, das Treffen für 14.00 Uhr anzusetzen, immerhin 6 Stunden, bis die andere lang verlorene Freundin und die Freundin, die uns damals zusammenbrachte, ca 1986, dazu kommen. Die Vermutung war aber, ganz bauchtechnisch, dass wir uns auch jetzt noch dies und das zu erzählen haben würden. Und so holte ich Marion vom Bus ab und es dauerte keine Stunde, bis ich das erste Mal ihr Lachen wiederhörte, das, das einen so ganz besonderen Klang hat, eine Melodie, und das so ansteckt und in mir auch ein Lachen auslöst – nicht ganz so melodisch; mehr, wie wenn man einen Eber auskitzelt – und die 25 Jahre waren nur noch eine völlig irrelevante Zahl (die zwischen 24 und 26). Wir schwangen auf einer gemeinsamen Frequenz. Diese wurde am Abend dann um zwei Lachen aufgestockt und weiter harmonisiert. Iris kenne ich seit ich 14 bin, Martina kamm zwei Jahre später in mein Leben. Ein Zusammentreffen, für das ich auf einen meiner liebsten Sommertermine, das Autorenfest meiner Agentur, verzichtet hatte. Um halb vier Uhr morgens blieb dann Martina und crashte auf der Couch, so dass wir dann noch den Vormittag für uns hatten, um uns dann aber noch zum späten Frühstück zu den anderen ins Café am Neuen See zu setzen.

Wenn man auf eine Vergangenheit zurückblickt, die Zeit zwischen ca 16 und 22, in der man mit den anderen um die Häuser gezogen ist, in der Musik unser Leben bestimmte, aber auch die Schönheit der Jugend uns geschenkt war, dann bleibt es nicht aus, dass man sich, die 50 zirkulierend, mit dem Alterungsprozess und seinen Auswirkungen befasst.
“Ich schau mir manchmal hässliche Leute an, auf der Straße, und bekomme Mitleid. Aber dann sehe ich – die haben vielleicht auch einen Partner und Familie, die sie liebt und dann sag ich mir, dass mein Altern auch nicht so schlimm sein kann, auch wenn die Schönheit weg ist und auch nicht wieder herstellbar.”
“Ja,” sagt Marion da ganz richtig, “aber es ist doch schön, dass wir darauf zurückblicken können.”

Das Schönste allerdings an diesem Wochenende war, dass die Harmonie und der Humor, den wir schon als Teens und Twens hatten, keine Minute gealtert ist. Wir vier in einem Raum bedeutet noch immer, dass uns nichts fehlt. Das ist die beste Rückversicherung dafür, dass das Altern einem nicht vollständig etwas anhaben kann.