Kategorie-Archiv: Glam gruebelt

And the queer threw up at the sight of that

Spiegel Online sprengt meinen Safari-Browser und ich frage mich, ob das ein leiser Hack-Wink ist, der mich dazu bringen soll, mich aus dem Informations-Tsunami auszuklinken. Weshalb informiert bleiben, wenn ich doch keinen Einfluss nehmen kann? Wieviel will ich noch wissen? Ich bin, anders als Halb-Amerika, grundinformiert, gebildet, habe einen Überblick über die Weltgeschichte. Bin selbstgerecht. Letzteres ist aber Halb-Amerika auch. If you can´t fix it, Jack, you got to stand it. Ich versuch jetzt ein paar Tage ohne News, was an mir und allem nichts ändern wird.

Ignorance is bliss.

Immune to cuntsultations

Nachts aufgewacht, quite aware, dass es der Aszendententag ist, Geburtstagsgrüße an Die Drei verschickt und als nächstes prompt und zusammenhangslos gedacht, was das für eine Welt ist, ohne David Bowie darin. Bei allen Verlusten dieses Jahres tatsächlich der am Schwersten zu verkraftende. Dann “Changes” im Kopf, woraufhin obiger Titel entstand, noch ein Foto von der Wand in den Müll, nicht Papierkorb, sondern richtiger Küchenmüll, wo sich Pizzaränder mit Kippen und Weinflaschen treffen und eine Frau mit geschmacklosen grünen Handschuhen dies nun aushalten muss, bis ich morgen den Müll in die Tonne kippe. Bio-Müll.

Zwischen Geburts- und Aszendententag war ausreichend Zeit für eine Bestandsaufnahme. Eine ziemlich beschissene Strecke. Ich hatte angenommen, mir bei zu bringen, die Fresse zu halten, wäre eine Leistung. Ich pendele immer noch zwischen Aussprechen und selbst-verhandeln und habe keine schlaue Lösung parat.

So denn die Versicherung meine gekündigte Altersvorsorge zahlt, steht ein Urlaub an. Februar wäre ideal. Von den Kapverden kenne ich bislang nur die Salzinsel. Dieses Mal gerne etwas Vegetation. Oder eine Vulkaninsel, vielleicht lerne ich dann wieder kreativ zu brodeln. Vielleicht laufe ich dann auch dem Architekten aus Lissabon über den Weg, der mir 2001 eine langwierige sexuell übertragbare Krankheit verpasste und kann mich endlich angemessen bedanken.

Not a nice day. But it´s not a nice world in the first place. You´ve got to make “nice”. Again and again and again. I´ll go ahead and try. Again.

Lazarus-Dawn-Sunset

Nicht einmal amerikanische Musical-Stimmen und das Vibrato von Michael C. Hall kriegen den Bowie-Kanon kaputt, womit sich der Kauf des “Lazarus”-Albums gelohnt hat. Dies ist allerdings immer dann am Besten, wenn der amerikanische Schmonz wegfällt, bei “The Man who sold the World” und “Always crashing in the same Car” beispielsweise. Bowies Hinterlassenschaft überlebt. Whop bap bahoo.
Jetzt fiebere ich dem “Before the dawn”-Release entgegen, das 8minütige “King of the Mountain”, gestern releast, zeigt, was auf Live-Bühnen möglich ist und puts a bit of shame zu dem, was die Lazarus-Band an Atmosphäre erzeugt. The KT-Fellowship hat neu definiert, was geht. Vor zwei Jahren schon. Aber vielleicht ist es unfair einen lebenden Künstler, Kate Bush, mit dem Best-of-Karaoke eines körperlich verstorbenen Gottes zu vergleichen. Egal, ich tu´s trotzdem. Und räume auch ein, dass das sehr bewegende Cover von Kates “Army Dreamers” von Moddi ganz anders bewegt, als das Original, weil es sämtliche Theatralik über Bord wirft, die 1980 noch ein akzeptabler modus operandi war.

Ebenfalls entschlackt scheint die Lübecker “Sunset Boulevard” Inszenierung mit der Lieblingsdänin als Norma Desmond zu sein. Verzicht auf die vorprogrammierten Webber-Kostüme und Bühnenbilder, sehr gute Idee. Das Libretto, die Musik haben ausreichend Opulenz, da macht es Sinn, das Visuelle wegzuschmelzen und sich auf die Kraft des Stoffes und die Fähigkeiten des Ensembles zu erlassen. Can´t wait to see it!

Blut/ Wasser

Ende Mai erfuhr ich, dass das Buch, an dem ich gerade ein Jahr geschrieben hatte, unverkäuflich sei. Zu schwul. “Ein starker, berührender Text”, schrieb eine ehemalige Lektorin, aber eben leider nicht massentauglich, da es sich quasi um eine schwule Autobiographie handele. Dass eine, meine, Biographie zentral zum Thema ist – es handelt sich um ein Buch über Angst- und Panikstörungen, mache es schwer, einen großen Verlag dafür zu finden. Ein Buch über Ausgrenzung, das nun ausgegrenzt wird. Das sind die klaren Fakten des Marktes einer Gesellschaft, in der doch eigentlich alle Menschen gleich sind und in der Toleranz und Akzeptanz einen hohen Rang haben. Auch nicht ganz ohne Ironie, dass ein sehr geschätzter Kollege gerade mit einem Buch über Bipolarität abräumt. Da ist wieder dieses Gefühl, in die Ecke gestellt zu werden; der Beweis dafür, dass ich für mein So-Sein anders behandelt werde.

Das ging an meine Menschenwürde, in die Magenkuhle und mit nem Baseball-Schläer in die Kniekehlen. Das hat einiges verändert. Zunächst sagte ich meinen Geburtstag ab. Ich hatte nicht das Gefühl, dass man mich feiern sollte oder dass ich imstande sein würde die Liebe zu generieren, die eine Party benötigt. Ich verbrachte zwei Urlaubswochen auf meinem Balkon ins Leere starrend. Ich hatte einen Hass auf mein Leben, den auch mein Umfeld zu spüren bekam. Einige befanden, ich sei in mein Unglück verliebt, andere mutmaßten ich würde einen frühen Tod durch Alkohol sterben und inszenierten eine Intervention, die gut gemeint war, aber für das Ende zweier Freundschaften sorgte, denn lieber habe ich, dass man mit mir redet, als über mich. Die beiden waren weit über ihr Ziel hinausgeschlossen. Das Grundvertrauen, das die Basis jeder Freundschaft ist, ging dabei in die Brüche. Ich wurde vorgeführt und dann wurde noch nachgetreten. “Sie haben es doch nur gut gemeint” stimmt natürlich, aber woher kommt die Feindseligkeit, wenn ich nachfrage? Da muss ich Jahrzehnte lang ein sehr sehr schlechter Freund gewesen sein.

Und dann kam meine Mutter zu Besuch und wir begannen, eine neue Ordnung aufzustellen. Probleme, an denen ich jahrelang gescheitert war, wurden neu hinterfragt und wir fanden Lösungen. Ich erlebte meine Mutter nicht als Mutter, sondern als Freund. Und sie las mein Buch, in dem meine Kindheit in ihrer Obhut natürlich eine wichtige Rolle spielt. Ich hatte große Bedenken, dass sie mit der Darstellung ihrer Person nicht zufrieden sein würde. Wenn sie gesagt hätte “Veröffentliche das bitte nicht”, dann hätte ich das Dokument gelöscht. Aber sie findet das Buch großartig und ehrlich, und so hat sie noch keines meiner Bücher gelobt. Es stehen noch einige Rückmeldungen von Verlagen aus. Vielleicht macht´s ein schwuler Verlag, vielleicht werde ich zum Epublisher. Aber diese Phase, die alle Anzeichen einer schweren Depression hatte, und in der die Selbst-Sicherheit, die ich mir eh erkämpfen muss, vollständig abhanden gekommen war, ist abgeschlossen. Danke an alle, die es mit mir ausgehalten haben. Und vor allem meine Mom.

dust to dust

Abends fließt die Inspiration. Ich werde nachts wach und notiere. Tagsüber erscheint mir das Projekt als zu groß – ich weiß nicht, ob ich dem gerecht werden kann. Dann kommt noch die Frustration/ Trauer um das gerade Geschriebene hinzu, das es so sehr verdient, veröffentlich zu werden. Die bislang eingeräumten Zweifel, jenseits der begeisterten Probeleser, sind ein Piss-Strahl auf meine Lebensgeschichte, aber dies ist der Markt: “Zu schwul”. Für das Neue nun, das ein schwuler Porno-Zirkus werden könnte (und wird und muss), habe ich eine zentrale Heten-Verliebung eingeplant. And boy, they´re going to have a rough time. Aber solche Voraussetzungen, Voraussetzungen genormt, sind ein echter Stopper.

Es ist wie beim Putzen. Tust Du das eine Woche nicht, macht die zweite, dritte und vierte Woche auch keinen Unterschied mehr. Es gibt nur so und soviel Staub. Man könnte es also sein lassen. Habe immerhin ne Maschine Wäsche angeworfen.

tout seul et tout petit

Dann kommt die Einladung der M., ihr heutiges Konzert zu besuchen, und ich hatte das eh vage geplant, aber da liegt der Weg durch die ganze Stadt dazwischen, außerdem möchte ich nicht alleine gehen, sondern mit Frost, aber Frost ist in Murnau und die T., mit der ich auch gerne ginge, hat nen Kerl da und das ist Priorität, das weiß und respektiere ich. Der M. ist in der Stadt, zuletzt sahen wir uns beim Dolly-Parton-Konzerte, aber seit dem ich lose, hat er den Kontakt abgebrochen, und weil ich über seine letzten beiden Alben nix Gutes sagen konnte. 20 Jahre, time flies. Nach dem Konzert und dem vielen Wodka hatte ich einen bezaubernden Obdachlosen zunächst in den Busch um die Ecke, später nach Hause mitgenommen. In dem Busch habe ich meine gelbe Sonnenbrille verloren. Der Migi schrieb gestern sehr traurig, Tod im Freundeskreis, und schrieb nicht zurück auf meine Message, ich hatte Angst, und heute schreibt er, das Netz sei schwach an der Ostsee und er sei auf dem Weg nach Amsterdam, gutes Gras kaufen. An Saab-Bord ein Typ, den er im FKK-Camp an der Ostsee getroffen hat. Ich bin froh, dass er lebt und nicht alleine ist. Der E., mit dem ich letzten Samstag so viel Spaß hatte, ist in einer Beziehung und sein Mann ist gerade in der Stadt. Plus er hat nen Krampf in irgend einem Arschmuskel. Aber noch einsamer würde ich mich fühlen, ginge ich allein zu einem Konzert französischer Chansons.

Sturm und Drang

Wollte auf Facebook das Fantasy-Filmfest verlinken, aber das Vorschaubild war ein hübscher blutverschmierter Kerl mit ner Axt auf der Schulter, schien passend aber auch unpassend.

Eine Freundin schreibt vom Werther-Effekt, an den denke ich auch die ganzen Tage. Selbstmordberichterstattung schafft Nachahmungstäter, deshalb immer diese Disclaimer abgebildet: “Wenn auch Sie Sorgen haben, hier ist die Nummer der Seelsorge”. Im Falle Amok nennen sie es Trittbrettfahrer. Nun ist es schwierig – man kann ja nicht nicht über Selbstmorde oder Amokläufe oder die Kombi – Selbstmordattentäter – schreiben, aber es wird zwangsläufig eine Abstumpfung stattfinden. Am Samstag saß ich mit einem sexy Israeli im Görli, noch schockiert von den Berichten aus München, da lächelt er traurig und sagt “In Israel it´s an every-kind-of-day thing.” Terror ist jetzt auch Teil unserer Gesellschaft. Die Todesart Amok-, oder Attentatospfer kommt jetzt dazu wie Autounfall oder freak-accident.

Auf die Frage, ob sie Sport treibe, hat Hildegard Knef einmal geantwortet “Ja. Ich laufe Amok”. Das kann man nun leider nicht mehr so unbefangen äußern. Ein bisschen Sport würde den Ego-Shootern, die begeistert über Columbine Winnenden Sandy Hook etc. etc. recherchierten und Bombenbastelanleitungen im Netz sammelten, vermutlich gut getan haben.

Very very.

Get thee to a library

Jetzt ruf ich meine Plattenfirma an, die können dann paar wilde Tiere ordern und Gondolieris. Und nachher treff ich nen Fremden im Park. Der kann sich dann gleich an verheulte Augen* gewöhnen und sich entscheiden, ob er ein Fremder bleiben möchte. Ich bring den Wein, er die Snacks.
Ingrid singt den “Trans-Europ-Tango”, Forscher fragen sich und mich, wann denn endlich mit der Entschlüsselung des Bewusstseins zu rechnen ist. Bewusstsein, nicht Unterbewusstsein. Ist nämlich so ne Sache. Zum Unterbewussten fällt ja jedem was ein.

Tagsüber kreischen Kinder im Hinterhof, nachts Besoffene auf der Wiener Straße. Immer was los hier. Mini-Terror hier, Maxi-Terror everywhere. Gestern ein Auto mit dem Kennzeichen B 5 gesehen, ist sehr aggressiv gefahren. All I want is a little bit of peace and quiet.

*”The Normal Heart” und “Philomena” im Double feature.

Do and be done with me.

Die Geburtstagswoche war ja schon schlimm, aber die Urlaubswochen stehen in kaum etwas nach. Das worst case scenario finanziell ist erreicht, Schicht, aber immerhin nur noch 200 Euro Steuerschulden. Kein Wassertag, außer heute, aber heute bin ich zu panicky wegen einer OP morgen. Frisch operiert dann auch wieder wasseruntauglich und ich lese so charmante Utopien wie “High Rise”, oder Tränenquetscher wie “The Illusion of Seperatedness.” Ick seh Sonne aber keene Sonne. Die Party bei der lieben T. hab ick sausen lassen, weil ich absolut nichts Schönes zu erzählen habe. Aber immerhin kann ich mich hier vor lauter Unbekannten auskotzen, ist ja auch was. Danke, und verzeihen Sie.

Das Alarmsystem ist in overdrive. Icke, schwer behindert. Und sollte es vielleicht einsehen komma dass, denn Stolz ist Stolz und Krankheit ist Krankheit. Und natürlich weiß ich, dass ich mich selbst torpediere, wenn die Mittel zur kurzfristigen Erleichterung kurzfristig befriedigend abrufbar sind und ich sie in Anspruch nehme. Na, wenn Sie mal in die Situation kommen, werden sie wissen, was ich meine.

Der M. schreibt gerade, dass er es nicht nach B. schafft. Sag ich, ist okay, Du bist eh 2 Wochen zu spät. Und ausserdem können wir nicht ficken. (Taten wir das letzte Mal auch nicht, aber das war eine Respektserweisung und Vorsichtsmaßahme, weil ich nicht sicher sein konnte, ob ich gerade toxic bin (ich war).)

Jetzt freu ich mich an der Tatsache, dass ich heute auf meinem Pueblo-Päckchen den nackten, angeblich impotenten Mann habe und nicht einen abgefaulten Fuß o. Ä.